„Mut zum Machen“: Aufgaben und Herausforderungen von Jungunternehmern in der heutigen Zeit
Gründung der Jungen Wirtschaftskammer Olten
Dienstag, 31. Oktober 2006
Einleitung: Die grosse Herausforderung der Selbständigkeit
Sehr geehrte Damen und Herren! Liebe Jungunternehmer!
Es ist mir eine grosse Freude, heute an Ihrer Gründungsveranstaltung zu Ihnen sprechen zu können. Ich erinnere mich noch gut an die Gründungszeit meines eigenen Unternehmens und fühle mich dem Jungunternehmertum immer noch sehr verbunden. Aller Anfang ist schwer, das gilt heute mehr denn je, und deshalb weiss ich, wie wichtig die Förderung des Jungunternehmertums ist. Gleichzeitig fordere ich aber die jungen Unternehmer selbst auf, hart zu arbeiten, nicht klein beizugeben, und an sich zu glauben, um den Traum vom eigenen Geschäft realisieren zu können.
Es ist erfreulich zu sehen, dass Sie hier in Olten Ihre Kräfte bündeln. Dass Sie mit der Jungen Wirtschaftskammer Olten weiteren Jungunternehmerinnen und Jungunternehmern eine Stütze sein wollen, zeichnet Sie als Menschen aus, die sich nicht nur sich selbst verpflichtet fühlen, sondern auch ihre Verantwortung gegenüber der Gesellschaft ernst nehmen. Ich begrüsse jede Unterstützung für die Klein- und Mittelbetriebe; jede Unterstützung für Menschen, die Ideen haben, um neue Arbeitsplätze zu schaffen und anzubieten.
Mit der Schweizer Wirtschaft geht es zurzeit aufwärts, und oft werden neue Firmen werden von sehr jungen Menschen gegründet, die den gegenwärtigen Boom nutzen und mit Mut Businessideen umsetzen. Trotzdem ist auf den Märkten nicht mehr so viel Platz wie früher und Konsumwünsche sind nicht einfach zu identifizieren: Verglichen mit den Nachkriegs-Aufbruchzeit der fünfziger und sechziger Jahre, als zahlreiche erfolgreiche Firmen gegründet wurden, ist es sehr heute viel schwerer, Marktlücken und neue Bedürfnisse zu erkennen, man muss sich sehr stark spezialisieren und die Erfordernisse an die Ausbildung sind wesentlich grösser. Dafür können sie heute von Förder-Programmen, Business-Netzwerken und Gründer-Workshops profitieren, die es vor 30, 40 Jahren noch nicht gab – von den neuen Informations- und Kommunikationsmitteln ganz zu schweigen.
Deshalb ich bin überzeugt, dass die nächste Generation Jungunternehmer auf dem richtigen Weg ist. Schweizerinnen und Schweizer machen sich heutzutage in erstaunlich grosser Zahl selbständig und zeigen damit, dass keineswegs alle Märkte gesättigt sind. Gerade heute, im Hightech-Bereich und im Umfeld der Informations- und Kommunikationstechnologien lassen Innovationen, neue Produkte und neue Dienstleistungen immer wieder neue Chancen entstehen.
Jungunternehmer: Spitzensportler in der Geschäftswelt
Junge Unternehmerinnen und Unternehmer sind für mich wie Spitzensportlerinnen und -sportler: Sie sind angetrieben von einer ungeheuren Motivation. Sie arbeiten Tag und Nacht, um sich gegen die Konkurrenz behaupten zu können. Sie sind sich der Tatsache bewusst, dass die Aufbaujahre nicht einfach sind und trainieren deshalb neben ihrer Tatkraft auch ihre Ausdauer. Sie wollen aus der Fremdbestimmung in die Eigenverantwortung und akzeptieren dabei, dass dies vielleicht nur mit Verzicht im persönlichen Bereich einhergehen könnte. Für diese Menschen bedeutet Verantwortung übernehmen Lust, und keine Last.
