Es gilt das gesprochene Wort!

 

Sehr geehrter Präsident
Sehr geehrter Herr Regierungsrat
Geschätzte SRK-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter
meine Damen und Herren

Es ist noch nicht lange her, da setzte das Schweizerische Rote Kreuz im Bundeshaus einige Nadelstiche – spürbar nachhaltige, wie mir Ratskolleginnen und -kollegen später berichteten. Sie vermuten richtig, es war der Tag, an dem sich das Parlament von Mitarbeiterinnen des Rotkreuzdienstes gegen die Schweinegrippe - oder politisch korrekt - gegen das H1N1-Virus impfen lassen konnte. Dieser „Pieks“ in den Oberarm hat hoffentlich wieder in Erinnerung gerufen, wie wichtig und unverzichtbar das Schweizerische Rote Kreuz und seine Organisationen für viele Menschen in unserem Land, für unser Gesundheitswesen, für unseren Sozialstaat und für die Migrationsbevölkerung geworden sind.
Unzählige Ihrer Aufgaben könnte der Staat nicht annähernd so wirkungsvoll leisten. Bund, Kantone und Gemeinden wären finanziell und organisatorisch völlig überfordert, wenn sie die Leistungen des SRK selbst erbringen müssten. Für Ihr unermüdliches Engagement danke ich Ihnen auch im Namen des Ständerats ganz herzlich. Und ich freue mich, dass ich heute hier bei Ihnen sein kann.


Meine Damen und Herren

Wir stehen vor grossen gesellschaftlichen Herausforderungen. Das Motto des SRK „Für mehr Menschlichkeit“ könnte dafür Programm sein. Die Menschen auf diesem Planeten rücken immer näher zusammen. Menschen auf der Flucht, auf der Flucht vor Armut, vor lebensbedrohlichen Situationen sind ein Thema, das uns alle beschäftigt. Menschen, die mit diesem Hintergrund in unser Land kommen, sind traumatisiert, entwurzelt, ungenügend gebildet, gesundheitlich geschwächt. Diese Menschen brauchen unsere Unterstützung. Das Rote Kreuz leistet hier Grosses. Doch nicht nur bei der Integration von Flüchtlingen in unserem Land oder der Reintegration im Herkunftsland leistet das SRK Hervorragendes. Das SRK engagiert sich bekanntlich auch bei der Bewältigung von Problemen bezüglich fehlender Pflegefachkräfte.
Der Bericht des Volkswirtschaftsdepartements "Bildung Pflegeberufe" bestätigt eindrücklich, dass der heute schon bestehende Mangel an Pflegefachpersonen drastische Ausmaße annehmen wird. Ich illustriere dies mit einer einzigen Zahl: Um den Bedarf an Nachwuchs abzudecken, fehlen jährlich rund 5000 Gesundheitsfachleute.
Doch nicht nur das SRK, auch die Politik steht in der Pflicht, Konzepte zu erarbeiten, um diesem Mangel entgegen zu treten. Wir Parlamentarierinnen und Parlamentarier verstehen unsere Aufgabe in erster Linie darin, Rahmenbedingungen zu schaffen oder diese Rahmenbedingungen an neue Realitäten anzupassen.

Der Staat kann indessen im Alleingang - ohne die Mitarbeit der Zivilgesellschaft, ohne die tatkräftige Unterstützung durch Organisationen wie des Roten Kreuzes - diese Aufgabe nicht bewerkstelligen. Das Wissen im SRK, Ihr Erfahrungsschatz meine Damen und Herren, Ihre Nähe zu den Betroffenen und Ihre Ideen aus ihrem Umfeld sind für unsere Arbeit, und das was schliesslich daraus resultieren soll, von unermesslichem Wert. In den Bereichen des Flüchtlingswesens und der Gesundheits ist die Stimme des Roten Kreuzes wichtig. Zum einen stellen Sie zusammen mit anderen Organisationen (z. Bsp. Die Spitex) die Pflege von kranken, behinderten und betagten Menschen sicher. Bereits seit einem halben Jahrhundert
helfen die Pflegehelferinnen da, wo Alltägliches eine schwere Bürde geworden ist und wo Fachpersonal von der Grundpflege entlastet werden muss. Darauf, wie sie zu Recht in Ihrem Jahresbericht selber feststellen, wird unsere Gesellschaft, unser Gesundheitswesen in zunehmendem Mass angewiesen sein. Zum Andern schätze ich Ihre koordinierende Rolle im Bereich der Gesundheitsberufe. Die ist in der heutigen Zeit besonders wichtig.


Meine Damen und Herren

„Für mehr Menschlichkeit“ ist mehr als ein schöner Slogan. Für die Probleme unserer Gesellschaft gibt es keine einfachen Rezepte. Die Basis aller Lösungsansätze muss aber Menschlichkeit sein, menschliche Einfühlung, Verständnis für Menschen, denen die Wechselfälle des Lebens mehr als andern zugesetzt haben, aber auch Respekt vor dem Anderssein und den Mut, zu benennen, was wir hier nicht übernehmen können oder wollen. Das rote Kreuz steht für mich ganz vorne, wenn es darum geht, der Menschenwürde zu obliegen, zu helfen, zu unterstützten, wo es nötig ist – von Mensch zu Mensch oder wie die Afrikaner sagen: „Der Mensch ist des Menschen Medizin“. Das Rote Kreuz weiss dies seit langem und lebt danach. Daher erwarte ich auch vom SRK wichtige Impulse und Beiträge – nachhaltige, da bin ich mir ganz sicher.


Ich wünsche Ihnen eine anregende Jahresversammlung!