Sehr geehrte Damen und Herren


Seien Sie herzlich willkommen im Parlamentsgebäude zur Eröffnung der Museumsnacht 2009!

Finden Sie es nicht eigenartig, dass das Bundeshaus heute Nacht unter die Museen geht? Gemäss Meyers Lexikon dienen Museen „der Sammlung, Bewahrung, Erforschung und Wiederherstellung von Kulturgut, vor allem aber dessen sinnvoller Präsentation und Erläuterung“. Würde man das auf die Politik übertragen, hiesse das wohl, dass unsere Politikerinnen und Politiker Sammler, Forscher, Präsentatoren wären. Dabei wissen wir: Alle, die unter den drei Kuppeln arbeiten, sind Akteure, um nicht zu sagen Aktivisten und Aktivistinnen. Sie wollen handeln, oder wollen, dass andere handeln, zum Beispiel der Bundesrat. Sie wollen unser Land vorwärts bringen, wenn auch nicht alle das Gleiche darunter verstehen. Ich kann Ihnen versichern, museale Beschaulichkeit herrscht hier nicht.
Das Bundeshaus ist also kein Musensitz, der sich hinter dem griechischen „mouseĩon“ versteckt. Was nicht heisst, dass Rednerinnen und Redner nicht gelegentlich von den Musen geküsst werden. Die Kalliope (die Muse der epischen Dichtung) ist manchmal im Ständerat zu Gast – kein Wunder, dort gibt es keine rigorosen Redezeitbeschränkungen. Dafür  trifft man im Nationalrat eher die Melpomene (die Muse der Tragödie) und die Thaleia (die Muse der Komödie).
 

Meine Damen und Herren
Mit der umfassenden Renovation des Parlamentsgebäudes ist der letzte Staub vergangener Jahrzehnte weggewischt worden. Das bedeutendste politische Gebäude der  Schweiz ist zwar ein Denkmal, jedoch eines mit modernstem Innenleben. In alten Hüllen tut neue Technik ihren Dienst, sodass das Parlament seine Arbeit mit professionellen Mitteln erfüllen kann. Es fällt seinen Mitgliedern dadurch – so hoffe ich – leichter, die Zukunft unseres Landes zu gestalten.
Und die Bürgerinnen und Bürger sollen dabei sein, wenn das Parlament Gesetze berät, dem Bundesrat kritische Fragen stellt, National- und Ständeratspräsidentinnen, Bundesrätinnen und Bundesräte sowie Bundesrichterinnen und Bundesrichter wählt. Ohne Offenheit, ohne Öffentlichkeit keine Demokratie. Es freut mich, dass seit der Wiedereröffnung des Parlamentsgebäudes das Interesse der Öffentlichkeit an einem Besuch noch gewachsen ist. Es ist nicht nur die Neugierde auf das „neue“ Bundeshaus, sondern auch das Interesse an dem, was hier drinnen passiert. Die Museumsnacht ist ein Anlass, der eine noch breitere Öffentlichkeit anspricht: Familien mit Kindern und junge oder ältere Nachtschwärmer, Zielgruppen, die wir möglicherweise sonst nicht erreichen. Vielleicht führt die Museumsnacht sogar dazu, dass der eine oder die andere nach dem Besuch das Geschehen im Parlament intensiver verfolgen wird.
Meine Damen und Herren
 
Das Bundeshaus ist kein Museum. In der Definition des Internationalen Museumsrates gibt es aber durchaus eine Passage, die sich auf das Parlamentsgebäude übertragen lässt: „Ein Museum ist eine gemeinnützige, ständige, der Öffentlichkeit zugängliche Einrichtung im Dienst der Gesellschaft.“ Dieser Satz passt sehr gut zum Selbstverständnis dieses Hauses.
Er passt auch ziemlich gut zum nächsten Redner, dem Stadtpräsidenten von Bern. „Eine gemeinnützige, ständige, der Öffentlichkeit zugängliche Einrichtung im Dienst der Gesellschaft“…Herr alt Nationalrat Alex Tschäppät ist in diesem Haus früher regelmässig ein- und ausgegangen, von den Musen geküsst oder ungeküsst…
Ich freue mich, ihm das Wort weiterzugeben und wünsche Ihnen allen eine spannende Museumsnacht.