Es gilt das gesprochene Wort!
Grusswort Nationalratspräsidentin Pascale Bruderer
Sehr geehrter Herr Minister,
Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister,
Sehr geehrte Herren Landräte,
Sehr geehrte Frau Regierungsrätin,
Sehr geehrte Herren Regierungsräte,
Sehr geehrte Damen und Herren National- und Ständeräte,
Sehr geehrte Damen und Herren Grossräte,
Sehr geehrter Herr Generalkonsul,
Sehr geehrte Damen und Herren,
Liebe Festgemeinde,
Es ist mir eine grosse Ehre, mit Ihnen allen den Schweizer Nationalfeiertag vor-feiern zu dürfen.
Das freut mich selbstverständlich als Nationalratspräsidentin,
das freut mich aber auch – und in dieser Zusammensetzung heute ganz speziell - als Aargauerin und Badenerin (ich bin geboren und aufgewachsen in der Stadt Baden im Kanton Aargau).
Wenn ich mir heute erlaube, mich vorwiegend als Badenerin an Sie zu wenden, so hat das insbesondere damit zu tun,
dass Sie von meinem Vorredner bereits im Namen der schweizerischen Eidgenossenschaft begrüsst wurden.
Als Nationalratspräsidentin möchte ich es jedoch nicht unterlassen, Ihnen hier und heute auch die besten Wünsche des eidgenössischen Parlaments zu überbringen.
Nun aber zu meiner Heimatstadt Baden, welche ja nur schon der Name mit dem Land Baden-Württemberg verbindet.
Baden – der Name ist Programm:
sowohl Ihr Baden-Baden als auch unser Baden ist schon seit der Römerzeit für seine Thermal- und Heilbäder bekannt.
Und auch den Sinn für Kultur und Genuss, welcher in Bäderregionen quasi zum Inventar gehört, haben wir gemein.
Für die Tatsache, dass sich Baden-Baden, das bis 1931 noch einfach Baden hiess, wegen des Wettbewerbsdrucks aus dem aargauischen Baden den Doppelnamen zulegen musste, möchte ich mich hiermit offiziell entschuldigen.
Fast wundert mich, weshalb noch niemand auf die Idee gekommen ist, quasi als Wiedergutmachung auf eine Städtepartnerschaft zu setzen: der Tripelname Baden-Baden-Baden resp. Baden hoch 3 liesse sich bestimmt wunderbar vermarkten.
Eine weitere Gemeinsamkeit zwischen Baden-Württemberg und Baden versteckt sich hinter dem Stadtwappen meiner Heimatstadt.
Die fachsprachliche Beschreibung des Badener Wappens lautet: "Unter rotem Schildhaupt in Weiss schwarzer Pfahl".
Was sich hinter dieser holprigen und trockenen Beschreibung verbirgt, ist gerade für den heutigen Anlass nicht ganz so trocken und uninteressant: Denn in der Deutung verschiedener Historiker handelt es sich beim roten Schildhaupt mit den weissen Pfeilern nämlich um das rot-weiss-rote österreichisch-habsburgische Wappen.
Habsburgisch? Ja.
Die Stadt Baden, wie auch weitere Städte im Kanton Aargau und darüber hinaus eben auch der südliche Teil des Landes Baden-Württemberg, waren am Tag des mythischen Gründungsaktes der Eidgenossenschaft - im Jahre 1291 –
Teil des Machtbereichs der Grafen von Habsburg.
Wir begehen heute den Schweizer Nationalfeiertag also zwischen zwei Staatswesen, die 1291 - zumindest teilweise - zum selben Herrschaftsgebiet gehörten.
Bei den Habsburgern handelt es sich denn auch um jenes Herrschaftsgeschlecht, gegen welches die drei Waldstätte Uri, Schwyz und Unterwalden zur Gründung des Bundes der Eidgenossen das Kriegsbeil ausgegraben hatten.
Für die erste grosse Schlacht der Habsburger gegen die Eidgenossen, die Schlacht am Morgarten im Jahre 1315,
hat der habsburgische Herzog Leopold sein Heer im aargauischen Baden zusammengezogen.
Baden resp. die Aargauer standen also an der Seite der Habsburger im Kampf gegen die nach Unabhängigkeit strebenden Schweizer.
Und als die Habsburger nach verlorener Schlacht nach Baden zurückkehrten, konnten sie sich in unseren Wellness-Oasen von den Strapazen erholen.
Die Rheingrenze, die heute den Aargau und Baden-Württemberg trennt, war damals also inexistent – Südbaden und die Nordschweiz bildeten sozusagen eine übergreifende politische Einheit.
Sind also die Waldshuter, Lörracher, Laufenburger, Rheinfelder und Badener, frei nach Friedrich Schillers Willhelm Tell, „ein einig Volk von Schwestern und Brüdern“?
Die richtige Antwort darauf lautet wohl: „Wir sind alle Badener – oder eben Baden Württemberger und Aargauer“.
Und so stehen wir - nach diesem turbulenten Ausflug in die Geschichte – Seite an Seite hier und pflegen heute diese über 700-jährige Partnerschaft.
Eine Partnerschaft über den Rhein hinweg -
mit Vergangenheit und ganz bestimmt auch mit Zukunft.
Ich wünsche Ihnen heute Abend spannende grenzüberschreitende Begegnung und viel Genuss bei Aargauer Speis und Trank.