Doch für mich sind es vor allem die aussergewöhnliche Schaffenskraft und das Herzblut für die eigene Sache, die erfolgreiche Pioniere ausmachen. Dazu ist nicht jede und jeder berufen, und das ist auch gut so. Aber ich zolle allen Respekt und Anerkennung, die sich von diesen Anforderungen nicht abschrecken, sondern herausfordern lassen. Jede und jeder bringt unsere Wirtschaft weiter. Ich fordere daher die auf, die sich zur Gründung entscheiden, mit Optimismus und Zielstrebigkeit an die Sache heranzugehen – sofern die Idee stimmt und ihnen klar ist, dass es für Jungunternehmer keine geregelte 40-Stunden-Woche mit Überstundenkompensation und 6 Wochen Ferien gibt. Dafür ist man aber auch niemandem Rechenschaft schuldig, man ist sein eigener Chef und hat zumindest einen Arbeitsplatz bereits neu geschaffen: nämlich den eigenen.
Vorsicht vor „Schnellschüssen“
Wer möchte nicht Herr oder Frau im eigenen Haus sein? Schalten und Walten können, ohne sich von Vorgesetzten bevormunden lassen zu müssen – der Traum von Selbständigkeit schlechthin!
Träume sind gut, aber man sollte die Spielregeln der Geschäftswelt nicht ausblenden. Die Gesetze des Marktes gelten für alle, und besonders für Jungunternehmer gelten sie in aller Härte. Ich habe vorher von den Spitzensportlern gesprochen: Sie kennen die vielen Beispiele, wo eine Sportlerkarriere nach einem kurzen intensiven Erfolg ein abruptes Ende nahm, weil die Anstrengung nicht auf Nachhaltigkeit ausgerichtet war. Talent ist zwar eine notwendige, aber noch keine hinreichende Bedingung, um als Unternehmer oder als Sportler erfolgreich zu sein.
Es ist bekannt, dass die Gründe der meisten Konkurse junger Unternehmen auf Fehler in der Gründungsvorbereitung und auf Unzulänglichkeiten im Management zurückzuführen sind. Junge Firmengründer tun deshalb gut daran, sich an den Ratschlag des Deutschen Unternehmers und Politikers Philip Rosenthal zu halten:
„Wer zu spät an die Kosten denkt, ruiniert sein Unternehmen. Wer immer zu früh an die Kosten denkt, tötet die Kreativität.“
Jedes junge Unternehmen muss seinen Start sorgfältig planen, wenn es dauerhaft erfolgreich bleiben will. Heutzutage gehört dazu leider etwas mehr als eine auf eine Papierserviette gekritzelte Idee, eine Garage und ein paar Flyer in der Nachbarschaft. Schliesslich würde auch kein Extremsportler daran denken, ohne seriöse Vorbereitung die Wüste Gobi zu durchqueren oder den Mount Everest zu besteigen!
Funktion der Wirtschaftskammer: Rückhalt und Netzwerk
In diesem Zusammenhang kann eine Wirtschaftskammer, insbesondere eine, die sich an junge Unternehmen richtet, eine wertvolle Hilfe sein. Sie bietet Hilfe für die Etablierung eines durchdachten Businessplans, sie liefert Antworten auf Fragen zum unternehmerischen Umfeld und dient natürlich als wichtiges Netzwerk, in dem man Erfahrungen austauschen kann. Gerade junge Unternehmer sollten davon absehen, sich bitter zu bekämpfen, sondern müssen auf sich zählen können.
