Geschätzte projektbedingte Mehrkosten von rund 1,25 Milliarden Franken
Die bis Ende Juni 2001 ausgewiesenen Mehrkosten betragen 647 Millionen Franken. Bei der Achse Lötschberg beträgt die Überschreitung des vom Parlament bewilligten Objektkredites 438 Millionen Franken (rund 13 Prozent), bei der Achse Gotthard 243 Millionen (rund 3 Przent). Sie beanspruchen ein Drittel der Bundesreserven von 1,947 Milliarden Franken (siehe Übersicht Seiten 3 und 4).
Über diese ausgewiesenen Mehrkosten hinaus sind weitere projektbedingte Mehrkosten im Umfang von insgesamt rund 600 Millionen Franken in der Pipeline. Der bundesrätliche Systementscheid Ceneri (3. Juli 2001) führt zu Mehrkostenfolgen von 519 Millionen, die Optimierung des Auflageprojekts im Kanton Uri - ohne Landerwerbs-, Planungs- und Sondierungskosten - von 75 Millionen und der Entscheid des Bundesamtes für Verkehr (9. August 2001), den zweiten Tunnel bei Frutigen im Rohbau zu erstellen, von rund 17 Millionen Franken. Die bundesrätlichen Reserven schmelzen damit um ein weiteres Drittel.
Die Neat-Aufsichtsdelegation erachtet es als unabdingbar, dass die in der Alpentransitverordnung (Art. 2 Abs. 3) und im Bundesbeschluss über den Neat-Gesamtkredit (Art. 3 lit c) vorgesehene Kompensationsplanung von allen Verantwortlichen noch intensiver angegangen wird. Insbesondere sollten ab nächstem Standbericht die Kompensationsmassnahmen einheitlich und übersichtlich dargestellt werden. Reserven dürfen vom Bundesrat nur freigegeben werden, wenn nachgewiesen ist, dass die Mehrkosten nicht durch Kompensationsmöglichkeiten aufgefangen werden können. Bis heute wurden noch keine Beträge aus dem Reservekredit freigegeben.
Weiterhin eine Terminverzögerung von bis zu 2 Jahren auf der Achse Gotthard
Das Gesamtterminprogramm für die zeitkritischen Abschnitte des Gotthardtunnels Nord und des Teilabschnitts Erstfeld steht in Überarbeitung. Die Auswirkungen der zweijährigen Verzögerung können jedoch erst zu einem späteren Zeitpunkt - u.a. nach der Vergabe der grossen Tunnellose Amsteg, Sedrun, Faido und Bodio - genauer beziffert werden. Verschiedene Steuerungsmassnahmen, um die Auswirkungen zu mildern, werden derzeit geprüft. Andererseits kann beim Ceneri-Basistunnel durch den Einsatz von Tunnelbohrmaschinen die Inbetriebnahme um zwei bis drei Jahre vorgezogen werden. Der Gotthard-Basistunnel könnte demnach erst im Jahre 2013, der Ceneri früher als geplant bereits im Jahre 2015 in Betrieb genommen werden.
Behebung der Schwachstellen in der Umsetzung der Neat-Controlling-Weisung bis Ende Jahr möglich
Die Neat-Aufsichtsdelegation stellte anfangs 2001 fest, dass die Finanzdaten der Ersteller, die insbesondere für eine zuverlässige Endkostenprognose notwendig sind, nicht die geforderte Vollständigkeit und Konsistenz aufwiesen. Zudem entsprachen die zum Teil eingesetzten Informatiksysteme bei den Erstellern noch nicht den Anforderungen der Neat-Controlling-Weisung (NCW) des Departements für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (UVEK).
Die eingesetzte Arbeitsgruppe "Datenbereinigung" hat die gesetzten Zwischenziele termingerecht erreicht. Die Behebung aller Schwachstellen bis anfangs 2002 ist aus heutiger Sicht erreichbar.
