Frau abtretende Präsidentin, Frau Regierungspräsidentin und Herr Landratspräsident des Kantons Basel-Landschaft, Herr Botschafter der Republik Polen, geschätzte Kolleginnen und Kollegen, Freundinnen und Freunde, Verwandte und Bekannte, meine Damen und Herren
Ich danke Ihnen allen für diese ehrenvolle Wahl. Sie ehrt nicht nur mich, sondern auch meinen Wohn- und Heimatkanton Basel-Landschaft, meine Geburtsstadt Basel, die Sozialdemokratische Partei, insbesondere diejenige des Kantons Basel-Landschaft. Vor allem ehrt sie auch meine Familie. Ich bin bestrebt, für unser Parlament ein guter Coach zu sein, nichts mehr, aber auch nicht weniger. Es ist mir ein Anliegen, dass dieser Rat in Würde tagt. Ich bitte Sie um Verständnis und Unterstützung, wenn ich dafür kämpfen werde, dass wir die selbst gesetzten Regeln einhalten. Ich freue mich auf dieses Jahr.
Im Verlaufe einer Legislatur bekommen die unterschiedlichsten Persönlichkeiten Gelegenheit, dieses hohe Amt auszuüben. Das ist gut so und wird den mannigfachen Facetten unserer Bevölkerung und dieses Parlaments gerecht. Diese typisch schweizerische Lösung will verhindern, dass Einfluss zu lange in den gleichen Händen bleibt. Wenn ich an die laufende Legislatur und meine zwei Vorgänger und meine Vorgängerin denke, wird das augenfällig. Max Binder war ein unverwechselbarer Vertreter der SVP-Fraktion. Er hat Bodenständigkeit mit Charme verbunden. Jean-Philippe Maître stand, leider viel zu kurz, für die Großzügigkeit und Offenheit der Genève Internationale. Meine Gedanken sind bei ihm. Ich wünsche ihm sicher auch in Ihrem Namen von hier aus alles Gute. Thérèse Meyer hat das Amt unter schwierigen Umständen angetreten. Ihre Herzlichkeit und Menschlichkeit ist ansteckend. Ihr familienpolitisches Credo wirkt deshalb so überzeugend, weil sie es vorlebt. Ich danke Dir, Thérèse, für die freundschaftliche Zusammenarbeit. Du hast die Aufgabe kompetent, effizient und vor allem auch auf sympathische Weise ausgeübt. Ich danke Dir im Namen des ganzen Rates ganz herzlich.
Sie fragen sich, für welche Facette ich stehe, was Sie sich mit mir eingehandelt haben. Sich selber kann und soll man nicht beurteilen. Wesentlich scheint mir zu sein, und diese Facette will ich gleichwohl betonen, dass Sie mit meiner Person jemanden gewählt haben, dessen Vorfahren nicht schon auf dem Rütli dabei waren oder an der Hülftenschanz für das selbständige Baselbiet gekämpft haben. Mein Vater ist 1940 als Internierter in die Schweiz gekommen. Ich bin als Pole in Basel geboren und im Alter von acht Jahren eingebürgert worden. Ich bin ein eingebürgerter Schweizer und erst noch ein Doppelbürger. Und noch mehr: mein Großvater mütterlicherseits stammt aus Sizilien. Ich kann Sie aber beruhigen: Ich bin geprägt von der Umgebung, in der ich aufgewachsen und zur Schule gegangen bin. Ich bin ein echter Basler, aber gleichwohl stolz auf meine Herkunft. Denn seine Wurzeln zu kennen ist genau so wichtig wie die Identifizierung mit der Heimat, die einen prägt. Ich bin stolz auf die beiden Basler Halbkantone, auf die Stadt, in der ich aufgewachsen und eingebürgert worden bin, und auf die Landschaft, wo ich seit 30 Jahren lebe und auf verschiedenen Stufen politisiert habe.
Die Schweiz ist ein einzigartiges Land, weil sie viele Kulturen zusammengeführt hat und auch in Zukunft zusammenführen wird. Wir verdanken unseren Wohlstand der Schaffenskraft unserer Vorfahren, zu denen viele Zugewanderte gehören, an deren Schweizer Identität heute niemand zweifelt. Diese Durchmischung ist eine Stärke der Schweiz und ermöglicht es ihr, ihren Platz in Europa nüchtern und selbstbewusst zu finden. Die Abstimmungen dieses Jahres sind hiefür Ausdruck. Ich wünschte mir bisweilen allerdings noch mehr Schweizer Selbstbewusstsein, Zuversicht und Aufbruch.
Das kommende Amtsjahr wird die Bundesversammlung für eine Session in die vierte Schweiz führen. Auch das ist eine Gelegenheit, der Vielfalt dieses Landes Rechnung zu tragen. Ich freue mich auf diese Session und bin bestrebt, bis dann das Romanische etwas perfekter zu sprechen. Für heute soll es bei einem herzlichen Gruß an unsere romanisch sprechenden Mitbürgerinnen und Mitbürger sein Bewenden haben: Sajas cordialmain salidads, charas Rumantschas e chars Rumantschs. Nus ans legrain d'astgar giudair Vossa ospitalitad.
