Liebe Frauen, geschätzte Kolleginnen
Mein Sohn sagte kürzlich in der Kita als sie den Hasen Felix im gleichnamigen Bilderbuch bei seiner Reise durch die Schweiz begleiteten und er vor dem Bundeshaus in Bern stand: «Da arbeitet Mama. Das Haus da gehört meiner Mama. » Natürlich ist das Parlamentsgebäude mehr als ein Haus und es gehört mir selbstverständlich genauso wenig oder genauso viel, wie allen Bürgerinnen und Bürgern. Aber dass mir die Ehre zukommen wird, zusammen mit dem Ständeratspräsidenten im kommenden Jahr Hausherrin zu sein für diese geschichtsträchtigen Mauern und Räumlichkeiten, erfüllt mich mit Demut und Stolz zugleich.
Und immer, wenn ich an diesen Satz meines Sohnes denke, bin ich zutiefst gerührt und berührt. Denn was für mich heute selbstverständlich ist, war für meine Grossmütter noch ein Traum. Wenn überhaupt. Ich gehe seit meinem ersten Tag hier im Parlament selbstverständlich ein und aus in diesem Haus. Meine Grossmütter wären höchstens Zuschauerinnen auf der Tribüne gewesen. Wenn überhaupt. Man sprach ihnen ihre politischen Rechte mit derselben Selbstverständlichkeit ab, wie ich sie heute ausübe. Das Unrecht, dass meine Grossmütter lange keine politischen Rechte hatten, wird nicht kleiner dadurch, dass ich meine politischen Rechte heute nütze und nutze. Aber, dass ich mir – dass wir alle uns – dieses Unrechtes heute bewusst sind, zeigt doch, dass sich in den letzten 50 Jahres ein neues Selbstverständnis mehr und mehr durchgesetzt hat.
- Hedi Lang-Gehri
- Martha Ribi-Raschle
- «Josi» (Josephine) J. (Johanna) Meier
- Elisabeth Blunschy-Steiner
- Lilian Uchtenhagen
- Liselotte Spreng
- Hanny Thalmann
- Gabrielle Nanchen
- Tilo Frey
- Nelly Wicky
- Hanna Sahlfeld-Singer
- Lise Girardin (SR)
Elles n'ont pas été égales pendant longtemps. Pendant trop longtemps. Mais en décembre milles neuf cents soixante once 1971 ces onze femmes ont été les premières à pouvoir prendre place et voter au Conseil national et au Conseil des États après l’introduction du suffrage féminin. Ce faisant, elles ont donné un visage à cette nouvelle égalité. Mais leurs visages sont aussi ceux de la longue injustice qui a été infligée aux femmes dans notre pays. Elles sont les premières voix de la démocratie suisse. Car comment un pays peut-il prétendre être une démocratie lorsque la moitié de sa population est exclue de la participation politique ? C’est pourtant ce qu’a fait la Suisse pendant des décennies. C’est une honte – il n’y a pas d’autre mot.
Mais ces premières femmes au Parlement national ont annoncé une nouvelle ère. Elles sont les mères d’une nouvelle évidence.
Und ich bin ein Kind dieses neuen Selbstverständnisses. Ein Kind einer Demokratie, die sich zurecht Demokratie nennt. Ein Kind, das mit denselben Rechten und Pflichten geboren wurde. Ich bin gleichberechtigt. Wir sind gleichberechtigt.
Natürlich hapert es an vielen Ecken und Enden noch gewaltig mit der tatsächlichen Gleichstellung der Geschlechter. Aber wir haben auch viel erreicht.
Das Gleichstellungsgesetz,
die Mutterschaftsversicherung,
das neue Eherecht,
die Erfassung der Vergewaltigung in der Ehe als Straftat zeugen davon
und dass heute 42% meiner Kolleginnen im Nationalrat Frauen sind.
Und doch trösten die Erfolge der letzten 50 Jahren nicht darüber hinweg, dass auch heute noch ein ungerechtfertigter Lohnunterschied zwischen den Geschlechtern besteht,
dass die Altersarmut weiblich ist,
dass wir Frauen in der Politik noch nicht paritätisch vertreten sind und erst recht nicht in den Chefetagen,
dass Sexismus zu unser aller Alltag gehört,
dass die Gewalt an Frauen viel zu verbreitet ist,
dass Rentenlücken zu unseren Biografien dazugehören und
dass unser unermesslicher Anteil an der Carearbeit noch immer viel zu gross ist.
242 Milliarden Franken – 30% des BIP – das ist unser freiwilliger Beitrag an unserer Gesellschaft. Einfach so. Gratis und franco. Ohne Lohn. Ohne Sozialversicherungen. Meist auch ohne viel Anerkennung. Bitz viel, wenn sie mich fragen.
Und trotz aller bestehenden Baustellen haben ich mich immer gleichberechtigt gefühlt. Nicht nur auf dem Papier. Die Verfassung war meine Realität. Als Schulmädchen war ich ebenso gleichberechtigt wie als Studentin an der Uni. Und selbst als ich in die männerdominierte Politikwelt eingezogen bin, habe ich mich gleichberechtigt gefühlt. Dank den Erfolgen der letzten 50 Jahren habe ich ein durch und durch selbstbestimmtes Leben führen dürfen. In jeder Hinsicht. Immer.
Erst mit der Geburt meines Sohnes habe ich das erste Mal in meinem Leben daran gezweifelt, ob ich wirklich gleichberechtigt bin. Wieso bin ich eine vermeintlich schlechte Mutter, wenn ich zugleich Parlamentarierin bin? Wieso kann ich mich nicht stellvertreten lassen, wenn ich im Mutterschaftsurlaub bin? Wieso habe ich tatsächlich manchmal ein schlechtes Gewissen, wenn ich hier im Parlament meine Arbeit mache und meinen Sohn in den fähigen und liebenden Händen anderer lasse? Wieso ist es eine Geschichte wert, dass ich meinen Sohn im Bundeshaus gestillt habe, so wie tausende von Mütter ihre Kinder stillen?
Weil dieses Haus hier – entgegen der Meinung meines Sohnes – eben noch immer ein männliches Haus ist. Im eigentlich und im übertragenen Sinne. Eine Welt von Männern für Männer gemacht. In der Schweiz vor den Türen des Bundeshauses sind wir Frauen die Mehrheit. Wenn sich die Türen zu den Ratsversammlungen schliessen, dann bin ich in der Minderheit. Der grössten Minderheit seit je. Aber eben doch noch eine Minderheit.
Aber dieses Haus – das Zentrum der Demokratie – gehört uns noch nicht zu gleichen Teilen. Es ist höchste Zeit, dass wir darin die Plätze einnehmen, die uns zustehen. Dass wir dieses Haus genauso zu unserem Haus machen. Denn mein Sohn hat fast immer recht. Und in diesem Fall soll er recht bekommen.