Vor einem der Kommissionszimmer im Hochparterre
Die Türgewände des Sitzungszimmers sind aus braungrauem Ragazer Marmor, auch Kalkstein von Ragaz genannt. Kalksteine gehören wie Sandsteine zur Gruppe der Sedimente: Es sind wassertransportierte, abgelagerte und wiederverfestigte Abtragungsprodukte älterer Gebirge. Häufig enthalten sie Versteinerungen von Lebewesen und somit wichtige Zeugen der Evolution.
Neben rund zwanzig Kalksteinen finden sich in den Bundeshäusern nur drei echte Marmore, nämlich diejenigen von Grindelwald, Saillon und Carrara. Wie in Teil 1 dieser Serie erwähnt, sind echte Marmore entweder weiss oder nur schwach getönt. Der Kalkstein von Ragaz ist also nur dem Namen nach ein Marmor. In poliertem Zustand ist er fast schwarz. Er weist zahlreiche zwei bis drei Zentimeter grosse rundliche Knollen auf, sogenannte Kalkalgen, sowie kleine Versteinerungen von Nummuliten – Wurzelfüssern im Eozän mit Kalkgehäuse – und ist von weissen Adern durchzogen.
Herkunft: Steinbrüche südöstlich von Ragaz (SG), am Fuss des Hanges gegen Pfäfers (in
Blau auf der Karte).
Direkt vor der Tür
Geometrische Spiele
Der Boden bildet eine Komposition aus verschiedenen Gesteinsarten, zu denen Carrara-Marmor gehört, einklassischer, fast weisser Typ aus Italien.
Für die rechteckigen Elemente wurde Kalkstein von Arvel verwendet. Diese Gesteinsart ist seit dem frühen 16. Jahrhundert bekannt, der Abbau erfolgte aber erst ab 1800 in grösseren Mengen. Die Gewinnung von Dekorationsstein wurde vor Jahrzehnten eingestellt und durch die Schotterproduktion ersetzt. Die Anwendungen im Parlamentsgebäude sind die grosszügigsten ausserhalb der Westschweiz.
Herkunft: Steinbrüche am Mont d’Arvel oberhalb von Villeneuve (VD) (in Grün auf der Karte).
Die kleinen quadratischen Elemente sind aus Kalkstein von Collombey gefertigt – auch Marbre de Collombey oder Rouge du Rhone genannt –, einem dunkelroten bis violetten Gestein, das in dünnen Zwischenlagen eine grünliche Färbung aufweist.
Herkunft: Steinbrüche in der Umgebung von Collombey (VS) (in Rot auf der Karte). Ein ähnliches Material, das unter dem gleichen Namen gehandelt wird, kommt in beschränktem Umfang aus dem Steinbruch Sous Vents bei Bex (VD).
Für die schwarze Umrahmung kam Kalkstein von Ecaussinnes, südlich von Brüssel, zur Anwendung. Umgangssprachlich nennt man dieses Gestein auch Belgischen Granit, obwohl es mit einem Granit nichts gemein hat. Es ist weiten Teilen der Schweizer Bevölkerung vertraut, da es sich als Belag von Schaltertischen in vielen Poststellen findet.
Der Boden: eine Komposition aus verschiedenen Gesteinsarten
Quelle: Toni P. Labhart, Steinführer Bundeshaus Bern, Schweizerische Kunstführer GSK, BBL. Nur auf Deutsch.