Es gilt das gesprochene Wort.
Herr Alterspräsident,
geschätzte Kolleginnen und Kollegen,
ganz herzlichen Dank für das ausgesprochene Vertrauen!
Mille grazie, care e cari colleghi della Svizzera Italiana! Cars amitgs dalla Romontschia, bien engraziament per la confidonza!
Chères et chers collègues de la Suisse Romande, je vous remercie sincèrement pour votre confiance.
Ich werte es als grosse Ehre, Wertschätzung und als Respekt mir gegenüber, im ersten Jahr der 50. Legislatur den Nationalrat und damit auch die Vereinigte Bundesversammlung präsidieren zu dürfen.
Tout d'abord, je vous félicite tous pour votre élection ou réélection au Conseil national. Je salue cordialement les nouveaux membres, et je n'oublie pas les anciens membres qui n'ont pas pu retrouver leur siège. J'aimerais les remercier sincèrement et cordialement pour leur engagement et leur travail politique au Conseil national. Avec vous, chères et chers collègues, je me réjouis de débuter une collaboration constructive.
Zur Eröffnung dieser Legislatur hat unser Bundeshausquartett für Sie den Slawischen Tanz No. 8 von Antonin Dvorak gespielt. Danke vielmals an unsere Kolleginnen Kathrin Bertschy und Maja Ingold sowie unseren Kollegen Balthasar Glättli für die gemeinsame musikalische Umrahmung dieser Legislatureröffnung. Dass ein "Miliz-Streichquartett" mit Nationalräten aus vier verschiedenen Parteien in unserem Milizparlament die Legislatur eröffnet, kommt nicht von ungefähr - es symbolisiert das Zusammenspiel, das sowohl in der Musik wie auch in der Politik essenziell ist. Musik und Politik haben nämlich vieles gemeinsam: Es gilt, den richtigen Ton zu treffen, aufeinander zu hören und einzugehen, taktvoll zu sein und Disharmonien zu korrigieren.
C'est le ton qui fait la musique, c'est le ton qui fait la politique!
La Suisse sait faire face à beaucoup de défis. Nous vivons dans un monde interdépendant, de plus en plus globalisé, qui offre à nos citoyens une société ouverte, et aux entreprises et organisations internationales des conditions-cadres favorables pour leur siège. En même temps, nous constatons que ces chances ne sont pas garanties dans un monde plus conflictuel. Il nous faut désormais un engagement fort et profond pour défendre nos valeurs fondamentales.
Freiheit und Eigenverantwortung, Demokratie und Rechtsstaat, Toleranz und Solidarität, Leistungsbereitschaft und Verlässlichkeit, Offenheit und Respekt - diese Werte machten und machen unser Land erfolgreich. Es gilt, sie immer wieder als Pfeiler unseres Wohlstands und wirtschaftlichen Erfolgs in Erinnerung zu rufen, zu verteidigen und im In- und Ausland vorzuleben.
Mein Präsidialjahr wird denn auch unter dem Motto "Respekt, respect, rispetto" stehen - Respekt gegenüber dem in der Vergangenheit für unser Land Geleisteten, aber auch Respekt vor den Herausforderungen, die wir heute und morgen gemeinsam meistern müssen, um die Schweiz weiter voranzubringen.
Respekt beginnt hier im Ratssaal, indem unsere Aufmerksamkeit der Rednerin oder dem Redner geschenkt wird. Ich bitte Sie deshalb darum, der politischen Auseinandersetzung um die besten Lösungen für unser Land, um die in diesem Saal demokratisch gerungen wird, Respekt zu zollen. So können wir unsere Aufgabe als Gesetzgeber, als Wahlkörper und Aufsichtsorgan des Bundesrates sowie als Wahlkörper unserer obersten Gerichte effektiv und effizient wahrnehmen.
Es soll unser gemeinsames Anliegen sein, im Umgang miteinander Respekt zu zeigen und andere politische Meinungen und Grundhaltungen zu respektieren. Das ist gelebte Demokratie - und dabei spielt das Parlament eine wichtige Vorbildfunktion.
Wir sind gewählt worden, um die Schweiz vorwärtszubringen, um für die Menschen in unserem Land Chancen und Perspektiven zu schaffen, um gerechte Lösungen zu suchen und um unsere internationale Spitzenposition hinsichtlich Wettbewerbsfähigkeit, Innovationskraft und Wohlstand zu verteidigen.
