Es gilt das gesprochene Wort
Sehr geehrter Herr Professor Löb
Sehr geehrter Herr Dr. Lewin
Sehr geehrte Damen und Herren Botschafter
Sehr geehrte Damen und Herren
Seit 2005 gedenken wir am 27. Januar der sechs Millionen Juden, der Sinti, Roma, Jenischen, der politischen Widerstandskämpfer und aller anderen Opfer und Überlebenden des Holocausts. Wir werden erfahren, dass auch Schweizerinnen und Schweizer in Konzentrationslagern interniert wurden und nicht wenige unter ihnen starben an den menschenverachtenden Praktiken der Nationalsozialisten. Ich finde es wichtig, dass wir an diesem Tag ihr Andenken ehren und uns daran erinnern, was nie wieder sein darf.
Today, Auschwitz – this place where over a million men, women and children lost their lives – stands as a symbol for the barbaric crimes committed by the extermination policy of the Nazis. In my role as President of the Foreign Affairs Committee, I visited the Auschwitz-Birkenau memorial site with a parliamentary delegation in 2013. I listened to the victims’ harrowing testimonies. I saw the oppressively cramped prisoner barracks, the crematoria and the gas chamber ruins. The horrors committed there were still palpable, and dark shadows of the past lingered everywhere.
Bei der abschliessenden Kranzniederlegung, ganz am Ende des Besuchs, habe ich im Stillen gedacht, was ich Ihnen – sehr verehrte Damen und Herren – jetzt laut und deutlich sagen möchte:
«Nie wieder! »
Nie wieder darf Abweichen von der Norm mit Gewalt bedroht werden.
Nie wieder dürfen Menschen aufgrund ihrer politischen Meinung Verfolgung fürchten müssen.
Nie wieder dürfen Glaube oder ethnische Zugehörigkeit zu Entrechtung, Vertreibung und Ermordung führen.
Ja, die Schreckenstaten, die heute vor 76 Jahren mit der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz-Birkenau ihr Ende fanden, dürfen sich nie mehr wiederholen.
L’effroi provoqué par les crimes inconcevables du régime national-socialiste peut nous plonger dans un mutisme sidéré. Mais nous ne devons pas nous taire ! Auschwitz est là pour nous exhorter à garder vivant le souvenir de l’une des heures les plus sombres de l’histoire de l’humanité et le transmettre de génération en génération. En ce sens, je suis heureux de l’existence d’évènements commémoratifs comme celui d’aujourd’hui, qui permettent à des survivants de s’exprimer et de nous raconter leur histoire. Nous devons continuer de parler du tort qui a été commis et garder un regard critique sur ce qui s’est passé. Ce n’est qu’ainsi que nous pourrons comprendre les erreurs du passé et en tirer les enseignements qui s’imposent, afin que le présent soit pacifique et l’avenir meilleur.
Wir alle können etwas dafür tun, damit der Ruf «Nie wieder Auschwitz» Wirklichkeit bleibt. Mir – gerade auch in meiner Rolle als Nationalratspräsident – ist es wichtig, dass wir in der politischen Debatte auf unseren Ton achten. Wir dürfen unterschiedlicher Meinung sein und hart in der Sache argumentieren – aber dem politischen Gegner gebührt Respekt. Wer Andersdenkende persönlich attackiert, niederschreit oder gar bedroht, der gefährdet unsere freiheitliche Demokratie.
Tragen wir Sorge zu unserer politischen Kultur, indem wir uns gegenseitig mit Anstand, Toleranz und Empathie begegnen. Halten wir Werte wie Freiheit, Rechtssicherheit, Gleichberechtigung hoch. Bekämpfen wir Rassismus, Antisemitismus und Hass, indem wir gemeinsam rufen:
«Nie wieder! »
Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.