Erlauben Sie mir ein paar Überlegungen zur Funktionsweise unseres Rates. Wir treffen im Verlaufe unserer Beratungen zahllose Einzelentscheide. Es fällt auf, dass zwar meist, aber zum Glück nicht immer nach Blöcken abgestimmt wird. Gibt es so genannte Abweichler, freut sich die Gegenseite, um dann, wenn sie selber betroffen ist, den freien Geist weniger zu schätzen. Die interne Willensbildung in den Fraktionen ist das eine, die persönliche Meinung das andere. Ich möchte das Instruktionsverbot in Erinnerung rufen, wonach die Mitglieder der Bundesversammlung ohne Weisungen stimmen (Art. 161 BV). Der vorbehaltenen Freiheit und Unabhängigkeit kommt vor allem Bedeutung zu beim Bemühen, in unserer Konkordanzdemokratie zu tragfähigen Lösungen zu kommen. Unser System lebt von wechselnden Mehrheiten, je nach anstehendem Gesetzgebungsprojekt. Im Verlaufe der Beratungen in den Räten bedarf es immer wieder eines Auf einander Zugehens. Nehmen Sie sich auch bei scheinbar unbedeutenden Fragen die Mühe zu prüfen, ob ein Vorschlag aus einem anderen Lager nicht geeignet ist, den Konkordanzprozess weiter zu bringen. Es ist klar, dass Fraktionen in Grundsatzfragen nur ungern von ihren Positionen abweichen. Tatsache ist aber auch, dass es wenigen gelingt, ihre Maximalforderungen durchzusetzen. Die Bevölkerung erwartet - und das ist meine wichtigste Botschaft - von uns tragfähige Lösungen. Brückenbau ist gefragt, und das setzt Querdenkerinnen und Querdenker voraus. Ich ermuntere Sie, im Wissen, dass das bei anwesenden Partei- und Fraktionspräsidentinnen und –präsidenten kaum auf Begeisterung stoßen wird: Trauen Sie sich bisweilen mehr Quersicht zu. Das würde den Konsens erleichtern.
Der Ruf von uns Politikerinnen und Politiker war auch schon besser. Er ist aber nicht so schlecht, wie dies immer wieder behauptet wird. Es ist nichts Schlechtes daran, Interessen zu vertreten. Keine und keiner von uns vertritt die Gesamtheit der Bevölkerung. Alle sind wir von Teilen der Bevölkerung gewählt, die ihre Interessen vertreten haben wollen. Auch wirtschaftliche und berufliche Interessen zu vertreten, ist nicht anrüchig. Gerade auch in einem Milizparlament muss das möglich sein. Voraussetzung ist allerdings, dass wir für vollständige Transparenz besorgt und darum bemüht sind, unsere Unabhängigkeit zu bewahren. Das Instruktionsverbot gilt auch für deklarierte Interessenbindungen.
Zum Abschluss möchte ich nochmals danken. Dass ich dieses hohe Amt bekleiden darf, verdanke ich einer Anzahl Umstände, die sich nicht planen lassen, und vor allem vielen Personen. Zuallererst meinen Eltern, die uns politisch erzogen haben. Sie sind seit über 20 Jahren tot, hätten sich aber gefreut, heute dabei zu sein. Ich denke, sie werden das alles auf einem fernen Wölkchen gelassen mitverfolgen. Mein ganz spezieller Dank gilt meinem Partner Saverio Verrascina, der Verständnis für meine politische Arbeit hat und mir die Ruhe gibt, nichts, auch diese Wahl nicht, überzuwerten. Ich danke Freundinnen und Freunden, Bürokolleginnen und -kollegen, die mich seit Jahren kritisch begleiten und größtenteils hier anwesend sind. Meiner Partei bin ich seit 35 Jahren verbunden, in guten wie in schlechten Zeiten. Ich verdanke meine politische Karriere den Genossinnen und Genossen der Sozialdemokratischen Partei Basel-Landschaft und vor allem der Baselbieter Bevölkerung, die mich in verschiedene Ämter gewählt hat. Ich danke der Delegation aus meinem Wohn- und Heimatkanton Basel-Landschaft, angeführt von Frau Regierungspräsidentin Elsbeth Schneider, für die Anwesenheit und den Apéro, den sie im Anschluss an den Wahlakt offerieren wird. Vor allem aber bin ich Ihnen, liebe Kolleginnen und Kollegen, zu Dank verpflichtet. Ich hoffe, dass Sie diese Wahl auch in einem Jahr noch für gut befinden.
Grazia, Grazie, Merci, Dankeschön.