Es gilt das gesprochene Wort


Sehr geehrter Herr Präsident der Knesset
Sehr geehrter Herr Präsident der Weltzionisten-Organisation
Sehr geehrter Herr Regierungspräsident von Basel-Stadt
Meine Damen und Herren

Sie sind zahlreich, aus vielen Gegenden der Welt in die Schweiz, nach Basel gekommen. Dafür danke ich Ihnen. Ich danke auch dem Regierungsrat des Kantons Basel-Stadt, welcher zu dieser eindrücklichen Gedenkstunde eingeladen hat.

Es ist ein grosser Augenblick für die Schweiz, zusammen mit Vertreterinnen und Vetretern des Weltzionismus das hundertjährige Jubiläum der Vision von Theodor Herzl erleben zu dürfen.

Mit Freude überbringe ich Ihnen in dieser historisch bedeutsamen Stunde an diesem historisch bedeutsamen Ort die herzlichen Grüsse und Wünsche der schweizerischen Bundesversammlung, der schweizerischen Regierung der ganzen Bevölkerung unseres Landes.

Möge von diesem heutigen Tag ein starker Impuls für die kommenden Jahre ausgehen:

Für die weitere Gestaltung des Staates Israel

Für eine bedingungslose Absage an jede Art von Antisemitismus und - für das Gelingen des Friedensprozesses im Nahen Osten

Sie alle sind gekommen, um Theodor Herzl und seinem Werk Ihren Respekt zu bezeugen.Er berief 1897 den ersten Zionistenkongress in Basel ein, um für die Vision einer Heimstätte, einer Heimat für Jüdinnen und Juden eine Grundlage zu schaffen.

Wir alle wissen, welche Skepsis und welche Hindernisse er zu überwinden hatte. Aber er liess sich von seinem Vorhaben nicht abbringen.

Die erschreckende Erkenntnis eines neu aufkeimenden Antisemitismus, die Verfolgungen der Angehörigen des jüdischen Volkes in Osteuropa trieben ihn an, mit den Grossen seiner Zeit Kontakte zu knüpfen, um seiner Vision Gestalt zu verleihen.

Thedor Herzls Anliegen, die Gründung des Staates Israel, wurde lange nach seinem Tod Wirklichkeit. Furchtbares geschah in dieser Zeit.

Es war die grauenhafte Verfolgung und das unvorstellbare Leid, die Vernichtung von Millionen von Jüdinnen und Juden in Europa, die Shoa, welche der Idee elnes jüdischen Staates international zum Durchbruch verholfen hat.Was Theodor Herzl befürchtet hatte, was er vorausgesehen hatte: Antisemitismus und Verfolgungen, denen er zuvorkommen wollte, wurden Realität.

Es war und ist ein entsetzlicher Preis, der für die Gründung des Staates Israel bezahlt wurde.Sie wissen, dass diese Zeit des Zweiten Weltkrieges und das Verhalten der Schweiz während dieser Zeit die Gefühle meiner Landsleute seit mehreren Monaten wieder in besonderer Weise auwühlt.

Die Menschen erinnern sich daran, dass sie in diesem kleinen, mit der Zeit von den Achsenmächten völlig umzingelten Lande Angst hatten, entsetzliche Angst

Angst vor dem Angreifer aus dem Norden, dessen Handeln von Unberechenbarkeit geprägt war.

Trotzdem gab es auch in diesem Lande Mut, Tapferkeit und Hilfsbereitschaft Angehörigen des jüdischen Volkes gegenüber.

Wir durchleben gegenwärtig eine schmerzliche Zeit der Konfrontation mit der Vergangenheit und wollen Klarheit schaffen über die Beteiligung der Schweiz an den Ereignissen jener Zeit.

Das schweizerische Parlament hat zu diesem Zweck die rechtliche Grundlage für eine unabhängige Historikerkommission geschaffen. Sie hat mit Mitgliedern aus dem In- und Ausland ihre Arbeit schon vor einiger Zeit aufgenommen.Auch die Arbeit im Bereiche der nachrichtenlosen Vermögen kommt voran.Wir wollen begangene Fehler korrigieren, soweit das heute noch möglich ist.Und zudem wollen wir ganz bewusst Zeichen des guten Willens setzen.

1994 wurde in einer Volksabstimmung in der Schweiz eine Antirassismusgesetzgebung gutgeheissen Diese erlaubt uns, gegen Antisemitismus vorzugehen, Antisemitismus zu bekämpfen.

