Es gilt das gesprochene Wort

 

Herr Gemeindepräsident
Frau Kantonsratspräsidentin
Damen und Herren Gemeinderäte
Herr Staatsschreiber
Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger

Es ist ein reiner Zufall, dass im Jubiläumsjahr ihrer schönen Gemeinde Meggen ein Bürger ihrer Patengemeinde Romoos den Nationalrat präsidiert. Wenn man diese Kombination ein ganzes Jahrhundert zum Voraus hätte planen wollen, das wäre mit Sicherheit nicht aufgegangen. Was soll’s - es ist nun mal so - freuen wir uns einfach daran.

So gesehen habe ich heute eine doppelte Motivation, Ihnen liebe Freunde aus Meggen, zum 950. Geburtstag ihre Gemeinde herzlich zu gratulieren. Ich mache das in erster Linie in meiner Funktion als Nationalratspräsident.

Wenn man in die Reihen des eidg. Parlamentes blickt, dann erkennt man darin die personifizierte Vielfalt der Schweiz. Die 200 Nationalräte und 46 Ständeräte kommen alle aus irgendeiner der ca. 2‘400 Gemeinden der Eidgenossenschaft. Über den Daumen gepeilt hat also jede zehnte Gemeinde einen Vertreter unter der Bundeskuppel. Meggen und Romoos sind diesbezüglich privilegiert. So hatte Meggen mit Frau Ständerätin Helen Leumann jahrelang eine engagierte und anerkannte Persönlichkeit in Bundesbern. Ich habe mit ihr gut und sehr gerne zusammengearbeitet. Und vor ihr war bekanntlich Peter Knüsel lange Jahre ebenfalls Ständetrat. Man kann also sagen, Meggen und Romoos sind gute Politbiotope.

Blenden wir 950 Jahre zurück ins Jahr 1064. Es war eine schwierige Zeit damals. Der Kaiser des römisch-deutschen Reichs - Heinrich der Dritte - ist jung gestorben. Sein Sohn, Heinrich der Vierte, ist noch nicht volljährig. Es herrscht Streit, es geht um Macht, Landbesitz und Ansehen. Sogar in Rom beim Papst wird gestritten, es hat dort Päpste und Gegenpäpste.

Aber es gibt auch hoffnungsvolle Zeichen in diesem Jahr 1064. Im Oktober wird die Einweihung der Klosterkirche Muri stattfinden. Zum Besitz des Klosters Muri gehört auch ein Gut am Küssnachtersee – Meggen. 1064 – vor 950 Jahren also – wurde Meggen zum ersten Mal urkundlich erwähnt. Meggen ist also älter als die Eidgenossenschaft. Die Eidgenossenschaft als Ganzes stellt ja so etwas wie die Mutter der Schweiz dar. Und somit wäre Meggen eine ihrer vielen Töchter. Und weil diese Tochter mehr als 100 Jahre älter ist als die Mutter, könnte man Meggen als biologisches Wunderkind bezeichnen.

Meggen ist auch eine Art Wunderkind in einem ganz anderen Bereich, im ökonomischen. Dank einer umsichtigen Gemeindepolitik und begünstigt durch die vorzügliche Wohnlage hat sich Meggen im Verlauf der letzten Jahrzehnte zur wohlhabensten und fiskalkräftigsten Gemeinde im Kanton Luzern entwickelt. Das mag ich Ihnen, liebe Meggerinnen und Megger von Herzen gönnen. Ganz so selbstlos, wie das soeben getönt hat, ist das Kompliment nun auch wieder nicht. Denn, ich weiss es aus eigener Erfahrung: Meggen ist – im Wissen seiner Hablichkeit – eine gute Gotte zu mehreren Gemeinden in der Eidgenossenschaft, welche nicht auf der fiskalpolitischen Sonnenseite angesiedelt sind.

Und damit wären wir bei der zweiten Motivation meines Kommens: Meine Heimat- und Wohngemeinde Romoos darf seit 1974 immer wieder die Grosszügigkeit Meggens beanspruchen. Dafür danke ich Ihnen, sehr geehrter Herr Gemeindepräsident, geschätzte GemeinderätInnen, liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger herzlich. In diesen Dank einschliessen möchte ich alle ihre Vorgängerinnen und Vorgänger im Gemeinderat, namentlich die Herren Gemeindeammänner Robert Zingg, Hermann Steiner und Arthur Bühler.

