<p>Bern (sda) Mariangela Wallimann-Bornatico soll Generalsekretärin der Bundesversammlung werden. Die Koordinationskonferenz (KoKo) hat die 52-jährige heutige GPK-Sekretärin am Freitag in dieses Amt gewählt. Das Parlament muss die Wahl noch bestätigen. </p>

Gibt die Bundesversammlung am 8. März erwartungsgemäss ihr Plazet, bleibt die Leitung der Parlamentsdienste in Frauenhand. Die der CVP nahe stehende Italienischbündnerin Wallimann tritt am 15. März die Nachfolge der Freisinnigen Annemarie Huber-Hotz an, die seit Anfang dieses Jahres als Bundeskanzlerin wirkt.

Um das mit rund 230 000 Franken dotierte Amt hatten sich 77 Personen beworben. Die wohl besten Chancen waren Ständeratssekretär Christoph Lanz (SP) eingeräumt worden. Neben Wallimann und Lanz wurden auch der frühere Ogi-Berater Thomas Harnischberg (SVP) und der jurassische Staatsschreiber Sigismond Jacquod (CVP) zur letzten Anhörung aufgeboten.

Hochkarätige Auswahl

"Wir hatten die Wahl unter Gleichwertigen", sagte Ständeratspräsident Carlo Schmid im Namen der 19-köpfigen Koordinationskonferenz, die sich aus den Mitgliedern der beiden Ratsbüros zusammensetzt. Stimmenzahlen wollten vor den Medien weder er noch Nationalratspräsident Hanspeter Seiler bekannt geben.

Als erfreulich bezeichnete es Seiler, dass mit der Puschlaverin Wallimann bei der Besetzung einer hohen Stabsstelle wieder einmal die italienische Schweiz zum Zuge komme. In der Diskussion vor der Wahl sei dies aber ebenso wenig ein Argument gewesen wie das Geschlecht.

Sie kennt den Betrieb

Erwartungsgemäss hat eine Insiderin des eidgenössischen Parlamentsbetriebs das Rennen gemacht. Als langjährige Mitarbeiterin der Parlamentsdienste erfüllt Wallimann zweifellos das Profil des Stelleninserats, in dem "Kenntnisse der politischen Abläufe, organisatorische Fähigkeiten und Gewandtheit im Umgang mit Behörden" verlangt wurden.

Wallimann ist seit 1994 Sekretärin der Geschäftsprüfungskommissionen (GPK) der Räte. Ein erstes Mal stand sie von 1977 bis 1987 im Dienst des Generalsekretariats. Anschliessend war sie drei Jahre persönliche Mitarbeiterin von Bundesrat Flavio Cotti und von 1992 bis 1994 stellvertretende Pressechefin der SRG.

Herrin über 200 Mitarbeitende

Als Chefin der Parlamentsdienste, welche die Räte und ihre Kommissionen fachlich und administrativ unterstützen, übernimmt Wallimann rund 200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Seit der letzten Reorganisation vor zehn Jahren hat sich der Personalbestand auf 131 Etatstellen verdoppelt. Vor zwanzig Jahren hatten rund 50 Stellen noch genügt.

Wallimann ist die erste Generalsekretärin der Bundesversammlung, die nicht mehr der Bundesrat, sondern das Parlament wählt. Geändert wurde die Zuständigkeit mit der neuen Bundesverfassung. Nach einigem Hin und Her entschieden sich die Räte dafür, dass die Koordinationskonferenz die Wahl trifft und die Bundesversammlung sie bestätigen muss.

sda/ats 18.02.2000