Es gilt das gesprochene Wort!

 

Grussbotschaft der Nationalratspräsidentin Pascale Bruderer Wyss

Sehr geehrte Präsidentin und werte Mitglieder der Jury,
Sehr geehrte Preisträger und Preisträgerinnen,
Meine Damen und Herren

 

Brauchen wir eine gesunde Natur bloss um zu überleben?
Mir ist es eine grosse Freude, an dieser Stelle eine Grussbotschaft zu überbringen und damit auf die Preisverleihung einzustimmen. Speziell freut mich das, weil ich mich schon seit einigen Jahren in der Jura des Watt d’Or engagiere und während dieser Arbeit, während des Studiums der verschiedenen Projekte, oft das Gefühl habe, Zukunftsmusik zu lauschen. Zukunftsmusik, die aber bereits in der Gegenwart gespielt wird – und die genau deshalb heute ausgezeichnet wird.


Die Schweizer Energielandschaft blüht nachhaltig und bringt erneut wegweisende Projekte und ausgezeichnete Ideen hervor. Nicht weniger als 60 Initiativen haben sich um den vierten Watt d'Or beworben und hätten diesen aufgrund der Qualität ihrer Arbeiten auch erhalten können. Die rege Teilnahme an dem vom Bundesamt für Energie organisierten Wettbewerb ist ein beeindruckender Erfolg: Nicht nur die Siegerprojekte, sondern auch alle anderen hervorragenden Wettbewerbsbeiträge verdienen unsere Anerkennung und einen grossen Applaus.


Die Projekte wurden mit Sperberaugen von Fachleuten evaluiert, die bei der Vielzahl von bestechenden Ideen, Erfindungen, Technologien und Aktionen die Qual der Wahl hatte. 18 der rund 60 Wettbewerbsbeiträge schafften es schliesslich in die Endrunde, in der die Jury schliesslich die Gewinner der fünf Kategorien auswählte. Es sind Projekte, die mich allesamt ins Staunen versetzt haben:

 

  1. Wasser sparen heisst auch Energie sparen. Diese Wahrheit stellt das Projekt „Azienda Acqua Potabile in der Gemeinde Gordola“ eindrücklich unter Beweis. Denn statt eines überdimensionierten und millionenteuren Projektes hat die Tessiner Trinkwassergemeinschaft einfach die Lecks in ihrem Wasserleitungsnetz geflickt und zudem die Spitzenwasserverbräuche gesenkt. Dadurch muss jetzt viel weniger Wasser gepumpt werden, was wiederum eine beträchtliche Menge an Strom einspart. Nämlich rund soviel wie 200 Haushalte in einem Jahr verbrauchen. Grossartig, oder?
  2. Eine neue Energietechnologie hat der Gasverbund Mittelland AG entwickelt. Sie nutzt die Energie, die bei der Absenkung des Gasdrucks vom Hochdruck der Hauptleitungen auf den Niederdruck der Verteilleitungen freigesetzt wird. In der Erdgasentspannungsanlage in Oberbuchsiten im Kanton Solothurn wird daraus Strom für 1200 Haushalte produziert.
  3. Der diesjährige Watt d’Or in der Kategorie der erneuerbaren Energien krönt die Mitarbeit von 72 Landwirten im luzernischen Inwil. Ihre biogenen Abfälle werden seit Oktober 2008 in der grössten Biogasanlage der Schweiz zu Biogas verarbeitet, das als CO2-neutraler Treibstoff für Erdgasfahrzeuge dient.
  4. Werden unsere Autos zukünftig sauberer dank dem „Pneumatischen Hybridmotor“? Das darf und kann man hoffen: denn dank Druckluft kann in Verbrennungsmotoren bis zu 30 Prozent Ölenergie gespart werden. Die Energiebilanz ist fast so gut wie bei Elektro-Hybridmotoren, aber der „Pneumatische Hybridmotor“ ist zehnmal billiger. Diese Weltpremiere stammt vom Team von Professor Lino Guzzella von der ETH Zürich.
  5. Über das Jahr mehr Energie produzieren als verbrauchen: das ist das „Wunder“ der Liegenschaft an der Feldbergstrasse in Basel. Die umfassend modernisierten Mehrfamilienhäuser aus dem Jahr 1896 setzen einen neuen Massstab für die Modernisierung von mehrgeschossigen, bestehenden Gebäuden. Viridén + Partner AG in Zürich zeigen damit, dass bei solchen komplexen Sanierungsprojekten Null- oder gar Plusenergiehäuser realisiert werden können.


Die Preisträgerinnen und Preisträger des Watt d'Or werden durch die öffentliche Annerkennung belohnt, nicht durch materielle: Sie erhalten kein Preisgeld. Aber dank dieser Auszeichnung wird – so hoffe ich - im ganzen Land von den Siegerprojekten gesprochen. Die neuen Entdeckungen und Technologien werden in breiteren Kreisen bekannt und sollen auch das Interesse von Investoren wecken. Und viele werden über den innovativen Geist in der Schweiz staunen. Der Watt d’Or rückt konkrete Projekte aus der Praxis, aus dem Alltag ins Rampenlicht, animiert zum Nachahmen und erreicht damit oft mehr, als theoretische Empfehlungen auf Papier, davon bin ich fest überzeugt. All diese wunderbaren Projekte zeigen Wirtschaft, Politik, aber auch den Bewohnerinnen und Bewohnern dieses Landes den Weg in eine nachhaltige Zukunft.


Die Wettbewerbsbeiträge des Watt d’Or beweisen: Wenn wir sorgsamer mit den natürlichen Ressourcen umgehen, gewinnen Alle: die Natur, die Wirtschaft und die Menschheit überall auf unserer Welt. Der Watt d’Or weckt das Interesse, nach Lösungen zu suchen, Neues auszuprobieren, zum Wohlstand Aller beizutragen ohne dabei die Natur zu ersticken. Er macht Mut umzudenken.
Es ist dringend an der Zeit, dass die Schweiz ihre Verantwortung für eine nachhaltige Energieversorgung und den globalen Klima- und Umweltschutz richtig wahrnimmt. Wir sollten entschieden in die Ära der ökologischen Restauration eintreten und uns so den Platz der Schweiz als Land der Pioniere und der Innovation zurückerobern. Nicht auf der Basis von Schuldgefühlen, sondern mit Selbstbewusstsein, Mut und gesundem Menschenverstand. Letztlich werden wir alle davon profitieren, wenn wir uns mit der Natur versöhnen und uns endlich auf den Weg in eine nachhaltige Zukunft machen.


Mit dem Einsatz von Forscherinnen und Technikern, Politiker und Politikerinnen, Individuen und Gemeinschaften, Industrie und Handwerk können wir künftig jedes Watt in ein goldenes Watt verwandeln.

 


Ich danke Ihnen.