Die Neat-Aufsichtsdelegation erachtet die Endkostenprognose für nachvollziehbar, auch wenn die Zahlen noch nicht endgültig bestätigt werden können, solange nicht alle Grundlagendaten aufbearbeitet sind.
Die Neat-Aufsichtsdelegation tagte am 3. Oktober 2001 unter dem Vorsitz von Ständerat Rolf Büttiker (FDP/SO) in Bern. Die Sitzung fand in Anwesenheit des Direktors und Vertretern der Abteilung Bau des Bundesamtes für Verkehr sowie Vertretern der Eidgenössischen Finanzkontrolle und der Eidgenössischen Finanzverwaltung statt.
NEAT-KennziffernKostensituation am 30. Juni 2001
Angaben in Millionen Franken (ohne Teuerung, Bauzinsen, Wust/MWSt)
| Werke | Objekt-kredit mit ZIW | Objekt-kredit mit NTI | Vergaben | Rech-nungen inkl. Vertragsteuerung | Mehr-/ Minder-kosten | Mut-massliche Endkosten | Bemerkungen zu den mutmasslichen Endkosten und Begründung der Mehrkosten |
| Preisstand | 1998 | 1998 | Vertrag | effektiv | 1998 | 1998 | |
| Index | ZIW 111.4 | NTI 105.9 | | | NTI 105.9 | NTI 105.9 | NTI = Neat-Teuerungsindex |
| Projekt-aufsicht | 65.0 | 76.0 | 46.8 | 43.0 | 8.0 | 84.0 | *) Mehrkosten: Zusätzliche Aufgaben, Verlängerung der Projektlaufzeit. |
| Achse Lötschberg | 2'754.0 | 3'214.0 | 2'354.1 | 995.6 | 438.5 | 3'652.5 | Mehrkosten gemäss Vereinbarung, Projektänderung Anschluss und Tunnel Frutigen, bahntechnische Anpassungen, diverse Projektänderungen, Vergabemisserfolge. |
| AchseGotthard | 6'612.0 | 7'716.0 | 1'441.5 | 967.5 | 243.6 | 7'959.6 | Mehrkosten gemäss Vereinbarung, Trennsystem, Abrechnungserfolge und Erlöse, weitere Projektänderungen. Projektoptimierung Uri nicht enthalten. |
| davon CBT | 1'193.3 | 1'392.5 | 47.7 | 38.1 | -12.2 | 1'380.4 | Systemwechsel Ceneri nicht enthalten. |
| Ausbau Surselva | 105.0 | 123.0 | 99.4 | 96.8 | 13.8 | 109.2 | Minderkosten durch Umstellung von ZIW auf Neat-Teuerungsindex (NTI) |
| Anschluss Ostschweiz | 850.0 | 992.0 | 101.6 | 62.4 | -38.4 | 953.6 | Kredit für Nidelbad freigegeben, weitere Minderkosten werden geprüft. |
| davon ZBT | 665.2 | 776.0 | 101.6 | 62.4 | -25.1 | 750.9 | |
| davon Hirzel | 184.8 | 216.0 | 0.0 | 0.0 | -13.3 | 202.7 | Projekt Hirzel noch nicht weiter bearbeitet. |
| Ausbauten St. Gallen-Arth-Goldau | 74.0 | 86.0 | 16.2 | 1.9 | 9.4 | 95.4 | Optimierung im Gang; eventuell Reservenfreigabe notwendig. |
| Strecken-ausbauten übriges Netz | 471.0 | 550.0 | 0.0 | 0.0 | 0.0 | 550.0 | Projektoptimierung läuft, Kosten noch nicht aktualisiert. |
| Zwischen-total | 10'931.0 | 12'757.0 | 4'059.7 | 2'167.2 | 647.3 | 13'404.3 | Aktuelle Projektänderungen tiefer als Reserven. |
| Bundes-reserven | 1'669.0 | 1'947.0 | | | | | Bisher noch keine Reserven freigegeben. |
| Total AlpTransit | 12'600.0 | 14'704.0 | 4'059.7 | 2'167.2 | 647.3 | 13'404.3 | |
*) Mutmassliche Endkosten gegenüber letztem Standbericht unverändert.
