Es gilt das gesprochene Wort!
Liebe Jugendliche,
Liebe Teilnehmerinnen, liebe Teilnehmer
Ich begrüsse Sie sehr herzlich hier im Bundeshaus. Ich freue mich darüber, dass diese Reihen für einmal mit jungen Menschen gefüllt sind. Sie bringen dadurch ihr beherztes Engagement für die Weltgemeinschaft, die UNO, zum Ausdruck.
Soyez les bienvenus au Palais du Parlement. Quel plaisir de voir la salle du Conseil national remplies de jeunes gens! Votre présence ici me réjouit car elle montre combien votre engagement en faveur de la communauté mondiale et de l’ONU vous tient à cœur.
In einer vernetzten und globalisierten Welt, in der staatliche Grenzen in vielerlei Hinsicht gewollt geöffnet oder anderweitig durchlässig geworden sind, können viele Probleme nur noch gemeinsam gelöst werden. Die Klimaveränderung, die Herausforderung in der Energiepolitik, die Demokratisierung, die knappen Ressourcen sind nur einige Stichworte hierfür. Die Ereignisse in Japan und in Libyen haben, jedes auf seine Weise, auch Einfluss auf unser Land. Dass wir präsent sein müssen auf der Weltbühne, ist denn auch nicht mehr als eine Selbstverständlichkeit.
Zu Ihrer ersten Versammlung passt übrigens ganz gut ein Satz von UN-Generalsekretär Ban Ki-Moon, den dieser anlässlich der Eröffnung des internationalen Jahres der Jugend im vergangenen August ausgesprochen hat: "In einer Welt, in der unterschiedliche Menschen und Traditionen immer häufiger und enger miteinander in Kontakt treten als je zuvor, ist es wichtig, dass junge Menschen lernen, wie man aufmerksam zuhören, sich in das Gegenüber hineinversetzen, unterschiedliche Meinungen anerkennen und Konflikte lösen kann."
Même si la Suisse est petite et à dimension humaine, vous apportez la richesse de vos origines, de vos opinions et de vos sensibilités différentes. Ecoutez ce que les autres ont à vous dire et n’hésitez pas aller au-devant d’eux pour développer de nouvelles idées car toute culture politique digne de ce nom se base sur l’ouverture à l’autre. Avec les toutes dernières technologies, Internet, Facebook et Twitter, vous avez les moyens d’échanger vos informations et vos avis avec le monde entier. C’est une grande chance, à condition d’utiliser ces plateformes de manière appropriée et dans un esprit constructif.
Liebe Jugendliche
Mit dem Tagungsthema „Wasser“ greifen Sie ein Thema auf, das mir sehr am Herzen liegt. Wie Sie vielleicht wissen, komme ich aus dem Kanton Uri. Die Gotthard-Region ist die zentrale Wasserscheide und Europas eigentliches Wasserschloss. In einem Gebiet von 20 auf 20 km entspringen hier die Flüsse Rhein, Rhone, Reuss und Ticino. Wasser ist die – neben klugen jungen Köpfen – einzige materielle Ressource, über die unser Land verfügt. Wasser kommt von oben, sprudelt aus dem Boden. Wir drehen den Hahn auf, es fliesst Wasser zum Trinken und zum Waschen. Wir freuen uns über das Wasser in den Seen, Bächen und Flüssen. Und wir nutzen das Wasser zur Produktion von Strom. Und wir können uns nur schwer vorstellen, dass es auch anders sein könnte. Unbeschränkt Wasser für verschiedene Zwecke zur Verfügung zu haben, ist für uns in der Schweiz eine Selbstverständlichkeit. Aber: Unabhängig davon, ob man Ozeane, Seen oder unseren eigenen Wasserverbrauch im Blick hat, sind wir letztlich alle über den Wasserkreislauf miteinander verbunden.
In unserem Land haben wir viel erreicht: Die Wasserqualität ist gut und Schutz- und Nutzen der Gewässer stehen zueinander in einem vernünftigen Ausgleich. Der Verbrauch pro Kopf ist stetig gesunken. Doch die Wassermenge, die wir täglich verbrauchen, macht nur einen kleinen Teil von dem aus, was wir tatsächlich beanspruchen. Das meiste Wasser steckt in Lebensmitteln oder Produkten, die wir konsumieren. Wir sind uns kaum bewusst, dass es für die Produktion eines Kilogramm Kaffees 20 000 Liter und für die Herstellung eines Autos sogar bis zu 400 000 Liter Wasser braucht oder dass für ein T-Shirt aus Baumwolle 4100 Liter Wasser nötig sind. Gemäss einer aktuellen Studie des WWF (Februar 2010) verbrauchen jede und jeder von uns hier in der Schweiz 6082 Liter Wasser pro Tag. Davon stecken 62 Prozent in Produkten und Nahrungsmitteln, die wir aus dem Ausland importieren und oftmals aus Ländern stammen mit beschränkten Wasserressourcen. Wir verbrauchen mehr fremdes Wasser, als eigenes und hinterlassen so einen beachtlichen „virtuellen“ Wasser-Fussabdruck. Das muss zu denken geben. Die Schweiz als wasserreiches Land steht daher besonders in der Pflicht, sich für den Schutz, den Zugang und den haushälterischen Umgang mit Wasser zu weltweit zu engagieren.
Liebe Jugendliche
Über 18 Prozent der Weltbevölkerung sind in Ihrem Alter – also zwischen 15 und 24 Jahre alt. Davon leben 87 Prozent in Entwicklungsländern. Dort stehen ihre Altersgenossen zahlreichen Problemen gegenüber: Sie haben beispielsweise nur schwer Zugang zu sauberem Wasser, insbesondere Trinkwasser. Sie können nicht zur Schule gehen, geschweige denn eine Berufsausbildung absolvieren. Ihre Aussichten auf einen Arbeitsplatz sind schlecht.
L’ONU s’intéresse depuis longtemps aux jeunes. Elle cherche à les intégrer et à les faire collaborer à son action et de nombreux programmes promeuvent le développement de la jeunesse. Il vous arrive sans doute d’avoir l’impression que les politiciens en font trop peu. La politique, c’est prévoir, et le monde politique parle constamment du futur. Mais les jeunes sont peu impliqués dans sa construction alors que ce futur leur appartient. Oui, peut-être que nous, les représentants des anciennes générations, devrions vraiment prendre à cœur les déclarations du Secrétaire général de l’ONU Ban Ki-moon et prêter attention à la manière dont les jeunes voient l’avenir.
Mein Aufruf an Sie: Lassen Sie sich nicht entmutigen. Politische Arbeit ist manchmal zähflüssig und mühselig. Sie ist voller Überraschungen und Wendungen. Rückschläge wird es immer wieder geben, die Erfolge sind aber dann umso schöner. Stehen Sie zu Ihren Überzeugungen, nehmen Sie teil an der politischen Auseinandersetzung, bleiben Sie hartnäckig, fordern Sie Taten, aber: Hören Sie auch zu und hören Sie insbesondere auch der älteren Generation zu, denn wir brauchen in unserer Gesellschaft und Politik sowohl die Dynamik der Jugend, als auch die Klugheit und Weisheit des Alters.
Ich wünsche Ihnen eine interessante und erfolgreiche Versammlung und Ihnen persönlich weiterhin alles Gute.
Je vous souhaite une assemblée fructueuse et je forme mes meilleurs vœux pour l’avenir de chacune et chacun d’entre vous.