Es gilt das gesprochene Wort!

 

Herr Bundesrat
Herr Landtagspräsident des Fürstentums Lichtenstein
Herr Kantonsratspräsident
Herr Regierungspräsident
Herr Stadtpräsident
Parlaments- und Regierungsvertreter von Bund Kanton und Gemeinden
Geschätzte Mitbürgerinnen und Mitbürger
Liebe Kolleginnen und Kollegen

Wenn ich in die Runde schaue und diese grosse Menschenmenge sehe, dann spüre ich eine grosse Freude und eine tiefe Dankbarkeit. Ich bin in erster Linie dankbar vis a vis all jener, die den heutigen Anlass organisiert und finanziert haben. Und ich bin natürlich dankbar für den herzlichen Empfang, den Sie, liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger hier auf dem Europaplatz der ganzen Delegation des Eidgenössischen Parlamentes und mir bereiten.

Wenn man in der Geschichte der Eidgenossenschaft und des Kantons Luzern ein paar Jahrhunderte zurückschaut, war es ja nicht immer so, dass die Entlebucher in der Stadt Luzern mit solch offenen Armen Einlass gefunden haben, wie wir das heute erleben dürfen.

Und gerade weil sich dieses Verhältnis dermassen zum Guten gewandelt hat, darf man an einem solchen Tag durchaus auch darauf zurückblicken.
Es war 1478, kurz nach dem Burgunderkrieg, als die Entlebucher in ihrer Unzufriedenheit mit der Luzerner Obrigkeit durch die Obwaldner noch angestachelt wurden. Dieses erhoffte sich einen Anschluss des Entlebuchs und damit eine Ausdehnung seiner Gemarken. Im Entlebuch hatten sie einen Verbündeten mit Namen Peter Amstalden. Dieser plante einen handstreichartigen Überfall anlässlich der Herbstmesse in Luzern. Das Ansinnen misslang, Amstalden wurde verurteilt und hingerichtet.

Im Gegenzug bewilligte die Stadt Luzern den Entlebuchern, eine grosse „Harnischschau“ in der Stadt durchzuführen. So wie ich die Entlebucher kenne, wären sie dazu auch heute noch jederzeit in der Lage. Die Luzerner Stadtregierung wandte also schon damals das System von Peitsche und Zuckerbrot an. Auch in anderen Teilen der damaligen alten Eidgenossenschaft gab es Streitigkeiten zwischen Stadt und Land. Im Stanser Verkommnis haben die acht alten Orte ihre innere Zwietracht dann beigelegt. Es wurden die Grundlagen geschaffen für die Ausdehnung der Alten Eidgenossenschaft auf die 13 Orte.

Heute sind die Verhältnisse in der Schweiz zwischen den städtischen und ländlichen Regionen allgemein viel entspannter und ausgeglichener. Jenes der Stadt Luzern zum Entlebuch und umgekehrt sogar ein sehr freundschaftliches. Man hilft einander aus, mit dem was man hat. Die Stadt hilft monetär, das Entlebuch biosphär. Und manchmal sogar personell; der Vorgänger des heutigen Stadtpräsidenten war ein waschechter Entlebucher, ein Escholzmatter.

Wir geniessen heute Gastrecht in der Stadt Luzern. Der Gastgeber ist in erster Linie der Kanton. Jener Kanton also, der 1332 als erster Stadtstand dem Bund der alten Eidgenossen beigetreten ist. Jener Kanton also, der nicht nur im Herzen der Schweiz sich befindet; es ist jener Kanton, der in heftig umstrittenen eidg. Abstimmungen, immer dann, wenn es knapp wird, mit ausschlaggebend ist für das Ständemehr. Das spricht für das politische Bewusstsein und für die gesellschaftlich und kulturell ausgewogene Durchmischung dieses Kantons.
Im Parlament dieses schönen Kantons habe ich das politische Handwerk gelernt.  Einer meiner Weggefährten damals – und auch heute noch – ist der amtierende Regierungspräsident – schade dass man ihn nicht mehr Schultheiss nennt – Guido Graf.

Ihnen, sehr geehrter Herr Schultheiss, Entschuldigung: Herr Regierungspräsident, und ihnen Herr Stadtpräsident danke ich für den herzlichen Empfang und die freundlichen Worte. In diesen Dank einschliessen darf ich die grosse Arbeit des OK unter der Leitung von Staatsschreiber Lukas Gresch und Stadtschreiber Toni Göpfert.
Alle, die dazu beigetragen haben, sind in diesem grossen Dank eingeschlossen, insbesondere meine Schreinerkollegen mit dem hohen Sessel, die Feldmusik Luzern und die Trychlergruppe Romoos.

So freue ich mich nun auf das Präsidialjahr. Meine Agenda wird mit Auftritten langsam bunt gefüllt. Ich bin sicher, dass die Stadt Luzern  im nächsten Jahr mehr als einmal meine temporäre Aufenthaltsort sein wird.