(Es gilt das gesprochene Wort)


Sehr geehrte Frau Bundespräsidentin,
Sehr geehrte Herren Bundesräte,
Liebe Kolleginnen und Kollegen,
Geschätzt Damen und Herren,

Ich danke Ihnen herzlich für die ehrenvolle Wahl zum Präsidenten des Ständerates.

Sie wählen heute, ohne zu fragen, ob dies gut gehen kann, einen SVP- und einen SP-Politiker an die Spitze ihres Rates.

Zwei Vertreter der kleinsten Gruppierungen unseres Rates. Gewissermassen nach dem Motto: Klein ist fein!

Verstehen Sie diesen Hinweis als mein Wunsch, dass sich diese kleinen Gruppierungen zumindest in unserem Rat weiterhin einer feinen Klinge bedienen. An der Ratsleitung wird es nicht fehlen, dazu einen Beitrag zu leisten.

Liebe Kolleginnen und Kollegen

Ich freue mich mit meiner Familie darauf, dieses Amt ein Jahr lang ausüben zu dürfen. Es ist dies auch für meine Wohngemeinde und meine Bürgergemeinde eine grosse Ehre. Vor allem ist es auch eine Ehre für den Kanton Graubünden und selbstverständlich für die romanische Sprache.

Auch wenn, – meine Mutter spricht romanisch, meine Frau spricht romanisch, zu Hause sprechen wir romanisch – Juristen des Bundes mir das Prädikat „Muttersprache romanisch“ abgesprochen haben. So wird in Verordnungen des Bundes festgehalten, dass die Muttersprache nicht die Sprache der Mutter, sondern die Unterrichtssprache der Schule sei!

Ich hoffe, wir werden in den kommenden Jahren die Gesetzgebung mit sinnvolleren Formulierungen bereichern. Vorläufig muss ich mich an die Gesetze halten, und fahre deshalb in einer Fremdsprache und nicht in der Muttersprache fort:

Stimadas Damas, stimats signurs


(romanischer Abschnitt)


Es ist das erst und wahrscheinlich auch das letzte mal, dass jemand, der in Vnà geboren wurde, die hohe Ehre zukommt, Präsident des Ständerates zu sein. Ich danke allen, die zu dieser Wahl beigetragen haben. Vor allem meiner Frau, meinen drei Söhnen und Enkel, die verantwortlich dafür sind, dass ich trotz Politik immer gutgelaunt bin.

Liebe Kolleginnen und Kollegen

Gestatten Sie mir, dass ich bei diesem Anlass zwei Punkte, die mir am Herzen liegen hervorheben:

Zum ersten Punkt:

Viele Bürgerinnen und Bürger haben im letzten Wahlkampf Politik als Theater empfunden, nicht als erstzunehmendes Bemühen, die Probleme unseres Landes zu lösen. Es ist an uns hier im Ständerat politische Kultur vorzuleben und wieder Vertrauen in der Bevölkerung zu schaffen. Vertrauen durch konstruktive und kollegiale Zusammenarbeit über alle Partei-, Sprach- und Kantonsgrenzen hinweg.

Vor allem an die neuen Ratsmitglieder appelliere ich, dazu beizutragen, das der Ständerat das bleibt, was er immer war: eine Festung unserer Demokratie.

Wenn ich sage „das bleibt, was er immer war“ so sage ich das nicht einfach dahin.
Vielmehr möchte ich daran erinnern, dass die bewusste Pflege der erwähnten Werte in diesem Rat zum Wohl unseres Landes immer hochgehalten wurden. Stellvertretend zitiere ich eine kurze Passage aus der Ansprache des Waadtländers Norbert Bosset, der in meinem Geburtsjahr den Ständerat präsidierte:

Norbert Bosset précise que la „Petite chambre“ doit légiférer „dans le meilleur esprit de civisme éclairé, dans le calme, l`absence de discours partisanses ou passionnès. Une grande hauteur de vue et une parfaite collégialité qui n `excluent cependant pas de temps en temps l`affirmation énergique de points de vue différents. Et si le Conseil des Etats jouit de la consideration du pays tout entier, il doit `à sa methode de travail, à ce sérieux dans les discussions et à l àssiduité aux séances.

Zum zweiten Punkt:

Es ist uns an verantwortlicher Stelle aufgetragen, dafür zu sorgen, dass die Schweiz
in ihrer ganzen Vielfalt und Faszination erhalten und weiterentwickelt wird. Diese Vielfalt
ist es, welches entscheidend die hohe Lebensqualität unseres Landes prägt. Sie äussert sich in einer faszinierenden Landschaft mit Seenlandschaften, Berggebieten: Wälder, weite Felder. In der Vielfalt unserer Siedlungen, vom Engadinerdorf über die Walsersiedlungen und den urbanen Gebieten, in einer vielfältigen Architektur, der man gerne noch etwas mehr Freiräume gönnen möchte, dann sodann in eine unerhörte kulturelle und sprachliche Vielfalt. Es liesse sich hier vie anderes mehr anführen.

Diese Werte können nur entwickeln in einer föderalistischen Struktur. Die föderalistische Struktur unseres Landes ist der Garant gegen monotone Gleichmacherei! Um Vielfalt gewährleisten zu können, bedarf es auch des Respekts gegenüber Minderheiten, gegenüber Andersdenkenden und die Gewährleistung grösstmöglicher Freiheiten.

Dabei ist klar: um diese Werte weiter zu entwickeln und zu stärken brauchen wir als Basis eine starke Wirtschaft. Eine starke Wirtschaft, die Wohlstand generiert, Arbeitsplätze  und soziale Sicherheit schafft.

Liebe Kollegen und Kolleginnen,

Bevor ich zum Schluss komme möchte ich meinem Vorgänger, Ständerat Peter Bieri
Für die gute Art, wie er den Ständerat im abgelaufenen Jahr präsidiert hat, ganz herzlich danken. Nicht nur seine Ratsführung war exzellent, sein stets freundschaftliches Auftreten und die Pflege eines guten Umgangs mit allen Ratsmitgliedern waren vorbildlich. Lieber Peter, ich danke Dir dafür ganz herzlich.

Care college e collegi

Desidero infine ringraziarvi in italiano, ovvero nella terza lingua dei Grigioni, per la fiducia e l'amicizia dimostratemi. Mi auguro che durante il mio mandato cresca la consapevolezza che nel nostro Paese si parlano, oltre al francese e al tedesco, anche il romancio e l'italiano. Sono infatti proprio queste le lingue che fanno del nostro Paese una realtà tanto singolare.

Wenn Sie alle bis Ende Jahr nur noch italienisch und romanisch sprechen, habe ich mehr erreicht, als ich zu hoffen wagte!

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!