Von der Gründung der Jungen Wirtschaftskammer Olten erwarte ich mir daher wichtige Impulse für die regionale Entwicklung, ein innovatives Programm für ihre Mitglieder und eine Plattform zur lokalen, nationalen und internationalen Vernetzung. Die Mutterorganisationen Junior Chamber Switzerland und Junior Chamber International haben in diesem Bereich intensive und wertvolle Arbeit geleistet, von der es zu profitieren gilt. Letztlich erwarte ich von der Etablierung einer Jungen Wirtschaftskammer auch eine Verbesserung des Bildungsstands bzw. des Erfahrungsschatzes junger Manager. Wie erwähnt sind eine sorgfältige Vorbereitung und eine gewissenhafte Führung gerade bei neuen Firmen unerlässlich. Dabei ist es eine grosse Hilfe, wenn junge Manager von bestehendem Know-How profitieren können. Wenn sie frühzeitig über mögliche Schwierigkeiten aufgeklärt werden. Wenn Aussenstehende wunde Punkte identifizieren, damit sie schnell korrigiert werden können.
Kurz und gut: Mit Ihrer neuen Institution helfen Sie anderen Gründern, die eigene Situation und die eigenen Ziele bewusst und korrekt einzuschätzen. Auf diese Art und Weise bieten Sie jungen Leuten aus der Region die Gelegenheit, die notwendigen Führungseigenschaften, Unternehmergeist und soziale Verantwortung zu entwickeln und leisten damit auch einen Beitrag zum Fortschritt der Gesellschaft und der Schweizer Wirtschaft. Dafür danke ich Ihnen.
Junge Unternehmen passen gut zu Olten
Böse Zungen behaupten, dass man beim Stichwort Olten zuerst einmal nur Bahnhof versteht. Tatsächlich wird die Stadt Olten als typische „Eisenbahnerstadt“ in der Regel nicht mit wirtschaftlichen Innovationen in Verbindung gebracht. Eigentlich zu Unrecht. Denn neben der Bedeutung als Eisenbahnknotenpunkt und der Errichtung der Bahnwerkstätten hat die Industrie in Olten schon immer eine wichtige Rolle gespielt und eine grosse Zahl an Arbeitsplätzen geschaffen. Schon um die Jahrhundertwende waren es die metallverarbeitenden Gewerbe und die Betriebe der Bekleidungs- und Ausrüstungsindustrie wie beispielsweise die Giesserei von Roll und die Schuhfabrik Strub & Glutz, beide 1866 gegründet, die Tausenden von Arbeiterinnen und Arbeitern eine Arbeit in der Region boten.
In der Zwischenzeit hat sich vieles geändert; lange Zeit galt Olten nicht gerade als bevorzugter innovativer Wirtschaftsplatz, doch in jüngerer Zeit sind viele Erfolge zu verbuchen: Die Stadt hat sich als bedeutenden Bildungsstandort etabliert und insbesondere kleine und mittlere Unternehmen konnten motiviert werden, ihre Produkte und Verfahren in der Region zu entwickeln und können sich nun dauerhaft und rentabel am Markt behaupten.
Potenzielle Jungunternehmerinnen und Jungunternehmer können sehr schnell von den guten Voraussetzungen profitieren, die ihnen Olten mit seiner ausgezeichneten Infrastruktur, der zentralen Lage und der optimalen Verkehrsanbindung bietet. Natürlich gehören zu einer Wirtschaftsbeziehung immer zwei und es ist klar, dass Existenzgründungen und der damit verbundene „brain gain“ sowie die neuen Arbeitsplätze gerade in Olten nicht hoch genug einzuschätzen sind.
Unternehmerisches Engagement ist der Schlüssel dafür, dass unsere Region den Strukturwandel schafft und mitträgt, und die Gründung neuer Firmen gehört dabei zu den wesentlichen Voraussetzungen. Wir brauchen den Mut zur Selbstständigkeit, denn jeder Existenzgründer gibt im Schnitt auch vier weiteren Menschen Arbeit. Wir brauchen Jungunternehmer aus Forschung und Entwicklung, aus Multimedia und Telekommunikation, aus Industrie und Logistik, denn in diesen Bereichen wird sich der Erfolg unseres Wirtschaftsstandorts entscheiden. Ohne Innovationen und ohne das Know-How engagierter und kreativer Fachkräfte kommen wir nicht aus, und es macht Mut zu sehen, dass vielen jungen Unternehmerinnen und Unternehmer mit originellen Ideen und mit viel Mut zum Risiko der Durchbruch gelingt. Das sind Beispiele, die anderen Mut machen sollten, es auch zu wagen.
