Die Verbreitung der genauen Zeit
Im ersten Bundeshaus – dem Bundesrathaus und heutigen Bundeshaus West, 1857 fertiggestellt und von den Räten und der Verwaltung bezogen – wurde am 1. August 1890 ein elektrisches Zentraluhrensystem des Neuenburger Matthäus Hipp (1813-1893) eingeweiht. Um 1889 hatte sich ein Verein, die «Gesellschaft für elektrische Uhren in Bern» gebildet, der die Verbreitung der genauen Uhrzeit zum Ziel hatte. Die Mutteruhr kam öffentlich zugänglich in einem «ornamental, im Styl des Gebäudes selbst gehaltenen Schrank» im «Bundespalast» zu stehen. An die Zentraluhr wurde ein Netz von öffentlichen und privaten Uhren, verteilt über die ganze Stadt, angeschlossen. 1890 waren bereits 164 Uhren angehängt. Es war eine Präzision-Einsekundenpendel-Zeitzentrale, welche die Nebenuhren in den Büros mittels Elektrodraht speiste. Heute sind noch einige der alten Hipp-Nebenuhren im Bundeshaus West vor Ort, allerdings sind sie mit modernen Uhrwerken versehen.
Die erste Zeitzentrale von Matthäus Hipp, im Eingang des Bundeshaus West (Quelle: M. Schuldes: Die Patek-Philippe-Zeitdienstanlage T3 des Bundeshaus Bern, Chronométrophilia, 2012, no 71, p. 92)
Die Hipp-Nebenuhr ist geblieben – am Platz der Mutteruhr bleibt heute nur die Wand
Zwei Zeitzentralen: eine für das alte, eine für das neue Parlament
1892 wurde das Bundesrathaus mit dem «Neuen Bundesrathaus», dem Bundeshaus Ost, erweitert und 1902 wurde das Parlamentsgebäude eingeweiht. Für das Parlament wählte man eine neue Zeitzentrale, eine elektromagnetische Anlage namens Magneta, als Ergänzung zur Hipp Zentrale. Die Zentrale stand im Parlament, Bundeshaus Ost und Parlament wurden beide mit Nebenuhren versehen. Auch in diesen beiden Bauten existieren noch Magneta-Nebenuhren, sie sind jedoch heute ebenfalls mit modernen Uhrwerken versehen.
Die Zeitzentrale Magneta von 1902, ausgestellt im Bundeshaus 2002 (Quelle : BBL)
Eine Magneta-Nebenuhr im Ständeratssaal
Magneta-Nebenuhren in der Wandelhalle und im Nationalratssaal
1936 wurde sowohl die Hipp- wie auch die Magneta-Zeitzentrale durch eine FAVAG Zeitdienstanlage ersetzt. Die neue Anlage wurde an Stelle der Hipp-Zentrale im Bundeshaus West aufgestellt.
Die FAVAG Zeitdienstanlage, die die Hipp- und die Magneta-Zeitzentralen 1936 ersetzt hat, am Platz der Hipp-Zeitzentrale (Quelle: BBL)
Die Zeit der Quartzuhren
1969 wurde bei Patek Philippe in Genf eine Mutteruhr modernster Technik bestellt. Die Patek Philippe Zeitdienstanlage T3 war eine Technologie, die es nur bei Patek Philippe gab. Die Anlage besteht aus Quartzuhren, drei insgesamt, die gemeinsam eine Zeit ermitteln und die zusätzlich noch über eine Antenne den Langewellenempfänger die offiziellen Zeitzeichen der Observatorien empfangen kann. Es war eine Hochpräzisionsuhr, die die Möglichkeit bot, mehrere tausend Nebenuhren anzuschliessen. Auf der ganzen Welt gab es nichts annähernd Vergleichbares.
Die Zeitdienstanlage Patek Philippe T3 (Quelle: https://www.rauantiques.com/patek-philippe-electronic-world-time-tower-clock)
1990 oder 1991 wurde die T3 Anlage durch eine mikroprozessorgesteuerte Funkuhr von Patek Philipp, Model Telequarz ersetzt. Diese Telequartz-Uhr war 60 mal kleiner als die Vorgängeruhr: sie war nur noch 33,7 x 23,7 x 7,4 cm gross.
Heute werden alle Uhren von einer Moser-Baer-Anlage, Nachfolgeunternehmen der FAVAG und der Patek Philip, betrieben.
Die heutige Mutteruhr – wegen eines Distributionsabkommens haben die Mitarbeiter, welche die Zeitdienstanlage aufstellten und verdrahten, die Aufschrift Moser Baer mit dieser von «Inducta» ausgetauscht.
Und die elektronische Installation, die dazu angeschlossen ist.