Anlässlich einer Gedenkstunde zum Ende des Zweiten Weltkrieges am 7. Mai 1995 hat sich der damalige Bundespräsident Kaspar Villiger im Namen der Landesregierung entschuldigt:


(Zitat) "im Wissen darum, dass solches Handeln (er meinte damit die Einführung des Judenstempels während des Zweiten Weltkrieges) letztlich unentschuldbar ist". (Zitat Ende)

Das, meine Damen und Herren, ist die Last, die viele, nicht nur in unserem Lande, nur schwer tragen können: das Wissen darum, dass es Handeln gibt, das letztlich unentschuldbar ist.

Lassen Sie uns die Schatten des Zweiten Weltkrieges verlassen, nach dessen Ende Theodor Herzls Werk, die Gründung eines Staates für Jüdinnen und Juden, endlich verwirklicht werden konnte.David Ben Gurion verlas am 14. Mai 1948 unter dem Porträt Theodor Herzls die Unabhängigkeitserklärung, in der es unter anderem heisst:

(Zitat) "Der Staat Israel wird sich auf Freiheit, Gerechtigkeit und Frieden im Sinne der Propheten Israels gründen. Er wird all seinen Bürgern, unabhängig von Religion, Rasse oder Geschlecht, völlige Gleichberechtigung gewähren. Er wird Freiheit in Religion, Erziehung und Kultur gewährleisten." (Ende Zitat)

Von überall her, aus den verschiedensten Kulturkreisen kamen im Verlaufe der Jahre Einwanderinnen und Einwanderer nach Israel und haben im Sinne dieser Unabhängigkeitserklärung einen Staat mit einer echten Demokratie geschaffen.Die schweizerische Bevölkerung hat den Mut und die Tapferkeit der Bürgerinnen und Bürger des Staates lsrael immer bewundert.Sie haben Kriege erlebt, und es folgten Zeiten der Versöhnung und der Hoffnung. Diese wurden mit der unvergesslichen Rede Präsident Sadats vor der Knesset in Jerusalem im Jahre 1977 eingeleitet und fanden ihren Höhepunkt im hoffnungsvollen Abkommen, das 1993 vor dem Weissen Haus in Washington unterzeichnet wurde.

Die Schweiz zollt dem Weitblick und der Besonnenheit der israelischen Staatsführung Anerkennung, die den Versöhnungsprozess mit den Palästinensern anbahnte: Yitzhak Shamir nahm die ersten Verhandlungen auf.

Am 13. September 1993 sagte Yitzhak Rabin zu Yasir Arafat:

(Zitat) "Euch, dem Volk der Palästinenser, möchte ich dieses sagen: Wir sind dazu bestimmt, zusammen auf demselben Gund und Boden zu leben, wir sind Leute wie Ihr, die ein Haus bauen und einen Baum pflanzen möchten, um neben Euch in Würde und Verbundenheit als freie Menschen leben zu können" (Ende Zitat).

1978 haben Anwar el Sadat und Menachem Begin und 1994 Yitzhak Rabin, Schimon Peres und Yasir Arafat für ihre Bemühungen um den Frieden internationale Anerkennung durch die Verleihung des Friedensnobelpreises bekommen.Yitzhak Rabin hat seine Friedensbemühungen mit dem Leben bezahlt. Sein Tod darf nicht vergeblich gewesen sein.Denn der Frieden im Nahen Osten ist heute das Ziel der Sehnsucht von unendlich vielen Menschen, von Frauen, Männern, Jugendlichen und Kindern.

"If you will it" heisst es in dem Liede, das wir heute hörten.

Lassen Sie mich diese beschwörenden, prophetischen Worte auf den Friedensprozess übertragen: Frieden ist möglich, wenn alle ihn wollen.

Die Schweiz fühlt sich dem Staat Israel freundschaftlich verbunden. Im Rahmen unserer Möglichkeiten engagieren wir uns im Friedensprozess. Unsere guten Wünsche gelten allen, die hier versammelt sind, vor allem aber jenen, die in Israel Verantwortung tragen.Wir wissen, dass sie heute und in Zukunft schwierige Entscheidungen in schwierigen Situationen werden fällen müssen.

Trotzdem oder gerade deswegen rufen wir Ihnen zu: Geben Sie dem Frieden eine Chance, immer wieder, immer von neuem!

Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.