La version orale fait foi

S’il est un endroit emblématique de la politique suisse, c’est bien la salle des pas perdus. Durant les sessions parlementaires, ce lieu est le théâtre des dernières tractations entre les partis, des négociations avec les groupes de pression et des échanges de vues avec la presse. Les classes d’école et les touristes venus des quatre coins du pays et du monde y déambulent. Le Conseil fédéral y reçoit les chefs d’Etat en visite officielle et y accueille les diplomates pour la cérémonie de présentation des vœux de bonne année; à ce propos, la Suisse doit certainement être le seul pays au monde à recevoir ses invités de marque dans un vestibule. Et lors des récentes élections au Conseil national, c’est de ce couloir mythique que les médias ont commenté les résultats.

Au fil du temps, par un renversement surprenant de sa fonction première, ce corridor est devenu plus représentatif de notre système démocratique que la salle des débats à laquelle il donne accès. Comme si on venait au théâtre pour voir les coulisses plutôt que la scène ou que l’on assistait à la messe dans le déambulatoire plutôt que dans le chœur. Vous en conviendrez avec moi: la salle des pas perdus et les antichambres sont aujourd’hui le point focal et symbolique de la mise en scène du pouvoir. Cette importance valait bien une rénovation.

Wir befinden uns hier in einem Aufenthaltsraum – allerdings in einem aussergewöhnlichen Aufenthaltsraum, der im Zuge seiner Restauration noch schöner geworden ist. Es ist ein Raum mit gediegenem Ambiente, in dem es viel zu sehen gibt, wo man gut aufgehoben ist – ohne von einer Wohlfühloase sprechen zu müssen. Komplexer und deshalb weniger eindeutig wird die Sichtweise, wenn man den Sinn und Zweck des Raums entsprechend seiner Bezeichnung in Französisch, Deutsch und Englisch reflektiert: «Salle des pas perdus», «Wandelhalle» und «Lobby».

Keine dieser Bezeichnungen lässt sich von einer anderen ableiten, und aus den Bezeichnungen lassen sich unterschiedliche Schlüsse  auf die Funktion ziehen: Ist die Wandelhalle ein Ort, wo man mit Musse auf und ab geht und seinen Gedanken nachhängen kann? Oder ist es ein Ort des Wandels, des Sinneswandels vielleicht? Wo Meinungen sich ändern können oder gar verändert werden? Auch der französische Begriff – «Salle des pas perdus» -- macht es uns nicht einfach. Er ist nicht nur zweideutig, sondern hat zugleich eine unheimliche Komponente: Verlieren sich in diesem Raum Schritte - was ja durchaus als Metapher für verlorene Seelen herhalten könnte? Oder handelt es um eine Fehlinterpretation der französischen Verneinungsform „pas“? So soll nämlich der Ausdruck «salle des pas perdus» aus der Zeit Ludwigs des XVIII stammen (um 1820). Das war die Zeit der Verbannung und der temporären Rückkehr Napoleons. Frankreich durchlebte damals politisch turbulente Jahre. Einmal waren Royalisten genehm, das andere Mal wurden sie wieder aus dem Parlament hinausgeworfen. Und während die Standesvertreter in der Vorhalle des Parlaments auf ihre Wiederwahl warteten, soll der König sie als: „les pas perdus“ – die nicht Verlorenen – bezeichnet haben.

Am einfachsten macht es uns der englische Begriff: Lobby stammt vom fränkischen „laubia“ ab, was Laubengang bedeutet, ein mit Laub bedeckter Gang. Das britische Unterhaus entlehnte sich erstmals den Begriff 1640 für die Vorhalle in seinem Parlamentsgebäude1. Dort unterhielten sich die Abgeordneten mit Personen, die keine gewählten Abgeordneten waren und daher nicht in den Sitzungssaal durften.
Für diesen Raum gibt es weder eine einzige Definition noch eine einzige Funktion. Unsere Wandelhalle ist eben mehr als nur ein Treffpunkt. Es ist ein Ort in Bewegung. Leute kommen, Leute gehen. Aus alle Ecken des Landes, aus ganz unterschiedlichen Bereichen fließen Ideen hier zusammen. Die Adressaten ändern sich alle vier Jahre – wie erst vor einem Monat. Vielleicht ist gerade dieses Unstete/Unfassbare das, was den Kern unseres politischen Systems ausmacht? Demokratie lebt von Vorschlägen aus der Gesellschaft. Und der Einfluss von Interessen auf die Volksvertreter, die wiederum selbst Interessen vertreten, ist so alt wie die Demokratie selbst.

Der französische Theoretiker Claude Lefort (1924-2010) behauptet, dass sich Demokratien gerade dadurch definieren, dass sie die Machtträger nicht benennen. Indem die Macht vom Volk ausgeht, wird sie unpersönlich und diejenigen, die die Macht tatsächlich ausüben, sind ersetzbar. Der Ort der Macht ist nur temporär besetzt; es ist ein leerer Ort – «un lieu vide»2  – der aufgrund seiner Leere stets aufs Neue symbolische Füllungsversuche hervorruft3. Wäre das Gegenteil der Fall – und der Ort der Macht wäre verkörpert, so würde dies gemäß der Theorie Leforts unmittelbar in den Totalitarismus führen. In diesem Sinn passte ganz gut zu unserem System, dass die Wandelhalle, die «Salle des pas perdus» und die Lobby je nach Blickwinkel unterschiedliche und wandelnde Funktionen innehat.

Lorsqu’il s’est agi de reconstruire la Chambres des communes, qui avait été bombardée en 1941, Churchill a dit «we shape our buildings, and afterwards our buildings shape us»4  («Nous construisons des bâtiments et ces bâtiments à leur tour nous construisent»).

La «salle des pas perdus» est transformée aujourd’hui et c’est une bonne chose. Reste à savoir maintenant si cette rénovation parviendra à son tour à transformer celles et ceux qui fréquentent la «salle des pas perdus», mais cette une autre histoire…

 

1 Robert Rogers, Rhodri Walthers, How Parliament works, Pearson, Harlow/London, 6th edition, 2006, p. 121.

2 Claude Lefort, Essais sur le politique. XIXe-XXe siècles, Le Seuil, Paris, 1986.Claude Lefort, Essais sur le politique. XIXe-XXe siècles, Le Seuil, Paris, 1986.

3 Martin Nonhoff, Hegemonieanalyse : Theorie, Methode und Forschungspraxis, in: Reiner Keller, Andreas Hirseland, Werner Schneider, Willy Viehöver (Hrsg.), Handbuch Sozialwissenschaftliche Diskursanalyse, VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden, Band 2, 3. Auflage, 2008, p. 308.Martin Nonhoff, Hegemonieanalyse: Theorie, Methode und Forschungspraxis, in: Reiner Keller, Andreas Hirseland, Werner Schneider, Willy Viehöver (Hrsg.), Handbuch Sozialwissenschaftliche Diskursanalyse, VS Verlag für Sozialwissenschaften, Wiesbaden, Band 2, 3. Auflage, 2008, p. 308.

4 Winston S. Churchill, Speech on Rebuilding the House of Commons, October 28th, 1943, cité in: Robert R. James, ed., Winston S. Churchill, His complete Speeches, 1897-1963, Chelsea House, New York, volume VII, 1974, pp. 6869 ss.