Sehr geehrter Herr (Delegationsleiter) Michail Umarow,
Sehr geehrte Damen und Herren Senatoren,
Sehr geehrter Herr Botschafter,
Liebe Kollegen,
Meine Damen und Herren

Der Besuch einer Delegation des russischen Föderationsrates beehrt uns ausserordentlich. Wir sind stolz mit dem heutigen Anlass der Pflege zwischen unseren Parlamenten, die beide auf dem Zweikammernsystem beruhen, ein weiteres Kapitel hinzufügen zu dürfen. Im letzten Jahr hatte bereits eine Delegation von National- und Ständeräten, unter der Leitung des damaligen Ständeratspräsidenten Plattner, Ihr Land bereist. Auch sind wir glücklich über Ihr zum Ausdruck gebrachtes Interesse an unseren rechtspolitischen Institutionen.

Freilich liegen in den räumlichen Ausmassen unserer Länder, wie ein Blick auf die Landkarte unschwer zu erkennen lässt, Welten. Der Staatsfläche der Russischen Föderation von 17 075 400 km2 (17 Millionen 75 Tausend und 400 Hundert km2) stehen die vergleichsweise bescheidenen 42 000 km2 der Schweiz gegenüber. Unser Staatswesen und damit auch unser Ständerat umfasst 26 Kantone, die Russische Föderation und damit der Föderationsrat schliesst sage und schreibe 89 Republiken und Gebiete in ihren Grenzen ein.

Ob all diesen unterschiedlichen Grössenverhältnissen soll das Verbindende der beiden Staaten nicht in Vergessenheit geraten. Die Lebenswege grosser Namen der so reichen und wechselvollen Geschichte Russlands haben sich mit der Schweiz gekreuzt:

Etwa Michail Bakunin, der seinen Freund, den Dirigenten und Direktor der Berner Musikschule, Adolf Reichel, oft in Bern besuchte und dessen Sohn Alexander übrigens Universitätsprofessor, hoher Beamter, Bundesrichter und Präsident des Berner und Schweizerischen Juristenvereins war. Bakunin hat unweit von hier, in Bern, auf dem Bremgarten-Friedhof, seine letzte Ruhestätte gefunden. Oder Lenin, der von Zürich aus 1916 in einem versiegelten Zuge ins revolutionär entflammte Russland fuhr und zuvor in den Jahren 1915/16 an den Konferenzen der Internationalisten in Zimmerwald und Kiental teilnahm. Nicht zu vergessen der Maler Alexej von Jawlensky, einer wichtigsten Vertreter der modernen Malerei zu Beginn des 20. Jahrhunderts, der zeitweise im Tessin sowie im reizenden Städtchen St. Prex am Genfersee seiner unvergleichlichen Kunst nachging. Am gleichen Lac Léman, wo kein geringerer als Vladimir Nabokov jahrzehntelang in einer Suite des Montreux-Palace an seinem Jahrhundertwerk schrieb. Und zu guter Letzt sei daran erinnert, dass 1974 die Exiljahre eines anderen russischen Schriftstellers, des Schöpfers des „Archipel Gulag“, ebenfalls in Zürich ihren Anfang nahmen.

All diese grossen Denker, Intellektuellen und Künstler haben nicht nur vom Gastrecht, das ihnen die Schweiz gewährte, Gebrauch gemacht, sie haben auch unser Land mit ihren hochrangigen künstlerischen Werken bereichert und beeinflusst.

Freilich war das russisch-schweizerische Verhältnis in letzter Zeit nicht ganz frei von Spannungen. Ich glaube wir müssen dies der Ehrlichkeit halber auch erwähnen. Die Schweizerische Bundes-versammlung hat die Vorkommnisse im Zusammenhang mit der Flugzeugkatastrophe von Überlingen zutiefst bedauert. Das Parlament hofft, dass die Angehörigen der Opfer wenigstens materiell angemessen entschädigt werden, auch wenn dies die menschlichen Tragödie natürlich nur geringfügig zu lindern vermag.

Gleichzeitig möchte das Schweizer Parlament der Hoffnung Ausdruck geben, dass die Tschetschenien Frage einer politischen Lösung zugeführt werden kann.

Lassen Sie mich zum Schluss wieder eine Gemeinsamkeit politischer Natur hervorheben. Ich zitiere dazu die Worte des Herrn Botschafters Dimitri Cherkashin, die er in einem kürzlich erschienenen Interview der Zeitung „Facts“ anvertraute: „Die Schweiz und Russland gehören zu den wenigen europäischen Ländern, die weder EU- noch der NATO-Mitglied sind. So etwas verbindet“. (Ende Zitat)

Dem können wir uns nur anschliessen.

Lassen Sie uns in diesem Sinne auf die schweizerisch-russische Freundschaft anstossen!