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Sehr geehrte Damen und Herren
Im Grunde ist es ja müssig, von einer eigentlichen KMU-Politik zu sprechen. Denn die kleinen und mittleren Unternehmen sind DIE Schweizer Wirtschaft. Das geht leider allzu oft vergessen unter den fetten Schlagzeilen der grossen, multinationalen Firmen mit Sitz in der Schweiz.
Die KMU treiben unsere Volkswirtschaft voran, sie sind unser starke Motor. Gemeinsam machen diese 99,7 Prozent der Firmen in der Schweiz aus, die KMU sind die wichtigsten Arbeitgeber in unserem Land. Gut zwei Drittel aller Beschäftigten verdienen sich in diesen Betrieben ihren Lohn. Und sie scheinen sich an ihrem Arbeitsplatz ausserordentlich wohl zu fühlen, wie eine europäische Vergleichstudie erst kürzlich belegte. Dass sich die Politik redlich bemüht, bessere Rahmenbedingungen für die KMU zu schaffen, zeigt sich schon alleine daran, dass in der zu Ende gehenden Legislatur 178 Vorstösse eingereicht wurden, die in irgendeiner Form den KMU das Leben erleichtern wollen.
Im Juni präsentierte der Bundesrat zudem einen KMU-Bericht, der ebenfalls aus den Reihen des eidgenössischen Parlaments initiiert worden ist. Er erreichte leider im sommerlichen „Dolce far niente“ nicht die grosse Beachtung. Schade eigentlich, denn er bietet einen umfassenden Überblick über das, was Bund und Parlament tun, tun können, vernachlässigen oder vernachlässigen müssen. Handlungsbedarf gibt es immer wieder, wir bleiben ja nicht stehen. Deshalb sind wir Politikerinnen und Politiker auch an den entsprechenden Inputs Seitens der Betroffenen interessiert.
Meine Damen und Herren
Was mir heute – und da drückt vermutlich die Sozialpolitikerin durch – noch zuwenig thematisiert wird, ist der Blick in die Zukunft der KMU. Man spricht auch gerne und ausführlich über die fortschreitende Globalisierung, die technologischen Entwicklungen und die immer knapper werdenden Rohstoffe. Beklagt werden auch immer wieder die hohen Gründungskosten, da gehört die Schweiz tatsächlich zu den Spitzenreitern. Man spricht auch oft darüber, Unternehmen weiter von administrativem Aufwand zu entlasten. Tatsächlich ist der Papierkram ärgerlich, aber es hat sich bereits einiges getan, wie das Volkswirtschaftsdepartement versichert und die Unternehmer unter Ihnen feststellen konnten. Die Probleme sind erkannt. Es wird daran gearbeitet.
Ab Ende Jahr können die 300 000 Unternehmer in der Schweiz ihre Lohndaten elektronisch an alle Stellen schicken: An die Suva, die Ausgleichskassen, ans Bundesamt für Statistik oder den Schweizerischen Versicherungsverband. In diesem Jahr soll auch noch ein Formularserver im Departement Leuthard aufgeschaltet werden. Das sind kleine Massnahmen, die jedoch pro Woche bereits einige Stunden Arbeit ersparen.
Hingegen bin ich überzeugt, dass sich Unter-nehmerinnen/Unternehmer, aber auch die Politik noch zuwenig Gedanken über die demografischen Entwicklung und deren Folgen auf die KMU auseinandersetzen, und zwar gleich in mehrfacher Hinsicht:
Da sind zum einen die Babyboomer, die aus dem Arbeitsleben verschwinden, es rücken die geburtenschwachen Jahrgänge nach. Bereits in wenigen Jahren - laut Bundesamt für Statistik bereits ab 2019 - wird die erwerbstätige Bevölkerung abnehmen. Im Jahr 2050 dürfte sie von heute 4 Millionen auf 3,3 Millionen zurückgehen. Stellen wir uns das einmal vor: Jede fünfte Arbeitnehmerin, jeder fünfte Arbeitnehmer würde auf dem Werkplatz Schweiz ganz einfach fehlen. Dieses Vakuum müssen wir füllen. Wir können versuchen fehlende Arbeitskräfte über die Personenfreizügigkeit ins Land zu holen. Nur, die demografische Kurve entwickelt sich bei unseren europäischen Nachbarn nicht anders als bei uns. Und holen wir die vielen benötigten Arbeitskräfte von weit weg her, sind uns hitzige politische Diskussionen so gut wie sicher.
