Es gilt das gesprochene Wort

 

Chère Doris,
Chère Famille,
Mesdames et Messieurs,

 
Ernst Leuenberger ist nicht mehr unter uns: Nach langer Krankheit ist er am 30. Juni gestorben. Im Namen der Bundesversammlung möchte ich seiner Familie und seinen Freunden mein tiefstes Beileid aussprechen.

Der Kanton Solothurn und die Schweiz verlieren mit Ernst Leuenberger einen ihrer profiliertesten und herausragendsten Politiker und das eidgenössische Parlament einen wunderbaren Kollegen. Er riss uns mit seiner Freude am Politisieren mit.

Unumwunden direkt sagte er, was es zu sagen gab. Und das nicht selten mit viel Witz und tiefsinnigem Humor, jedoch immer differenziert und auf den Punkt gebracht. Sein Stil hat ihm in der ganzen Schweiz grosse Popularität und Rückhalt eingebracht.

Nicht nur in seinem Heimatkanton, sondern in der ganzen Schweiz.
Er suchte die Nähe zur Bevölkerung. Dort höre er, was los ist und wo der Schuh drücke, pflegte er zu sagen. Er war ein Politiker mit Herz und Seele, ein „Animal politique“ im besten Sinn, ein Mensch mit der Idee, etwas zu bewegen. Der Wille, mitzuwirken und zu gestalten hat er auch während seiner schweren Krankheit nie verloren. „Aschi“ wird uns allen fehlen.

Ein Vierteljahrhundert lang ist Ernst Leuenberger im Bundeshaus ein- und ausgegangen.

Von 1983 bis 1999 vertrat er seinen Heimatkanton im Nationalrat. Im Herbst 1999 schickte ihn das Solothurner Stimmvolk in den Ständerat. Wie bereits in seiner Zeit als Nationalrat profilierte sich Ernst Leuenberger auch in der kleinen Kammer als Vertreter der Arbeitnehmer, Förderer des öffentlichen Verkehrs und Spezialist in Finanzfragen. Er präsidierte die Finanzkommission, die Kommission für Verkehr und Fernmeldewesen und die Finanzdelegation. Er holte sich mit seiner Kompetenz und seinem Engagement über die Parteigrenzen hinweg großen Respekt. Ein kritischer Geist war er, ja, manchmal ein unbequemer, der sich nicht scheute, auf wunde Punkte hinzuweisen. Er war der Sache verpflichtet, aber kompromiss- und konsensbereit.

In einer Reaktion auf Ernst Leuenbergers Tod, die ich auf der Internetseite einer Zeitung fand, schrieb ein Bürger: „Er war der Denker des Machbaren, das heißt er vermochte seinen Idealismus durch einen vernünftigen Realitätssinn in Schranken zu halten.“ Ich glaube, besser kann man seine Art zu Politisieren nicht umschreiben.

Diesen Pragmatismus hat er unter anderem auch im letzten Jahr bewiesen als er als Präsident der Finanzdelegation über die finanzielle Hilfe des Bundes an eine Grossbank mitentscheiden musste. Ein heikler Entscheid. Für ihn wäre ein Nein staatspolitisch und volkswirtschaftlich verantwortungslos gewesen. Mit tausenden von Arbeitsplätzen stand zuviel auf dem Spiel. So trug er diese Entscheidung im Interesse der Schweiz mit, auch wenn sie ihm nicht leicht fiel.

Ernst Leuenberger war Sozialdemokrat und Gewerkschafter durch und durch. Solidarität war für ihn ein wichtiges Wort. Sozialer Ausgleich entspringe der eidgenössischen Devise: "Alle für einen, einer für alle", sagte er.

Einer der Höhepunkte seiner politischen Karriere war seine Wahl zum Nationalratspräsidenten für das Jahr 1998. Es war das erste Mal in der Geschichte, dass der Nationalrat einen aktiven Gewerkschafter zu ihrem Präsidenten kürte. Die Wahl bedeutete ihm viel: Sie bedeutete ihm Anerkennung der Rolle der sozialen Kräfte in der damals wirtschaftlich und sozial schwierigen Zeit.

Zeitlebens hegte Ernst Leuenberger aber auf Grund seiner Vergangenheit ein ambivalentes Verhältnis zum Staat. Einerseits sei der Staat für ihn als Sozialdemokrat zentral und wichtig, andererseits sei er aber auch eine «brutale Macht und Gewalt ausübende Instanz», hielt er im August 2008 in einem Rückblick auf das bewegte Jahr 1968 fest. Sein Engagement gegen den Vietnamkrieg trug ihm einen Ficheneintrag ein. Erfahren hat er davon erst 20 Jahre später.

Bei seinem Wechsel vom National- in den Ständerat versprach Ernst Leuenberger, er werde aus dem „Stöckli“ mit starker Stimme zu hören sein. Das Versprechen hat er bis zuletzt eingehalten. Wir werden Aschi nicht mehr hören und ihm nicht mehr zuhören können. Und das macht uns unendlich traurig.

Chère famille, chers amis, j’ai eu pour ma part le privilège de siéger pendant 6 ans avec Aschi au Conseil des Etats. Je me souviens de son aide bienveillante à mon arrivée, je me souviens aussi que, lorsqu’il semblait se passer quelque chose d’inhabituel au Conseil, c’est toujours vers Aschi et son expérience que nous nous tournions spontanément.

Sa voix s’est éteinte trop tôt et sa forte personnalité nous manque déjà. Mais nous savons maintenant que nous avions affaire à un être d’exception, un homme de parole, un humaniste qui a su placer les autres au centre de ses préoccupations et de son action politiques.

Nous pouvons remercier Aschi pour ce qu’il a su nous donner, ce qu’il a su donner aux siens et à la Suisse toute entière..