​Grussbotschaft der Nationalratspräsidentin Christa Markwalder

 

Es gilt das gesprochene Wort

Herr Minister
Herr Botschafter
Sehr geehrte Damen und Herren

Ich habe mich sehr auf die Reise nach Rumänien gefreut – und war auch neugierig auf dieses Land, das rund 1400 Kilometer von der Schweiz entfernt liegt, aber einem doch nicht ganz so fremd erscheint. Immerhin haben drei der vier Schweizer Landessprachen die gleichen Wurzeln wie das Rumänische und beide Länder gehören zur Frankophonie - auch wenn ich ironischerweise nun in Englisch auf diese Parallelen hinweise.

Rumänien und die Schweiz können auf mehrere Jahrzehnte gemeinsamer kultureller, wirtschaftlicher und politischer Beziehungen zurückblicken – mal waren diese etwas intensiver, mal etwas weniger – aber immer waren sie sehr freundschaftlich.

Nach der politischen Wende in den Ost-West-Beziehungenpflegten Rumänien und die Schweiz wieder engere Kontakte: Zunächst engagierte sich die Schweiz im humanitären Bereich. In den letzten Jahren ist es der Schweiz gelungen, durch die erfolgreiche Implementierung ihres Osterweiterungsbeitrages das Interesse der Rumänen an unserem Land zu wecken. Finanziert durch den Erweiterungsbeitrag sind oder werden derzeit eine Reihe von Einzelprojekten in den Bereichen Wirtschaftswachstum und Arbeitsumfeld, Bildung, soziale und öffentliche Sicherheit, Umwelt sowie Zivilgesellschaft gemeinsam umgesetzt. Externe Experten bescheinigen dem Schweizer Erweiterungsbeitrag hinsichtlich Relevanz, Wirksamkeit, Effizienz und Nachhaltigkeit übrigens gute Noten. Bei der grossen Mehrheit der Projekte werden die Ziele erreicht oder gar übertroffen. Dies sind natürlich gute Nachrichten, auch für die Schweizer Bevölkerung, die an der Urne dem Erweiterungsbeitrag an die ehemaligen Ostblock-Staaten zugestimmt hatte.

Meine Damen und Herren

Know-how und Unterstützung aus der Schweiz sind keine einseitige Hilfeleistung. Wir haben bei solchen Kooperationen immer auch die Chance, unseren Horizont ebenfalls zu erweitern: wenn wir uns mit anderen Kulturen, verschiedenen Lösungsansätze und Ansichten auseinandersetzen. Und letztlich ist es in unserem eigenen Interesse, mitzuhelfen, dass es den Menschen in den Partnerländern besser geht, dass politische Stabilität herrscht, sich Perspektiven eröffnen und ein wirtschaftlicher Aufschwung einsetzt, von dem die breite Bevölkerung profitieren kann.

Und diesem Zusammenhang kommen ermutigende Signale aus Rumänien, politische – und vor allem aber auch die wirtschaftlichen Indikatoren sind positiv: Der IWF hat die Wirtschaftsprognose von im letzten Oktober geschätzten 3,9% auf 4,2% für dieses Jahr nach oben korrigiert. Als Wachstumsstütze dient offenbar der Privatkonsum. Die Menschen profitieren von der niedrigen Inflation, die Löhne steigen, die Lage am Arbeitsmarkt verbessert sich und ausländische Firmen investieren zunehmend. Sie sehen in Rumänien ein Land mit grossem wirtschaftlichem Potential. Rumänien hat bei der Wettbewerbsfähigkeit einige Ränge gut gemacht.

Erst vor wenigen Monaten publizierte die Neue Zürcher Zeitung einen Artikel von Oliver Jens Schmitt, Professor für osteuropäische Geschichte an der Universität Wien. Darin steht: «Dieses Land vollzieht einen Schritt hin zu Rechtsstaat und Bürgergesellschaft, der quer steht in der politischen Landschaft Europas. In seinem geopolitischen Umfeld ist Rumänien plötzlich vergleichsweise ein Anker der Stabilität.» Schmitt schrieb aber auch: «Rumänien ist bei weitem nicht über den Berg.»

Und trotzdem: Wir freuen uns über die vielen Schritte, die Rumänien vorwärts bewegen und weiter vorwärts bringen werden. Ein Schlüsselwort in diesem Zusammenhang ist die Bildung. Es besteht ein enger Zusammenhang zwischen der Produktivität einer Volkswirtschaft und dem Bildungsniveau in einem Land. Je höher dort das Bildungsniveau ist, umso mehr Innovationen gibt es, umso wettbewerbsfähiger wird ein Land. Und umso interessanter wird das Land letztlich für ausländische Investoren. Von klugen, innovativen und kreativen Köpfen kann ein Staat eigentlich nie genug haben. Sie sind die wichtigste Ressource – auch in der Schweiz. Deshalb freut es mich auch besonders, dass die gemeinsamen Bildungs-Projekte Früchte tragen.

Herr Minister, Herr Botschafter, geschätzte Damen und Herren

Ich bin zuversichtlich, dass wir unsere wirtschaftlichen, kulturellen, wissenschaftlichen und auch politischen Beziehungen ausbauen werden. Der Wille und das Interesse sind sicher von beiden Seiten da.

In gut einem Monat werden in Paris unsere beiden Länder wieder in aufeinandertreffen, in einem etwas anderen Umfeld: Auf dem Fussballrasen werden die Nationalmannschaften gegen einander antreten – ich freue mich auf ein spannendes, faires und torreiches Spiel!