Es gilt das gesprochene Wort!
Herr Generalsekretär (Ban Ki-Moon)
Ich bedanke mich herzlich für Ihre warmen/freundlichen/ Worte. Es ist sehr erfreulich, dass die Arbeit der Schweiz innerhalb der Weltgemeinschaft wirkungsvoll ist und geschätzt wird…Unser Land teilt (viele) die Ziele und Werte der UNO. Die Mehrheit hier im Parlament/das Parlament zieht am gleichen Strick und Sie können sich seiner Unterstützung sicher sein.
Frau Bundespräsidentin (Widmer-Schlumpf)
Herr Bundesrat (Burkhalter)
Geschätzte Kolleginnen und Kollegen
Seit 10 Jahren weht die Schweizer Flagge mit den 192 anderen vor dem UN-Hauptsitz in New York. Aus der selbstgewählten Aussenseiterrolle wurde unser Land am 10. September 2002 vollwertiges Mitglied der Vereinten Nationen. Gross war die Euphorie für den UNO-Beitritt damals nicht, die Abstimmung im vorangegangenen Frühling blieb bis zuletzt eine Zitterpartie. Fast wäre er am Ständemehr gescheitert. Rückblickend kann man von einem Vernunftentscheid sprechen, nach dem Motto: es ist besser mittendrin zu sein statt nur dabei.
Heute, ein Jahrzehnt später, wird die Mitgliedschaft bei den Vereinten Nationen in der Schweiz kaum mehr in Frage gestellt. Der Kreis der Skeptiker ist kleiner geworden. Gemäss der vor wenigen Monaten publizierten Studie „Sicherheit 2012“ der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich (ETH)1) sind 68 Prozent der Befragten der Ansicht, die Schweiz müsse sich aktiv und an vorderster Front für die Anliegen der UNO einsetzen. Das ist der höchste, seit dem Beitritt gemessene Wert. Fast ebenso viele (65 %) möchten, dass die Schweiz einen Sitz im Sicherheitsrat anstrebt. 2003 lag dieser Wert noch bei 55 Prozent.
Aus diesen Resultaten lässt sich schliessen, dass die Schweiz ihre Rolle auf dem internationalen Parkett gefunden hat. Befürchtungen, wonach das kleine Land von den Großen in der Weltgemeinschaft erdrückt werden würde, sind verflogen. Die Schweiz hat eine Stimme. Und diese wird ganz offensichtlich auch erhört. Und um diese muss in der Generalversammlung gleichermassen geworben werden, wie um die Stimme einer Grossmacht. Ja, bisweilen ist es sogar von Vorteil, klein zu sein. Man steht weit weniger unter Verdacht, eine eigene politische Agenda zu verfolgen, das schafft Vertrauen. Die Schweiz hat, so meine ich, geschafft was ihr andere kleinere UNO-Mitglieder prophezeiten: Sie ist durch Integrität, vielseitigem Engagement und guten Vorschlägen zu einem „honest broker“ (ehrlichen Vermittler, Makler) geworden.
Ihr Vorgänger, geschätzter Generalsekretär, sagte vor der Schweizer Beitrittsabstimmung: „Es gibt viele kleine Staaten, die in einer höheren Gewichtsklasse boxen und genauso viel Erfolg haben wie grössere Länder. Ich glaube, das die Schweiz mit ihren Traditionen viel zu bieten hat.“2) Nun, eine Mehrheit der Stimmberechtigten scheint über die vergangenen zehn Jahre ebendiesen Eindruck vom UNO-Mitglied Schweiz gewonnen zu haben. Als mehrsprachiges Land, kulturell und gesellschaftlich vielseitiges Land kann es seine Erfahrungen in die Weltgemeinschaft tragen.
Die Resultate der ETH-Studie lassen sich zudem als Vertrauensbeweis in die UNO interpretieren: Schweizerinnen und Schweizer glauben an die UNO – nicht blind oder blauäugig. Sie sehen die vielen Erfolge, registrieren aber auch die Misserfolge. Trotz Unzulänglichkeiten bleibt sie die einzige Organisation, die die Welt besser machen kann. Dass die Schweiz als stabiles, wohlhabendes Land, dabei mithelfen muss, Verantwortung zu tragen und sich beherzt für Frieden, Sicherheit und Menschenrechte einzusetzen, sollte deshalb eine Selbstverständlichkeit sein.
Die Beziehung der Schweiz zu den Vereinten Nationen ist vielleicht nicht unbedingt eine leidenschaftliche, emotionale, sondern eher eine nüchterne. Ich halte dies für eine sehr gute/ideale Grundlage für die Zusammenarbeit. Denn sie ist verlässlich und berechenbar.
Herr Generalsekretär, ich bedanke mich nochmals ganz herzlich für Ihren Besuch bei uns in der Bundesversammlung. Wir wissen Ihre Anwesenheit ausserordentlich zu schätzen. Für Ihre anspruchsvolle, herausfordernde Arbeit wünschen wir Ihnen alles Gute, viel Erfolg und Durchhaltevermögen. Sie können auf die Schweiz zählen!
1) „Sicherheit 2012“ Militärakademie an der ETH Zürich und das Center for Security Studies ETH Zürich.
2) Kofi Annan im Interview mit der Berner Zeitung, Januar 2002.