Es gilt das gesprochene Wort

 

„Wirtschaft beginnt zu Hause“, -dabei handelt es sich eigentlich um eine alte, wenn auch aus der Mode gekommene Erkenntnis.

Hauswirtschaft bezeichnet nämlich die bis ins 19. Jahrhundert hinein dominierende Wirtschaftsform. Sie bezieht sich auf das Haus in seiner Gesamtheit als Arbeits- und Wohnort.

Heute ist aber meist Wohn und Arbeitsort getrennt, das führt bekanntlich dazu, dass sich Eltern, die nicht in einem Gewerbehaushalt mit dem Geschäft im Wohnhaus oder einem Bauernhof leben nach wie vor  grosse Herausforderungen gestellt sehen, wenn sie Familie und Arbeit ausser Hause unter einen Hut bringen wollen.  

Daran ändert auch das Eherecht von 1988 nicht viel, das vorsieht, dass Eheleute die Aufgabenteilung in der Ehe selbständig bestimmen und  dass beide Ehepartner zum wirtschaftlichen Fortkommen der ehelichen Gemeinschaft beizutragen haben. In Honorierung der Hausarbeit hat der Gesetzgeber den Güterstand der Errungenschaftsbeteiligung vorgesehen. Sie stellt sicher, dass beim Erbgang oder bei einer Scheidung wirtschaftliche Nachteile für den nicht- oder nur eingeschränkt erwerbstätigen Partner ausgeglichen werden.

Ich kann aus eigenem Erleben, ohne rot zu werden feststellen: Wer einen Haushalt und Kinder managed wir auch den Überblick im

Berufsleben nicht so schnell verlieren. Interessanterweise braucht man aber für die Haushaltführung keine Lehre, geschweige denn ein MBA-Diplom. Für die Ausbildung zu Hause braucht es aber auch keine systematische Ausbildung mehr. Man geht davon aus, das Führen eines Haushalts lasse sich ganz von allein beherrschen. Kochen, ein zerbrochenes Glas wegräumen, gleichzeitig Tränen trocknen, Anrufe beantworten und Aufgaben kontrollieren, ist wahres Multitasking. Man ist in einer Familie oft gleichzeitig Krisenmanager, Mediator als auch Schwerarbeiterin. Alles Fertigkeiten, die in einem  Betrieb hoch geschätzt und gut bezahlt sind.

Die Berufstätigkeit beider Elternteile ist heute in vielen Familien bis weit in den Mittelstand hinein eine wirtschaftliche Notwendigkeit. Für die Volkswirtschaft bedeutsam ist, dass die sehr gut ausgebildeten Frauen ihre erlernten Beruf auch ausüben. 

Trotzdem ist Teilzeitarbeit mehrheitlich noch weiblich. Männer, die Teilzeit arbeiten, sind klar in der Minderzahl. Das hat seinen Grund. Karriere und Teilzeiterwerbstätigkeit, teilweise auch unser Steuersystem,  stehen dem entgegen. Es hängt demzufolge nicht nur mit den Angeboten der Unternehmungen zusammen.

Auch hier gilt, wie so oft: Am Anfang ist Erziehung. Wer von klein auf gewöhnt ist, dass er sich um seine eigenen Dinge kümmern muss, wird es als selbstverständlicher ansehen, dies auch im eigenen Haushalt zu tun. Klappt es nicht oder nicht zufriedenstellend, braucht es manchmal Nerven, das Chaos auszuhalten, bis jeder anpackt, um es zu beseitigen und künftig seinen Teil klaglos zu erfüllen.

Man darf heute auch feststellen, dass sich bereits zahlreiche Unternehmen bemühen, einen aktiven Beitrag zur Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu leisten. Das macht ja auch der heutige Anlass deutlich. Zum gesetzlichen Mutterschaftsurlaub  werden zahlreiche, grosszügige Ergänzungen in Form zusätzlicher Leistungen, unbezahltem Urlaub und einer Sicherung des einstigen Arbeitsplatzes gewährt. Das gilt indessen eindeutig für gut ausgebildete Frauen. Die Unternehmen wollen mit gutem Grund auf diese qualifizierten Arbeitskräfte, in welche auch in Form von Weiterbildungen investiert worden ist und wird, nicht verzichten. Grossunternehmen stellen eigene Krippenplätze zur Verfügung oder haben in privaten Krippen „Plätze gekauft“. Es gibt Unternehmen, welche auch Männern eine Reduktion der Arbeitszeit zugestehen zum Teil schon seit 30 Jahren – mit mässigem Erfolg. Die Möglichkeit wird von weniger als 10% der Männer genutzt. Zudem begnügen sie sich meist mit Reduktionen von 10 bis 20%, während wir bei Frauen von Beschäftigungsgraden von 40 bis 60% ausgehen müssen. Klar ist, dass es für Männer nach wie vor nicht einfach, wenn sie z. Bsp. Um 1745 Uhr aus einer Sitzung rennen mit der Entschuldigung, sie müssten ihre Kleinkinder aus der Krippe abholen. Dieses Privileg wird einer Frau auch heute noch viel einfacher zugestanden, als einem Mann.  

Zudem ist es Tatsache, dass vor allem in Klein- und Mittelbetrieben, nicht dieselben Möglichkeiten anbieten können, wie Grossunternehmen. Stellvertretungen sind nicht so einfach zu organisieren und gehen oft zu sehr ins Geld, auch wenn guter Wille absolut vorhanden ist.

 

Mehr Sorgen als die Unternehmen machen mir persönlich aber die in Teilen der Politik um sich greifende Vorstellung, Frauen gehören zurück in die Familien und an den Herd. Dies mit dem abstrusen Argument, die Kinder würden in den Krippen dem Staat ausgesetzt. Dies auch im Wissen darum, dass sich „Marktfähigkeit“ eben nicht  mit  einer mehrjährigen vollständigen Absenz erhalten lässt. Das ist eine Illusion. Ob die sehr positiven Anzeichen für eine gemeinsame und gleichermassen verteilte Belastung mit Erwerbs- und Nichterwerbsarbeit im Haushalt mehrheitsfähig werden, rsp. bleiben muss heute offen bleiben.

Es braucht entsprechend nach wie vor Überzeugungsarbeit an allen Fronten, damit auf längere Sicht nicht nur eher privilegierte und gut verdienenden Paaren möglich sein wird, ein einigermassen paritätisches Leben zu führen.