Frau Bundesrätin Metzler
Herr Bundesrat Koller
Herr Bundesrat Deiss
Herr Regierender Landammann
Herr Stillstehender Landammann
Liebe Familie und Freunde von Ruth Metzler
Verehrte Damen und Herren
Liebe Gäste
Mit grosser Freude überbringe ich Frau Bundesrätin Metzler die Glückwünsche der Bundesversammlung, die sie am 11. März - an einem an Spannung kaum zu überbietenden Morgen - in unsere Landesregierung gewählt hat.
Am 26. November 1984 sagte der damals zum Nationalratspräsidenten gewählte Arnold Koller:
"Sie haben sich mit Ihrer Wahl erstmals dem Vertreter des bevölkerungsmässig kleinsten Standes anvertraut. Das Selbstbewusstsein der Appenzell-Innerrhoder hat ob dieser 136jährigen Entbehrung zwar nie übermässig Schaden genommen. Dafür ist das eigenwillige Volk am Alpstein seiner unverwechselbaren Eigenart zu sicher und in seiner stolzen Geschichte zu stark verankert. Aber es tut einem kleinen Bundesglied doch gut, gelegentlich zu erfahren, dass die Gleichberechtigung der Eidgenossen nicht nur in der Verfassung steht, sondern auch gelebt wird."
Arnold Koller hatte seine Wahl in den Bundesrat, die zwei Jahre später erfolgte, planmässig vorbereitet. Was er aber vor fünfzehn Jahren nicht ahnen oder planen konnte, war, dass dem Kanton Appenzell Innerrhoden am Vormittag des 11. März 1999 eine noch viel aussergewöhnlichere Ehre zukommen wird. Heute ist dieser kleine Stand erneut in der Landesregierung vertreten. Für Arnold Koller ist Ruth (Metzler)-Arnold in den Bundesrat nachgerückt. Von einer « gelegentlichen » Vertretung kann da kaum mehr die Rede sein.
Als Ruth Metzler am letzten Donnerstag um 9.53 Uhr von ihrer Wahl erfuhr, spielten sich im Nationalratspräsidentenzimmer ungewöhnliche Szenen ab: Lukas Metzler hob seine Frau hoch und drehte mit ihr einen Freudenwalzer. Nur kurze Zeit konnte die Neugewählte ihre Emotionen nicht verbergen. Nach dem ersten Freudenausbruch fasste sie sich, entnahm ihrer Tasche drei Notizzettel mit ihrer Annahme-Erklärung, warf einen Blick drauf, ordnete sie, ging in den Nationalratssaal und schritt zur Rednertribüne, um mit ruhiger und fester Stimme, welche die Räte sichtlich beeindruckte, ihre erste Rede vor der Bundesversammlung zu halten.
Ein deutscher Professor sagte am Ende des 18. Jahrhunderts einmal : « Die anderen Kantone haben die Appenzeller zu ihren Lieblingen erkoren, sintemal für sie das Appenzellerland der Inbegriff für Freiheit, Frieden und Überfluss ist. » Heute müsste es natürlich « Appenzellerinnen » heissen, wollte man der Vorliebe der Ratsmehrheit Rechnung tragen.
Der Engländer William Cox schrieb von den Appenzellern, sie seien mit originellem Humor ausgestattet, bekannt für ihre Schlagfertigkeit und ihren trockenen Witz. Diese Eigenschaften, gepaart mit einer willkommenen Frische, hat Ruth Metzler bei den Anhörungen in den Fraktionen und in ihren zahlreichen Medienauftritten an den Tag gelegt. Aber nicht nur Charme und Spontaneität der neu gewählten Bundesrätin haben ihr zu ihrem Erfolg verholfen. Ihre Fachkompetenz, die Lernfähigkeit und die Entschlossenheit, das vorgenommene Ziel zu erreichen, haben uns überzeugt. Dabei ergab doch ein
Zurückblättern in Personalunterlagen, dass vor wenigen Jahren die Präsentationstechnik von Ruth Metzler als ungenügend eingestuft wurde, dass ihr nahegelegt wurde, pro Jahr 2 - 3 Referate zu halten und ihre Kommunikationstechnik zu verbessern! Ruth - Du hast Dich in kürzester Zeit als äusserst lernfähig erwiesen! 1998 hat sie in einer Selbstbeurteilung auf die Frage nach ihren Stärken folgende Antwort gegeben: « Meine Fähigkeit, Herausforderungen anzunehmen. Nach dem Motto: "Juhui, ein neues Problem" und nicht: "Schon wieder ein Problem" ».
Diese Einstellung ist wohl entscheidend und wir Dir helfen, die anspruchsvolle Aufgabe im Justiz- und Polizeidepartement zu lösen, das Dir Dein Appenzeller Vorgänger Noldi Koller in vorbildlichem Zustand übergibt. Wir danken ihm alle für seinen grossen Einsatz im Dienste unseres Landes.
Für das 2. Quartal war ein Karrieregespräch vorgesehen mit dem Thema: Wie weiter? - Diese Frage ist wohl für einige Zeit beantwortet! - Beurteilt wirst Du nun vom Parlament und von der Öffentlichkeit!
Die zweite Ruth im Bundesrat gemahnt mit ihrem Stil an die Ausdauer einer Leichtathletin. Wer möchte nicht von den Talenten einer Finanzdirektorin profitieren, die es schafft, die kantonalen Steuern zu senken? Und welche Schweizerin würde nicht gerne an die nächste Landsgemeinde eilen, um einem Steuergesetz zuzustimmen, das die Familien entlastet? - Den Sprint hast Du gemeistert - die Langstrecke nimmst Du in Angriff!
Das Parlament hat mit der Wahl einer kaum 35-jährigen Frau in den Bundesrat einen Akzent gesetzt. Dazu haben die Freisinnigen wesentlich mitgeholfen! Numa Droz und Jakob Stämpfli waren bei ihrer Wahl noch etwas jünger. Sie haben unserem Land bestens gedient! Das Durchschnittsalter unserer Regierung wurde mit der neuen Bundesrätin mit einem Schlag um sechs Jahre gesenkt. Wir spüren den frischen Wind, der im 21. Jahrhundert im Bundesrat wehen wird.
Mit Deiner Wahl hast Du Hoffnungen geweckt - bei den Frauen, bei der jüngeren Generation, in der gesamten Bevölkerung. Sie haben Dir gestern in Fribourg in einer beispiellosen Begeisterung zugejubelt - so wie heute auch in Appenzell.
Wir freuen uns darum, heute an der Seite von Ruth und Lukas Metzler und ihrer Angehörigen zu feiern. Dieser Tag erfüllt alle Appenzellerinnen und Appenzeller, zu denen auch ich mich zähle (AR!!), aber auch alle Schweizerinnen und Schweizer, mit Stolz!
Ich möchte es nicht unterlassen, an diesem Tag auch einer anderen Frau zu danken, nämlich Frau Rita Roos. Sie hat ihre knappe Niederlage mit beispielhafter Würde und Fairness getragen. Nie in den 151 Jahren eidgenössischer Geschichte war eine Wahl derart knapp, noch nie gab es Stimmengleichheit - und ich befürchtete bereits, dass ich das Los ziehen müsse.
Wir sind stolz auf Sie, Frau Bundesrätin, und wir wünschen Ihnen viel Glück bei der grossen Aufgabe, die Ihnen das Parlament übertragen hat und die Sie als Mitglied des Regierungskollegiums und Vorsteherin des Eidgenössischen Justiz- und Polizeidepartementes zu erfüllen haben. Wir freuen uns im Parlament auf die Zusammenarbeit!