Die 50. Legislatur wird unserem Parlament innen- und aussenpolitisch viel abverlangen. Wir werden grosse Reformprojekte mit langem Zeithorizont und enormen Auswirkungen beraten, etwa die Altersvorsorge 2020, die Energiestrategie 2050 oder die Unternehmenssteuerreform III. Aussenpolitisch müssen wir wieder geregelte Beziehungen zur Europäischen Union herstellen und gleichzeitig gemeinsam Antworten auf die Migrationsströme und die schrecklichen Terrorismusattacken finden. Aussen- und Innenpolitik lassen sich in unserer vernetzten Welt nicht mehr explizit trennen, sie sind interdependent.
Es stehen uns herausfordernde Zeiten bevor, doch wir wollen, müssen und können aus ihnen das Beste für unser Land machen - das sind wir den Bürgerinnen und Bürgern sowie den künftigen Generationen schuldig. Die Antwort auf die jüngsten Attacken auf unsere offenen Gesellschaften in Europa kann nur die Verteidigung unserer schweizerischen und zugleich europäischen Werthaltungen sein - selbst wenn sie en détail differieren, im Grundsatz können und müssen wir alle dafür einstehen!
Eben haben wir auf unsere Bundesverfassung geschworen oder das Gelübde abgelegt, die unsere Werte in der Präambel erwähnt: Freiheit, Demokratie, Unabhängigkeit, Frieden, Solidarität, Offenheit.
Respekt verdient aber nicht nur die Präambel mit unseren Grundwerten, sondern die Verfassung als Ganzes. Da wir in der Schweiz keine umfassende Verfassungsgerichtsbarkeit kennen, obliegt uns als Gesetzgeber bei der Legiferierung eine besondere Verantwortung.
Dies gilt insbesondere für die Verfassungsprinzipien der Rechtsgleichheit, des Diskriminierungsverbots, des Gebots der Verhältnismässigkeit und des Schutzes von Treu und Glauben. Diese Prinzipien sind nicht nur durch uns als Gesetzgeber einzuhalten, sondern auch bei der Formulierung von Volksinitiativen in Erinnerung zu rufen. Unsere Verfassungsprinzipien, die Europäische Menschenrechtskonvention und das Völkerrecht sind Grundpfeiler unseres Rechtsstaats, sichern den Bürgerinnen und Bürgern Rechtsschutz und dienen der Rechtssicherheit.
Respekt schulden wir ebenso unseren Vor- und Nachfahren: Unseren Vorfahren, die die Schweiz von einem armen Auswanderungsland zu einem erfolgreichen, wohlhabenden und international vernetzten Land aufgebaut haben; und Respekt schulden wir den künftigen Generationen, denen wir eine Schweiz mit guten Perspektiven, intakten Landschaften, finanziell gesicherten Sozialwerken und funktionierender Infrastruktur weiterzugeben haben.
Anche le nostre minoranze linguistiche meritano rispetto. Siamo fieri delle nostre quattro lingue nazionali. Perché la ricchezza della Svizzera non è costituita solo dalla prosperità in cui viviamo, ma anche dalla nostra pluralità culturale.
Dank und Respekt gebührt auch allen Menschen in unserem Land, die sich in ehrenamtlicher und freiwilliger Arbeit für unsere Gesellschaft engagieren: in der Politik, in der Kultur, im Sport, im Sozialen. Freiwilligenarbeit ist das Fundament einer starken Zivilgesellschaft. Dank aussprechen und Respekt zollen möchte ich auch all den Menschen, die mich auf meinem Lebensweg und in meiner politischen Laufbahn bis in dieses Amt begleitet haben, allen voran meiner Familie, meinen Eltern Claudia und Hansruedi, meiner Schwester Karin, meinen drei Patenkindern, meinem Freundeskreis, meinen politischen Weggefährten und meiner politischen Heimat: der FDP, den FDP Frauen, den Jungfreisinnigen und dem "Team Christa". Dank gebührt auch meiner Arbeitgeberin Zürich Versicherung, die sich dem Milizprinzip verpflichtet fühlt, sowie allen Organisationen, Vereinen, Gremien und parlamentarischen Gruppen, die ich in den letzten Jahren präsidieren oder in denen ich mitwirken durfte. Danken möchte ich - last but not least - meinen beiden "Lehrmeistern" und Vorgängern für das Präsidialamt im Nationalrat, Ruedi Lustenberger und Stéphane Rossini - ihr beide wart für mich auf eure eigene Weise grossartige Vorbilder!
Merci pour votre collaboration professionnelle et sincère, et merci, Monsieur Rossini, pour votre immense soutien pendant votre année présidentielle!
C'est le ton qui fait la politique, c'est le ton qui fait la musique!
Herzlichen Dank! Merci beaucoup! Mille grazie! Grazia fitg!