Herzog tritt damit in die Fussstapfen von Josi Meier (1991), Francoise Saudan (2000), Erika Forster-Vannini (2009), Karin Keller-Sutter (2017) und zuletzt der Thurgauer Mitte-Ständerätin Brigitte Häberli-Koller (2023), von der die Baslerin das Amt übernimmt.
Die Zahl von 44 von 44 gültigen Stimmen der Ständerätinnen und Ständeräte für Herzog ist im langjährigen Vergleich überdurchschnittlich. Der Durchschnitt der Stimmen für die Wahl des Ständeratspräsidiums liegt bei 42,1. Mit dem Maximum von 45 Stimmen einstimmig gewählt wurden bis zur Wahl von Eva Herzog vier Ständeratspräsidentinnen und -präsidenten. Zuletzt war dies bei der letzten Präsidentin, Brigitte Häberli-Koller (Mitte/TG), der Fall.
Herzog ist seit 2019 Ständerätin. Letztes Jahr trat sie für die Nachfolge von Bundesrätin Simonetta Sommaruga an. Dort unterlag sie der Jurassierin Elisabeth Baume-Schneider. Herzog übernahm anschliessend Baume-Schneiders Sitz als Vizepräsidentin des Ständerats. Vor ihrer Zeit als Ständerätin war Herzog eine prägende Figur in der Basler Regierung.
Der Kanton Basel-Stadt stellte bis anhin acht Mal einen Ständeratspräsidenten. Geschlechterunabhängig hat der Stadtkanton mit der Wahl von Herzog somit zum neunten Mal das Präsidium der kleinen Kammer inne.
Wichtigkeit der Beziehungen zur EU
Die 61-jährige Herzog stellte in ihrer Rede zum Amtsantritt das Verhältnis der Schweiz zur EU und die Berufung auf demokratische Werte ins Zentrum. "Die EU ist zuallererst ein Garant für unsere Grundwerte und für Frieden, also das, was wir auch vertreten", sagte Herzog vor den Mitgliedern des Ständerats.
"Unsere Beziehungen mit der EU sind gut, aber wir merken bereits heute, dass sie am Erodieren sind", fuhr sie fort. Dies sei unter anderem in der Forschungszusammenarbeit, bei der Energieversorgung, bei Medikamenten oder in der Medizintechnik der Fall.
Herzog zeigte sich erleichtert darüber, dass der Bundesrat bis Ende Jahr ein Verhandlungsmandat verabschieden will. Um die Verhandlungen abzuschliessen, brauche es aber Kompromisse. Am Ende müsse man zur gefundenen Lösung stehen. Auch müsse man über die Schweizer Neutralität diskutieren. "Sie ist keine unveränderliche Glaubenslehre. Sie ist ein Instrument, das der Zeit und den Verhältnissen angepasst werden muss", sagte Herzog.
Die frischgebackene Ständeratspräsidentin betonte auch die Zentralität der demokratischen Werte. Die Demokratie sei unter Druck, da sie keine schnellen Lösungen liefere. "Es sind unsere Werte, die unter Druck kommen." Es seien Institutionen wie der Ständerat, die der Schweiz Stabilität und Sicherheit geben würden, gerade in schwierigen Zeiten.
Des Weiteren betonte Herzog ihren Fokus auf die Städte und deren Agglomerationen. Drei Viertel der Schweizerinnen und Schweizer würden in urbanen Gebieten wohnen. "Ich möchte den politischen Stadt-Land-Graben zuschütten", sagte die SP-Ständeratspräsidentin.
Büro des Ständerats ist komplett
Herzog folgt als Ratspräsidentin auf die Thurgauer Mitte-Ständerätin Brigitte Häberli-Koller. Diese betonte in ihrer Abschiedsrede die besondere Debattenkultur in der kleinen Kammer, die "ohne Spektakel" auskomme, "ruhig und respektvoll" sei und aufrecht erhalten werden müsse. Diese Debattenkultur sei nicht selbstverständlich und stehe dem Zeitgeist entgegen. Häberli-Koller ist seit 2011 Ständerätin.
Das Vizepräsidium des Ständerats wurde derweil neu mit dem Ausserrhoder FDP-Politiker Andrea Caroni besetzt. Caroni wurde mit 42 von 42 gültigen Stimmen gewählt. Der Ausserrhoder war im vergangenen Jahr bereits Stimmenzähler im Büro des Ständerats.
Als zweiten Vizepräsidenten wählten die Vertreterinnen und Vertreter der kleinen Kammer Stefan Engler (Mitte/GR). Werner Salzmann (SVP/BE) wurde zum Stimmenzähler gewählt, Mathilde Crevoisier Crelier (SP/JU) zur Ersatzstimmenzählerin. Das Büro des Ständerats ist damit komplett.