Vom 7. bis 9. Februar 2022 reiste Nationalratspräsidentin Irène Kälin das westafrikanische Land, dessen 24 Millionen Einwohnerinnen und Einwohner 2021 den ersten demokratischen Machtwechsel der nigrischen Geschichte erlebten. Zur Schweizer Delegation gehörten auch Bundespräsident Ignazio Cassis und IKRK-Präsident Peter Maurer.

Die Länder in der Sahelregion, ein Schwerpunkt der Subsahara-Afrika Strategie der Schweiz, sind mit grossen Herausforderungen konfrontiert. In den Grenzregionen nimmt der gewaltsame Extremismus zu und verschlechtert auch in Niger die Sicherheitslage. Das verschärft die humanitäre Krise - rund 3,7 Millionen Nigrerinnen und Nigrer sind auf humanitäre Hilfe angewiesen - und verstärkt die Armut. Der jungen Bevölkerung fehlt es an Arbeits- und Bildungsmöglichkeiten. Niger ist nicht nur eines der schutzbedürftigsten Länder der Welt1, sondern auch das wichtigste Transitland für Migrationsströme von Westafrika nach Europa.

Humanitäre Hilfe, Bildung und Migration waren denn auch zentrale Themen der Reise der Schweizer Delegation nach Niger.

  • In der Stadt Maradi besuchte die Delegation ein Projekt der DEZA, das die schulische Reintegration von lokalen Kindern wie auch nigerianischen Flüchtlingskindern ermöglicht und Berufsbildung anbietet.

  • In einem Zentrum für physische Rehabilitation in Agadez traf die Schweizer Delegation Menschen mit Behinderungen, die in fragilen Kontexten besonders auf Schutz und Unterstützung angewiesen sind. Das Zentrum des IKRK bietet ihnen technische Hilfsmittel wie Rollstühle und hilft ihnen, sich in der Gesellschaft und im Berufsleben zu integrieren. Gemäss der Aussenpolitischen Strategie 2020-2023 nutzt die Schweiz die Partnerschaft mit dem IKRK, um notleidende Menschen zu schützen und die Einhaltung des humanitären Völkerrechts zu gewährleisten. Mit seiner hochrangigen Delegation unterstrich Bundespräsident Cassis die humanitäre Tradition der Schweiz auf dem ganzen Kontinent.

  • Ebenfalls auf dem Programm stand der Besuch eines von der Internationalen Organisation für Migration (IOM) geführten Migrationszentrums. Das vom SEM unterstützte Zentrum bietet gestrandeten Migrantinnen und Migranten Unterstützung und hilft bei der freiwilligen Rückkehr. 2016-2021 wurden über 76'000 Personen betreut. Ein Ziel der Schweizer Migrationspolitik ist es, den Menschen vor Ort zu helfen und Perspektiven zu schaffen, auch um den Druck zu irregulärer Migration zu senken.

In der Hauptstadt Niamey traf die Schweizer Delegation den nigrischen Präsidenten Mohamed Bazoum, Premierminister Ouhoumoudou Mahamadou, Aussenminister Hassoumi Massoudou sowie weitere Regierungsvertreter. Dabei standen die bilateralen Beziehungen zwischen der Schweiz und Niger, die internationale Zusammenarbeit, regionale Fragen, der Klimawandel und das Engagement des IKRK im Zentrum.

Zudem traf sich Nationalratspräsidentin Irène Kälin mit Kalla Ankourao, den Vizepräsidenten der nigrischen Nationalversammlung. Im Rahmen des Gesprächs wurden Fragen der Demokratisierung, der Gouvernanz sowie der Repräsentanz der Frauen und der ethnischen Minderheiten in der Politik (bestehendes Quotensystem in Niger) thematisiert.

1Human Development Report 2020: http://hdr.undp.org/en/2020-report