Es gilt das gesprochene Wort

 

Sehr geehrte Vertreterinnen und Vertreter der Bundes-, Kantons- und Gemeindebehörden

Werte Gäste

Liebe Freunde des Kantons Appenzell-Ausserrhoden

Sehr geehrter Herr Ständeratspräsident

 

Es ist für mich eine grosse Ehre und ein besonderes Privileg, hier eine Laudatio auf den neuen Ständeratspräsidenten halten zu dürfen. Mit Hans Altherr – dessen Aussehen übrigens die Redensart nomen est omen Lügen straft – haben wir es nicht nur mit einem brillanten politischen Geist, sondern auch mit einem geschickten Schachspieler zu tun.

Die Politik ist wie das Schach ein komplexes Spiel, dessen Regeln genauestens erlernt werden müssen. Auch braucht es in beiden Spielen viel Erfahrung, um zu wissen, wann «geschlagen» und wann ausgewichen werden soll. Und sowohl für die Politik als auch für das Schach gilt, dass die Spieler nur Freude haben, wenn sie gut spielen. So gesehen steht ausser Zweifel, dass dir der Vorsitz der Kleinen Kammer grosse Freude bereiten wird.

Der Ständerat nimmt innerhalb der Bundesbehörden einen besondere Stellung ein. Jedes Ratsmitglied hat hier so viel Gewicht wie vier Volksvertreter im Nationalrat.

Der Ständerat bietet zudem den kleinen Kantonen die Möglichkeit, sich gegenüber der Grossen Kammer gewissermassen zu revanchieren. Hier steht Appenzell Ausserrhoden auf gleichem Fuss mit Zürich oder mit der Waadt und kann zu einer entscheidenden Figur auf dem Schachbrett des Schweizer Parlamentes werden.

Der Ständerat weckt überall Begehrlichkeiten, das hat sich bei den letzten eidgenössischen Wahlen einmal mehr gezeigt. Sich hier im ersten Wahlgang mit 80 Prozent der Stimmen wiederwählen zu lassen, davon können Ständeräte und Ständerätinnen in der Regel nur träumen. Nicht so Hans Altherr. Dem Ausserrhoder Grossmeister ist nämlich eben dieser Exploit gelungen.

Eine solche Popularität fällt einem natürlich nicht einfach in den Schoss. Seit 35 Jahren hat Hans Altherr seine Energie, sein Wissen und seine Fähigkeiten nun schon in den Dienst der Gemeinschaft gestellt, erst in seiner Gemeinde Trogen, dann in seinem Kanton und schliesslich auf Bundesebene.

Mein lieber Präsident

Als Ständeratspräsident musst du dazu beitragen, dass die drei staatlichen Gebilde sich zu einem harmonischen Ganzen fügen. Du wirst überall in diesem Land gebraucht werden, um das komplizierte nationale Puzzle zusammenzuhalten.

Du wirst auf die vermittelnde Rolle der Verbände, Initiativen und Interessengruppen hinweisen, und im Ausland wirst du immer wieder das Rezept unserer gesellschaftspolitischen Stabilität erklären müssen.

Im Hinblick auf deine Wahl ist an alles gedacht worden. So hatte sich der Schweizerhof in eine der grössten Baustellen der Stadt Bern verwandelt, um das berühmte Zimmer 401, wo traditionellerweise der Ausserrhoder Ständevertreter logiert, zu renovieren. Das Hotel erstrahlt inzwischen wieder in seinem alten Glanz und seiner ganzen Pracht, um dir einen standesgemässen Empfang zu bereiten.

Auch der Ständeratssaal ist rechtzeitig auf deine Wahl hin restauriert worden. Das „Stöckli“ wurde in einer Westschweizer Zeitschrift neulich zur «Chambre des Lumières» erhoben, wohl um der Brillanz seines neuen Präsidenten zu huldigen. Und wenn es auch stimmen mag, dass „einem in der Diskussion die Lichter aufgehen“, wie ein französisches Sprichwort sagt, so liess sich bisher nicht vermeiden, dass in den Debatten hie und da etwas im Dunkeln blieb. Um dem abzuhelfen, sind die 208 Lämpchen des Kronleuchters mit modernsten Leuchtdioden ersetzt worden.

Du hast dich gut gemacht, am Tag deiner Wahl, in deinem Präsidentensessel. Du sahst aus, als würdest du der Landsgemeinde vorstehen, die auf dem Wandgemälde von Albert Welti und Wilhelm Balmer abgebildet ist. Noch besser machen würdest du dich natürlich mit gegürtetem Degen. Schliesslich braucht es im Schengen-Raum für Museumswaffen keinen Waffentragschein.

Ich freue mich, mein «Altherr» Ego in Aktion zu sehen. Du wirst mein Mentor sein und mir sicher ein paar interessante Eröffnungstaktiken und siegbringende Spielzüge beibringen.

Das Spiel war schon für Aristoteles eine wichtige Voraussetzung für die Ernsthaftigkeit. In diesem Sinne wünsche ich dir ein Präsidialjahr, das noch spannender ist als die beste Schachpartie.

Es lebe die Eidgenossenschaft, es lebe Appenzell Ausserrhoden.

 

 

 

Filippo Lombardi, Vizepräsident des Ständerates