Herr Bundesrat Hans-Rudolf Merz,
Herr Bundesrat Kaspar Villiger,
Herr Ständeratspräsident Fritz Schiesser,
Frau Landammann Alice Scherrer,
Sehr geehrte Vertreter aus der Kantonsregierung Appenzell-Ausserrhodens sowie des Gemeinderates von Herisau,
Liebe Familie und Freunde von Hans-Rudolf Merz,
Liebe Festgemeinde
Es ist mir eine grosse Freude, sehr geehrter Herr Merz, Ihnen hier in Herisau die Glückwünsche der Vereinigten Bundesversammlung zu überbringen, die Sie an jenem spannungsreichen 10. Dezember 2003, ziemlich genau um 12.08 Uhr, zum Bundesrat gekürt hat.
Wie selten zuvor stand unser Parlament dabei während Wochen im Schweinwerferlicht einer über das übliche Mass hinaus interessierten politischen Öffentlichkeit. Für einige mag die Wahl von Hans-Rudolf Merz überraschend gekommen sein, gehörte er doch im Parlament zumindest hinsichtlich Amtsdauer noch längst nicht zu den eigentlichen Urgesteinen.
1997 betrat H.-R. Merz als Ständerat für den Kanton Appenzell-Ausserrhoden die nationale Politik-Bühne. Bevor er jedoch seinen ersten Schritt ins Bundeshaus setzte, trieb es ihn, vornehmlich in wirtschaftlicher Mission, hinaus in die Welt. Weitgereist, mit unterschiedlichsten Kulturen und Mentalitäten in Berührung gekommen und beschlagen mit stupenden Sprachkenntnissen, gehörte er nicht zufälligerweise nebst der Finanz- und Sicherheitspolitischen auch jahrelang der Aussenpolitischen Kommission sowie der parlamentarischen Delegation bei der OSZE an.
Auf dem internationalen Parkett setzte er sich unermüdlich für Aufbau und Stärkung von Rechtsstaat und Demokratie ein, kämpfte auch international für föderalistische Strukturen sowie für die Einhaltung der Menschenrechte. Auch als profunder Kenner der Aussenwirtschaftspolitik der Schweiz vermochte er seine unverkennbaren finanz- sowie aussenpolitischen Interessen unter einen Hut zu bringen.
Aber auch im eigenen Land ist Hans-Rudolf Merz ein Mann mit vielen Facetten und Qualitäten. In politischen Sachfragen weiss er wortgewandt seine Anliegen und Überzeugungen zu vertreten und argumentiert dabei mitunter messerscharf und hart an der Sache. Seine Ständeratskolleginnen und -kollegen wissen, dass er dies immer mit grosser Fairness und im Bestreben um Konsens getan hat.
Sein menschliches Gespür lässt ihn ohne Umschweife auf andere zugehen, ohne dabei den gebührenden Respekt vor unterschiedlicher Meinung vermissen zu lassen. Man weiss von Hans-Rudolf Merz, dass er trotz oder gerade wegen seinen oftmals felsenfest erscheinenden Überzeugungen die anregende Streitkultur im „Stöckli“ sehr geschätzt hat. Hans-Rudolf Merz wird es zweifellos gelingen, die oft vorschnell gemachten und allzu einseitigen Etikettierungen, wie beispielsweise diejenige vom Spar- oder Ordnungspolitiker, abzustreifen und der Öffentlichkeit ein differenzierteres Bild seiner eigenen Person zu präsentieren.
Und schon gar nicht lässt sich H.-R. Merz „nur“ auf den Politiker reduzieren. Gerade aus seiner in sanften Rhythmen geschwungenen Heimat, die schon Robert Walser auf schier endlosen Wanderungen durchstreift hatte, schöpft er die nötige Kraft, besonders gerne indem er sich sportlich an ihr misst. H.-R. Merz hat sich hierzulande durch seine zupackende Art Respekt und Achtung verschafft. Nicht nur wenn es heikle Wirtschaftsfragen zu lösen galt, sondern auch wenn er etwa in der Funktion als vormaliger Präsident den SC Herisau auf glitschigem Boden zu beachtlichen Erfolgen führte.
Ferner hat er sich verschiedentlich bereits in den Dienst der Kunst gestellt, so etwa als Verwaltungsrat des Theaters St. Gallen und uns damit einmal mehr vor Augen geführt, dass er ein Mann mit verschiedenen Gesichtern ist, dem nicht nur Effizienz und Zweckrationalität am Herzen liegen. Bekannt sind auch seine musikalischen Vorlieben, die so unterschiedliche Richtungen wie Jazz und Oper zu vereinen wissen. In einem Interview bekannte er sogar, dass er sich durchaus in der Lage sehen würde, einige ihm vertraute Opern zu dirigieren. Dies wird ihm wohl ab dem 1. Januar 2004 nicht mehr vergönnt sein. Die neue Herausforderung in Bern, die verschiedenen Stimmen der Kollegialbehörde Bundesrat differenziert zu orchestrieren, traut man ihm aber durchaus zu. Zweifellos wird er sie mit viel Geschick, Augenmass und der ihm eigenen Dynamik angehen.
Als passionierter Sammler von Alpaufzügen und angehender Finanzminister und ferner in Anspielung auf Ihren Namen erlauben Sie mir, sehr geehrter Herr Merz, auf unser Volksgut zurück-zugreifen:
"Im Märzen der Bauer
Die Rösslein einspannt"…
heisst es in der 1. Strophe eines bekannten Bauernliedes. In Ihrem Sinne könnte man dies sicherlich dahingehend deuten, dass Sie die Rösslein nicht nur vor den Sparkarren, sondern auch vor den Entsorgungswagen unnötiger Vorschriften spannen werden.
In diesen Stunden der Freude ist es zweifellos angebracht, in Gedanken auch mit jener Innerrhoderin zu sein, die am 10. Dezember mit bewundernswertem Mut und Charakterstärke den Entscheid der Vereinigten Bundesversammlung akzeptiert hat. Ihre Person wurde dabei nie in Zweifel gezogen. Ruth Metzler hat in den beinahe fünf Jahren als Bundesrätin eine bemerkenswerte Arbeit geleistet. Mit seiner Wahl hat das Parlament jedoch die Regierungsformel den neuen Kräfteverhältnissen der Parteien angepasst. Auf jeden Fall gebührt Frau Metzler unser aufrichtiger Dank.
Ich möchte zu guter Letzt Ihnen, sehr geehrter Herr Merz und Ihrer Familie, vorerst besinnliche und geruhsame Festtage wünschen und abschliessend meiner Zuversicht Ausdruck verleihen, dass die Beziehungen zwischen Ihnen und dem Parlament weiterhin eng und gewinnbringend bleiben werden.
Ich danke Ihnen für die Aufmerksamkeit.