Wie der NAD-Präsident, der Bündner SP-Nationalrat Andrea Hämmerle, am Donnerstag vor den Medien erklärte, entfallen 500 Millionen der Mehrkosten auf den Gotthard und 200 Millionen auf den Lötschberg. Die NAD werde am 19. Februar an einer Sondersitzung das weitere Vorgehen besprechen.
Kein Landesunglück
Die Kostenüberschreitung sei zwar gravierend, aber "kein Landesunglück", sagte Hämmerle. Die Probleme am Gotthard seien mit der Geologie in Faido und Bodio, aber auch mit der Linienführung im Kanton Uri (Bergvariante lang) begründet. Für die Mehrkosten am Lötschberg seien Nachforderungen von Baufirmen und die Bahntechnik ausschlaggebend.
Der Lötschberg stehe am Ende der Bauzeit, sagte Hämmerle. Der Gotthard-Tunnel sei zu 25 Prozent ausgebrochen. Der Lötschberg könne 2007 eröffnet werden, der Gotthard voraussichtlich 2014.
Volk und Stände hatten am 29. November 1998 für die Eisenbahn-Basistunnels 13,6 Milliarden Franken bewilligt. Heute werden die Gesamtkosten auf 15,5 Milliarden veranschlagt.
Verzichtsplanung angesagt
Der Ständerat hat die NEAT-Reserven bereits um 900 Millionen aufgestockt und gesperrte Mittel von 2,24 Milliarden Franken freigeben. Der Nationalrat wird darüber in der Märzsession befinden.
Laut Hämmerle ist eine Verzichtsplanung durchaus angesagt. Noch seien der Ceneri-, der Hirzel- und der Zimmerbergtunnel nicht realisiert.
UVEK befremdet
Das Eidgenössische Verkehrsdepartement (UVEK) ist befremdet über die von den Baumfirmen angemeldeten voraussichtlichen Mehrkosten der NEAT. Die Forderungen seien inhaltlich wie auch vorgehensmässig überraschend. Es müsse umgehend und lückenlos untersucht werden, weshalb über die Kostenüberschreitungen nicht vorher informiert worden sei.
Es sei zu klären, warum die Tunnelbauer ihre bisherigen Prognosen so überraschend nach oben korrigiert hätten. Ebenso müsse geprüft werden, weshalb die Verwaltungsräte der Baugesellschaften die offenbar zu erwartenden Mehrkosten dem Bundesamt für Verkehr (BAV) nicht gemeldet hätten.
Das UVEK erwarte, dass die Gründe für die geltend gemachten Mehrkosten im Detail erklärt würden, schreibt das UVEK. Ebenso sei umgehend zu prüfen, ob das Controlling, das eine frühzeitige Erkennung der finanziellen Entwickung der NEAT ermöglichen sollte, funktioniere.