Ich möchte unserem lieben Präsidenten Hanspeter Seiler im Namen des Nationalrates ganz herzlich zu seiner glänzenden Wahl gratulieren. Mit Recht charakterisieren Kollegen aus dem Nationalrat Hanspeter als bodenständig, volksverbunden, gemütlich und umgänglich. Diesen Eigenschaften hat er es sicher auch zu verdanken, dass er neulich in den eidgenössischen Wahlen unter den Vertretern des Kantons Bern das drittbeste Resultat erzielte.
Hanspeter Seiler hat sich als Konservativer im positiven Sinne des Wortes ausgezeichnet: als ein Mann, der sich bei seinen Überlegungen von der Erfahrung leiten lässt. Er war bis letztes Jahr Rektor des Berufsschulzentrums Oberland-Ost in Brienz und hat somit sein Leben lang mit jungen Leuten zusammengearbeitet. Er tritt für Ideen ein, die Zukunft haben. Für ihn ist der ständige Dialog mit der jungen Generation selbstverständlich.
Wir begrüssen seinen Einsatz für das schöne Berner Oberland und dessen Tourismusförderung. Er hat schon immer mit vollen Kräften der Allgemeinheit gedient: im Gemeinderat von Ringgenberg, dem er acht Jahre vorstand, fünf Jahre im Berner Grossen Rat und im Nationalrat, wo er nun bereits die vierte Legislatur antritt.
Nach meiner zwölfmonatigen Amtszeit als Nationalratspräsidentin kann ich nur sagen: Welchem anderen Parlamentspräsidenten auf dieser Welt ist schon ein derart faszinierendes Schauspiel vergönnt, wie es einem die Berner Alpen bieten, wenn man aus dem Büro der Präsidentin schaut (es heisst tatsächlich Büro der Präsidentin, denn als Judith Stamm ihr Amt antrat, liess sie die Inschrift über dem prunkvollen Eingang zu diesem Bundeshauszimmer feminisieren). Hanspeter wird das Privileg haben, in Augenblicken stiller Einkehr dieses herrliche Alpenpanorama zu bewundern. Schweift sein Blick nach links, wird er auf Adolf Ogi oder Pascal Couchepin treffen, die sich auf ihren Balkonen eine kleine Atempause gönnen; und lässt er ihn hinunter zur Aare wandern, so wird er ganze Heerscharen von Nixen und Nymphen gewahren, die sich Jahr für Jahr, wenn der Sommer anbricht, im Marzili zum Sonnenbad einfinden.
Als Nationalratspräsident wird er zu Beginn des nächsten Jahres in Genf die Parlamentspräsidenten aus rund dreissig Ländern empfangen, die dort die New Yorker Welttagung der Parlamentspräsidenten vom Herbst 2000 vorbereiten werden. Diese Konferenz wird ein grosses Ereignis sein. Bei diesen Begegnungen werden die Liebenswürdigkeit und Herzlichkeit unseres Nationalratspräsidenten Wunder tun. Er hat letztes Jahr bereits den lettischen Parlamentspräsidenten in Brienz empfangen und ihm die wundervolle Holzschnitzlerschule gezeigt, die er jahrelang kompetent leitete. Ausserhalb seiner beruflichen Tätigkeit entpuppt er sich als Liebhaber des Schönen und Vollendeten und es verwundert nicht, dass er Schiessen und Klavierspielen zu seinen Hobbies zählt und seine Leidenschaften dem Jodel, der Oper, dem Skifahren und Bergwandern gehören.
An diesem Tag, der ganz Hanspeter Seiler gehört, bewegt uns der Gedanke an seine liebe Gattin Leni, die uns am 22. September so unerwartet für immer verlassen hat und die Krönung der vorbildlichen Politikerlaufbahn ihres Mannes, der dem Wohle seiner Mitbürgerinnen und Mitbürger so sehr verpflichtet ist, leider nicht mehr erleben konnte. Hanspeter, es wäre für uns alle so schön gewesen, wenn du dieses Fest in ungetrübter Freude hättest begehen können, doch hat das Schicksal leider anders entschieden.
Hanspeter Seiler wird den Nationalrat im Jahre 2000 präsidieren, so wie ihn der Demokrat und Winterthurer Stadtpräsident Rudolf Geilinger im Jahre 1900 präsidiert hatte. Ich habe einige Gemeinsamkeiten zwischen diesen beiden Präsidenten festgestellt. So war auch Rudolf Geilinger ein Musikliebhaber und war aktiv in Turn-, Schützen- und Militärvereinen tätig.Doch schauen wir in die Zukunft. Obwohl noch nicht alles beim Besten ist, verspricht das kommende Jahr Gutes. Die Wirtschaft beginnt wieder aufzuleben, der Tourismus ebenfalls, und der öffentliche Finanzhaushalt dürfte bald wieder im Lot sein. Die bilateralen Verhandlungen sind abgeschlossen und werden unseren Beziehungen zu Europa neue Impulse geben.
Das Jahr 2000 wird mit Bundespräsident Adolf Ogi und Nationalratspräsident Hanspeter Seiler das Jahr des Berner Oberlandes und der Berner SVP. Sie gehören dieser grossen Partei an, die 1919, als sie in Erscheinung trat, im Kanton Bern gleich 16 Sitze eroberte. Dies sind mehr Sitze, als die Partei dieses Jahr in der ganzen Schweiz dazugewonnen hat. Hanspeter Seilers Partei kann sich einer ganzen Ahnenreihe grosser Staatsmänner rühmen: Rudolf Minger, Fritz Wahlen und Rudolf Gnägi - alles patriotische und zugleich weltoffene Politiker. In diese Reihe fügen wir Hanspeter Seiler ein, den letzten Freiherrn von Ringgenberg, unsern lieben Freund, den « klügsten Politiker » der Gegend seit Johannes I, der das Berner Oberland im 14. Jahrhundert regierte. Diese Information habe ich übrigens dem Historisch-Biographischen Lexikon der Schweiz entnommen!
Ich möchte Hanspeter Seiler heute auf der Schwelle zu seinem Präsidialjahr im Namen aller Kollegen und Kolleginnen alles Gute und viel Erfolg in seinem Präsidentenamt wünschen.