Bern, 2. März 1999 (sda) Der Schweizer Föderalismus und die wirtschaftliche Krise in Rußland sind im Zentrum verschiedener Treffen einer russischen Parlamentsdelegation in Bern gestanden. Die Delegation traf unter anderem mit Bundesrat Cotti sowie mit Nationalratspräsidentin Heberlein und Ständeratspräsident Rhinow zusammen.

Beim Gespräch mit Bundesrat Flavio Cotti sei die Wirtschafts-und Finanzkrise in Rußland erörtert worden, sagte Ruedi Christen, Informationschef des Eidg. Departements für auswärtige Angelegenheiten (EDA). Die Mitglieder der Duma hätten die Probleme in ihrem Land offen zur Sprache gebracht.

Laut Christen stellte die Delegation beunruhigt fest, dass in Rußland viele Leute der Meinung seien, schlechtere Lebensbedingungen zu haben als zur Zeit des Kommunismus. Bereits am Montag, ihrem ersten offiziellen Besuchstag, traf die von Duma- Präsident Gennadi Selesnjow angeführte Delegation mit Vize- Bundespräsident Adolf Ogi zusammen.

Interesse an Schweizer System

Mit den offiziellen Gastgebern der acht Abgeordneten, Nationalratspräsidentin Trix Heberlein (FDP/ZH) und Ständeratspräsident René Rhinow (FDP/BL), gab es verschiedene Treffen. Die russischen Gäste hätten sich sehr interessiert gezeigt an dem in der Schweiz praktizierten Föderalismus, sagte Rhinow. Rußland versuche den Wechsel zu einem föderativen System, da sich die Behörden bewusst seien, das Land nicht zentralistisch lenken zu können.

Bei den Gesprächen seien das Steuersystem und die Aufgabenteilung zwischen Bund und Kantonen erörtert worden. Auch das Funktionieren des Parlaments und die Gesetzgebung sei angesprochen worden, führte Rhinow aus.

Die Parlamentsmitglieder beider Länder schnitten ferner die Kontroverse um Schweizer Atommüll an, welcher in Rußland entsorgt werden könnte. Dabei seien aber keine Einzelheiten besprochen worden, hieß es von seiten der Parlamentsdienste. Die russische Delegation schliesst ihre Schweiz-Visite am Mittwoch in Genf ab.