Kosten, die nicht im NEAT-Gesamtkredit enthalten sind
| Bauzinsen | n. v. Wust / MWSt | Indexteuerung | Vertragsteuerung |
| 73.0 Mio. Fr. | 51.0 Mio. Fr. | -211.6 Mio. Fr.1) | 19.8 Mio. Fr. |
1) Die Indexteuerung weist zum Zeitpunkt der Berichterstattung einen negativen Betrag aus, da insbesondere im Werk Achse Gotthard der Objektkredit den Preisstand 1998 hat, die Kreditfreigaben des Erstellers mit Preisstand 1991 vorliegen und noch nicht alle Bauhauptlose vergeben sind.
Kommentar zu den Kostenangaben
Der neue Neat-Teuerungsindex wurde am 26. Juni 2001 durch das BAV und die Eidg. Finanzverwaltung (EFV) in Kraft gesetzt. Der Bundesrat hat in der Folge den NEAT-Gesamtkredit um 2,104 Milliarden Franken (Preisstand 1998) angepasst, damit die ursprünglich bewilligten Mittel teuerungsbereinigt zur Verfügung stehen.
Termine
| Werke | Zielwerte | Prognose | Wertung | Bemerkungen/Steuerung |
| Projektaufsicht | 2018 | 2018 | = | Ist abhängig von den Terminen der übrigen Werke und dauert bis zum Abschluss der Projekte. |
| Achse Lötschberg | 2007 | 2007 | = | Inbetriebnahme des Lötschberg-Basistunnels (LBT) im Mai 2007 wird bestätigt. Zeitkritisch ist Anschluss des LBT an die Stammlinie im Raum Frutigen. Künftig soll der Fahrplanwechsel am 21.12. erfolgen; eine Terminvorverschiebung wird geprüft. |
| Achse Gotthard | | | | |
| Gotthard-Nord, Gotthard-Basistunnel und Gotthard Süd | 2011 | 2013 | - | Abschnitt Gotthard Nord liegt zusammen mit Teilabschnitt Erstfeld auf zeitkritischem Weg. Verschiebung des Inbetriebnahmetermins von bis zu zwei Jahren. Neues Terminprogramm für die Bauausführung ist in Bearbeitung. |
| Ceneri-Basistunnel | 2018 | 2015 oder früher | + | Systementscheid für einen Basistunnel mit zwei Einspurröhren ermöglicht dank Einsatz von Tunnelbaumaschine ein Vorziehen der Inbetriebnahme um 2 bis 3 Jahre. |
| Ausbau Surselva | 2002 | 2002 | = | Die Inbetriebnahme kann eingehalten werden. |
| Anschluss Ostschweiz | | | | |
| Zimmerberg | 2013 | 2013 | = | Der Bau des Zimmerberg-Basistunnels Teil 2 ist in der 2. Phase ab 2006 vorgesehen. |
| Hirzel | 2016 | 2016 | | Baubeginn Hirzel 2011 |
| Ausbauten St. Gallen - Arth-Goldau | 2012 | 2012 | + | Neuer Zielwert in den Vereinbarungen festgelegt: Abschluss der Arbeiten 2012 (bisher 2016). |
| Streckenausbauten übriges Netz | | | = | Die Planung der Infrastrukturergänzungen auf der Lötschberg- und Gotthardachse verlaufen im geplanten Zeitrahmen. |
| Achse Lötschberg | 2007 | 2007 | | |
| Achse Gotthard | 2016 | 2016 | | |
Bern, 03.10.2001 Parlamentsdienste