Der Beitrag des Staates: Förderung statt Verhinderung
Aus wirtschaftspolitischer Sicht gibt es zur Unterstützung von Gründungen junger Firmen gar keine Alternative. „Gründer“ und wachsende Jungunternehmen waren und sind die wichtigsten Quellen für neue Arbeitsplätze. Dennoch halte ich staatliche Subventionen zur Förderung von Startups für unangebracht. Vielmehr muss man eine Mentalität schaffen, in welcher der Gründermut anerkannt wird und mit einem subsidiären Mitteleinsatz die Rahmenbedingungen verbessern, um mehr Freiraum für innovative Köpfe zu schaffen. Neben dem Beitrag des Wachstumspakets, den Protektionismus auf dem Binnenmarkt zu reduzieren, der Exportförderung, administrativen Erleichterungen und der Cyberadministration sind in diesem Zusammenhang vor allem die Kommission für Technologie und Innovation KTI sowie ‚venturelab’ als Beispiele von Starthilfen für junge Firmen zu nennen.
Die Aufgabe der KTI ist die Förderung und Begleitung von innovativen Projekten mit hohem Marktpotenzial und im Rahmen der Initiative ‚KTI Start-up’ wurden beispielsweise schon über hundert Projekte mittels Coaching bei der Entwicklung von Produkten und Prozessen begleitet.
‚Venturelab’ setzt eine Stufe vorher an und bietet in enger Zusammenarbeit mit Universitäten und Fachhochschulen praxisorientierte und projektbezogene Ausbildungsmodule zur Motivierung und Sensibilisierung von Studierenden sowie zur individuellen Förderung von Start-up-Projekten an.
Kurz und gut, der Staat soll nicht im Giesskannenprinzip Gelder verteilen, um Projekte am Leben zu erhalten, deren Markterfolg sonst gefährdet wäre. Der Staat darf aber auch kein „Verhinderer“ sein, der Gründungen und jungen Unternehmen mit bürokratischen Hindernissen, einer unternehmerfeindlichen Steuerpolitik, Handelsschranken im Inland und einem suboptimalen Marktzugang nach Europa im Wege steht. Kreative Initiativen sollen in der Schweiz auf fruchtbaren Boden stossen und nicht mit einer Flut von Vorschriften erstickt werden!
Abschluss: Unternehmergeist bedeutet Mut zum Machen
Unser Land ist auf junge Unternehmen angewiesen. Sie sind eine Art „Frischzellenkur“ für die gesamte Wirtschaft. Deshalb ist es wichtig, dass sich auch die Politik der Probleme junger Unternehmen annimmt und alles daran setzt, die Rahmenbedingungen zu optimieren. Mit zielorientierten und marktnahen Förderungen soll der Unternehmergeist gestärkt werden. Dazu müssen Politik und Wirtschaft am gleichen Strick ziehen. Mit der Gründung Ihrer Jungen Wirtschaftskammer hier in Olten zeigen Sie eindrücklich, dass es möglich ist, den Mut und die Kraft zur Verwirklichung ambitionierter Pläne aufzubringen!
Bleiben Sie dabei,
wecken Sie Ihren fleissigen, kreativen Geist,
verschwenden Sie keine Energie mit dem Gedanken, dass etwas nicht machbar sei,
setzen Sie einfache Lösungen in die Tat um,
und haben Sie Freude am Geschaffenen -
haben Sie „Mut zum Machen“!
Ich danke Ihnen für die Aufmerksamkeit.