Die Unternehmer werden deshalb nicht darum herum kommen, Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer über das Pensionsalter hinaus weiter zu beschäftigen. Allerdings dürfte dies nicht möglich sein, ohne auf die speziellen Bedürfnisse dieser „angegrauten“ Mitarbeitenden Rücksicht zu nehmen. Es wird sich ähnlich verhalten müssen wie heute mit der Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Und hier werden die Unternehmer gemeinsam mit den Seniorenverbänden, den Sozialpartner und auch der Politik noch Arbeitszeitmodelle finden müssen. Die modernen Menschen der dritten Generation werden vermutlich dereinst noch „jugendlicher“ sein und oft auch gesundheitlich in guter Form. Ich finde es jedoch legitim, wenn Rentnerinnen und Rentner ihre Bedürfnisse und Ansprüche anmelden, sollten sie sich bereit erklären, weiterzuarbeiten.
Ein weiterer, interessanter Aspekt der demografischen Entwicklung hat die Credit Suisse im Rahmen einer Studie beleuchtet. Gemäss ihrer Umfrage stehen zwei Drittel der Unternehmer in der zweiten Lebenshälfte und müssen sich Gedanken über ihre Nachfolge machen. In 64 Prozent beziehungsweise in hochgerechnet beinahe 185 000 Schweizer KMU ist laut CS-Umfrage die Nachfolgeregelung in den kommenden zehn Jahren ein Thema. In der Schweizer Unternehmenslandschaft wird also einiges passieren. Derzeit thematisiert werden die Nachfolgeregelungen jedoch bloss in jedem dritten KMU.
Meine Damen und Herren
Was aber, wenn niemand da ist, der das Unternehmen übernehmen will: Wie eingangs erwähnt, tragen die KMU unsere Volkswirtschaft fast zu 100 Prozent. Wir müssen dafür sorgen, dass dem Motor der Treibstoff nicht ausgeht. Und dazu braucht es Modelle, welche die substanzstarken und innovativen KMU langfristig sichern. Zum Beispiel in Form von Beteiligungen, welche für die KMU eine nachhaltige Wertschöpfung bringen. Für mich ist allerdings zentral, dass diese Beteiligungen nach ethischen Grundsätzen erfolgen, dass offen und klar kommuniziert wird, wer die Investoren sind und welche Absichten sie verfolgen.
Es darf aber nicht sein, dass die KMU mitsamt ihren Arbeitsplätzen ins Ausland abwandern, wenn dort dank Schweizer Engagement zusätzliche Stellen geschaffen werden können – umso besser. Denn die Schweiz ist heute eines jener Länder, die am stärksten in die Weltwirtschaft integriert sind. Jeder zweite Franken wird im Ausland verdient. Schweizer Unternehmen beschäftigen im Ausland über 1,8 Millionen Mitarbeiter. Die Anzahl Mitarbeitern von KMU, die im Ausland investieren oder an denen umgekehrt ausländische Firmen beteiligt sind, wächst stärker als jene von Kleinst-, Klein- und Mittelunternehmen ohne internationale Verflechtung. Der aktuelle Bestand der schweizerischen Direktinvestitionen im Ausland beläuft sich auf rund 500 Milliarden Franken. Das ist mehr als das jährliche Bruttoinlandprodukt der Schweiz.
Gerade in den mitteleuropäischen Ländern liegt grosses Potenzial für Schweizer Firmen. Spitzenqualität ist in den Ostländern zunehmend gefragt, denn sie sind von den asiatischen Ländern im Preiskampf längst übertrumpft worden. Und zudem können sich im Osten immer mehr Menschen Topmarken leisten. Zugegeben, da spielt noch viel Zukunftsmusik mit, denn die durchschnittliche Kaufkraft liegt noch deutlich unter jener der übrigen Europäer. Aber die Prognosen sehen gut aus.
Meine Damen und Herren
Die Politik versucht alles zu tun, den KMU möglichst viele Steine aus dem Weg zu räumen. Das ist keine leere Floskel. Aber: Wirtschaftspolitik ist kein Nullsummenspiel. Es gilt die Devise, dass der Staat die Aufgabe hat, den Standort Schweiz konkurrenzfähig zu machen und zu halten. Die Wirtschaft hat dann die Aufgabe, in dieser Konkurrenz erfolgreich zu sein. Oder anders gesagt: Die politischen Rahmenbedingungen müssen stimmen, damit Unternehmen wieder etwas unternehmen können.
Ich danke Ihnen!