Es gilt das gesprochene Wort!

 

 

Herr Gemeindepräsident
Herr Bundesrat
Herr Kantonsratspräsident
Herr Regierungspräsident
Damen und Herren Behördenvertreter von Bund Kanton und Gemeinden
Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger

Es entspricht einer sinnvollen und schönen Tradition, dass der Reisezug in der ersten Gemeinde auf dem Kantonsgebiet Halt macht.
Sie können sich vorstellen, dass es für mich eine grosse Freude ist, hier, im Entlebuch, in meiner engeren Heimat, da wo ich das Politisieren gelernt habe, meine erste Rede nach der Eröffnungsansprache am Montag halten zu dürfen.
Und das vor einer so grossen Zuhörerkulisse, ich glaube, das halbe Entlebuch ist auf den Beinen. Das freut mich ausserordentlich, es gibt mir ein gutes Gefühl der Verbundenheit und des Getragen seins. Gerade das kann ich in meinem Präsidialjahr gut gebrauchen.

Escholzmatt Marbach ist heute seinem Ruf, ein ausgezeichneter Festorganisator sein zu, einmal mehr gerecht geworden. Ich danke dem Gemeindepräsidenten und dem Gemeinderat, allen Beteiligten am Umzug und am Fest und der ganzen Bevölkerung für den herzlichen Empfang, der ja auch mit viel Arbeit und finanziellen Mitteln verbunden ist.
In der Geschichte des Entlebuchs spielen verschiedene Escholzmatter eine Rolle. Zwei davon – sie könnten unterschiedlicher wohl kaum sein – will ich kurz erwähnen.

Während des Bauernkrieges 1653 wurde die Entlebucher vom Escholzmatter Christian Schybi angeführt. Der Aufstand der Bauern scheiterte, Schybi mussten zusammen mit weiteren Entlebuchern seinen Mut mit dem Leben bezahlen. Er wurde in Luzern zum Tode verurteilt und hingerichtet.
Wenn man das Brauchtum und die Kultur im Entlebuch in der Retrospektive betrachten will, kommt man nicht an Pfarrer Franz Joseph Stalder vorbei
Hier verfasste er 1798 sein Werk Fragmente über das Entlebuch: Man merke sich die Jahreszahl 1798, der Beginn der Helvetik, Luzern war für kurze Zeit Hauptstadt der Helvetischen Republik. In seinem umfassenden Werk schreibt er, angesprochen auf die Volkskultur:

Des Entlebuchers höchste Vergnügen bestehen in der Jagd, im Schwingen, Tanzen und Musizieren. Vom begüterten Emmenthal bis in die stolze Hauptstadt Bern, von dem einsamen Schangnau bis zum reichen Munizipalstädtchen Thun werden die Entlebucher, besonders stark in der Tanzmusik, in grosser Anzahl zu allen Festen gerufen.

Und weiter hinten ist zu lesen:
Die Ursache dessen liegt in der Aufgewecktheit des entlebucherschen Geistes, in der Milde der Regierungsverfassung, selbst in dem reinen Klima und in der Gemächlichkeit seiner landwirtschaftlichen Arbeiten.
Pfarrer Stalder gibt damit allenfalls die Erklärung an all jene Kolleginnen und Kollegen im Nationalrat, die ab und zu meine Denkweise nicht verstanden haben sollten.
Nun, seit 2003 ist das Entlebuch das erste UNESCO Biosphärenreservat der Schweiz. Damit hat diese Region eine Vorreiter- und Vorbildfunktion übernommen, bevor das eidg. Parlament – nota bene gegen den Willen des Bundesrates - die Idee von regionalen Naturpärken verankert hat. Es war dann folgerichtig, dass das Entlebuch im Jahre 2008 offiziell auch als erster regionaler Naturpark der Schweiz anerkannt wurde.

Darauf sind die Entlebucher stolz, denn es gibt hier gute Produkte für Körper, Geist und Seele. Von erster Sorte sollen Sie nun noch etwas probieren. Und ich werde in meinem Präsidialjahr mehrmals Gelegenheit haben, irgendwo in der Eidgenossenschaft von der UNESCO Biosphäre Entlebuch und ihrer Entstehungsgeschichte zu berichten.
Ich danke nochmals allen Anwesenden herzlich für den schönen Empfang. Speziell der Gemeinde Escholzmatt Marbach für die perfekte Organisation. Herr Gemeindpräsident: Ich wünsche Ihrer Gemeinde Escholzmatt Marbach und dem ganzen gelobten Land Entlebuch in Zukunft alles Gute. Und den Jagdhornbläsern und den vielen anwesenden Jagdkameraden ein umfassendes Weidmanns Heil.