​​Die Bundespräsidentin oder der Bundespräsident sowie die Vizepräsidentin oder der Vizepräsident des Bundesrates werden von der Bundesversammlung aus den Mitgliedern des Bundesrates jeweils für ein Jahr gewählt. Eine Wiederwahl für das folgende Jahr ist ausgeschlossen.

Es gilt die ungeschriebene Regel, dass jener Bundesrat bzw. jene Bundesrätin zum Vizepräsidenten oder zur Vizepräsidentin und ein Jahr darauf zum Bundespräsidenten oder zur Bundespräsidentin gewählt wird, der oder die nach dem Anciennitätsprinzip an der Reihe ist.

Diese Wahlen finden jeweils am Mittwoch der zweiten Woche der Wintersession statt. Wahlorgan ist die Vereinigte Bundesversammlung, d.h. die im Nationalratssaal vereinigten National- und Ständeräte (Art. 176 Abs. 2 BV; Art. 157 Abs. 1 Bst. a BV).

Die Bundespräsidentin oder der Bundespräsident und die Vizepräsidentin oder der Vizepräsident des Bundesrates werden einzeln und nacheinander gewählt. Gewählt ist, wer das absolute Mehr, d.h. mehr als die Hälfte der gültigen Stimmen, erreicht (Art. 130 Abs. 2 ParlG). Die Stimmabgabe ist geheim (Art. 130 Abs. 1 ParlG).

Jede Wahl resp. jeder der Wahlgänge läuft wie folgt ab:

  • Die Präsidentin oder der Präsident der Vereinigten Bundesversammlung verkündet den Vorschlag der entsprechenden Fraktion sowie die Unterstützungen und ruft gegebenenfalls in Erinnerung, wer wählbar ist;
  • die Fraktionen und Ratsmitglieder können das Wort begehren;
  • die Stimmenzähler/innen teilen die Wahlzettel aus;
  • die Weibel/innen sammeln die Wahlzettel wieder ein;
  • die Stimmenzähler/innen zählen die Stimmen aus;
  • die Präsidentin bzw. der Präsident verkündet das Resultat.

Im Anschluss werden die neu Gewählten in Begleitung von Parlamentsweibelinnen und -weibeln im Nationalratssaal empfangen. Nach der erneuten Bekanntgabe der Stimmenzahl nehmen sie Gratulationen und Blumen entgegen, und es wird ein offizielles Foto zusammen mit den Ratspräsidenten gemacht. Anschliessend erhält die Bundespräsidentin oder der Bundespräsident von der Präsidentin bzw. vom Präsidenten der Bundesversammlung das Wort für eine kurze Rede. Danach wird die Sitzung beendet, und im Parlamentsgebäude wird ein Apéro zu Ehren der neuen Bundespräsidentin oder des neuen Bundespräsidenten serviert.

Historische Fakten und Zahlen

Bereits in den ersten Jahren des Bundesstaates galt die ungeschriebene Regel, dass der Vizepräsident dem Präsidenten im Amt nachrückt. ​Das bis heute geltende Rotationsprinzip, wonach derjenige Bundesrat zum Vizepräsidenten und ein Jahr darauf zum Bundespräsidenten gewählt wird, der nach der Anciennitätsregel an der Reihe ist, spielte sich hingegen erst in den 1890er Jahren ein.1

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Quellen

1 Urs Altermatt (Hrsg.), Die Schweizer Bundesräte: Ein biographisches Lexikon, Artemis & Winkler 1991, S. 28 f.

2 a.a.O.