Meggen lebt seit nunmehr 40 Jahren die vielgepriesene Schweizer Solidarität. Solidarisch sein kann man auf ganz unterschiedliche Art und Weise: es gibt staatlich regulierte Solidarität – darunter gehören zum Beispiel die AHV, die IV oder der kantonale Finanzausgleich. Das was Meggen macht, ist im Unterschied zu den eben aufgezählten Werken, eine absolut freiwillige Solidarität. Und deshalb hat sie einen anderen Charakter und einen anderen Stellenwert. All diesen Aktivitäten ist eines gemeinsam: Sie tun Gutes und sind dafür da, Situationen von Einzelnen oder Gemeinschaften zu verbessern.

Solidarität ist eben kein Gnadenakt, sondern im Grund eine Selbstverständlichkeit innerhalb einer funktionierenden Gesellschaft. Sie ist Selbstzweck oder besser gesagt: der Kitt unserer Gesellschaft. Eine Gesellschaft aus Egoisten und Ignoranten ist nicht überlebensfähig.

Meine Damen und Herren, Meggen ist 50 Jahre jünger als ein Jahrtausend. 950 Jahre sind eine lange Zeit. Irgendwann im frühen Mittelalter haben sich Menschen an dem Ort niedergelassen, der heute Meggen heisst. Sie haben hier gearbeitet, ihren Alltag bewältigt. Das ist ihnen manchmal besser gelungen, manchmal weniger gut – wie uns heute auch. Damit haben sie im Verlauf der Jahrhunderte Meggen zu der Ortschaft, zu der Gemeinde gemacht, wie wir sie heute kennen.
Wir selber überblicken am besten unser eigenes Leben von siebzig, achtzig, neunzig Jahren. Unzählige Generationen lebten vor uns, und hoffentlich werden viele weitere Generationen an diesem schönen Platz am Vierwaldstättersee nach uns auch noch leben. Und immer wieder stehen die Menschen vor den gleichen grundlegenden Fragen. Altes oder Neues, Beharren oder Aufbruch? Soll der Habicht nun auf den Zinnen der Burg sitzen bleiben wie im Gemeindewappen von Meggen? Oder soll er fliegen, wie es das Verwaltungslogo zeigt?

In meinem Grusswort zur Jubiläums-Broschüre habe ich die Wahl der ersten Gemeindebörden von Meggen angesprochen. Die ersten Volkswahlen, wie wir sie kennen, fanden hier in Meggen zur Zeit der Helvetik statt. Die Bevölkerung durfte mitentscheiden. Es war eine Zeit des Aufbruchs. Im ganzen Land flogen Habichte umher, um bei diesem Bild zu bleiben. Mit ihren scharfen Augen konnten sie viel Neues entdecken, wahrscheinlich auch einiges, das sie verwirrte. Einige Zeit später kehrten sie auf die Zinnen zurück und warteten ab. Über den richtigen Zeitpunkt für den Aufbruch oder das Abwarten sind sich die Menschen selten einig. Oder besser gesagt nie. Und das ist auch gut so. Das regt die Diskussion, und damit das Denken an.

Wir brauchen einen wachen Blick für die Entscheidungen, die wir treffen müssen. Meist handelt es sich um unspektakuläre Sachen. Die Strasse sanieren oder nicht? Das Schulhaus bauen oder nicht? Das Reglement ändern oder nicht? Auch bei alltäglichen Fragen sehen wir uns verschiedenen möglichen Antworten gegenüber. Und es fällt nicht immer leicht, darunter die richtige Alternative zu wählen.

Wenn ich mich an die überdurchschnittliche Stimmbeteiligung in Meggen erinnere, wenn ich an das Jubiläumslogo mit dem scharfsichtig fliegenden Habicht denke, wenn ich heute sehe, wie die Einwohnerinnen und Einwohner bereit sind, miteinander in einen guten Dialog zu treten – dann bin ich zuversichtlich, dass die Megger Bevölkerung fähig ist, stets den richtigen Zeitpunkt für die richtige Entscheidung zu finden. Und so wird Meggen auch künftig erfolgreich den Alltag bewältigen und damit Geschichte schreiben. Übrigens, ich habe den Wunschzettel ebenfalls ausgefüllt. Was drauf steht? Dass der Habicht auch in 50 Jahren ab und zu einen Abstecher nach Romoos macht…

Meine Damen und Herren, Meggen hat eine lange Vergangenheit. Dazu gratuliere ich Ihnen und Ihrer stolzen Gemeinde. Ich wünsche ihr auch in Zukunft gutes Gedeihen. Und dafür, dass ich heute, am Jubiläumstag ein ganz klein wenig Meggergeschichte mitschreiben durfte, danke ich Ihnen.