Nach dem Besuch der österreichischen Schwesterdelegation in St. Gallen im November 2025 diente der Besuch der Del-A in Wien der Fortsetzung des Dialogs zwischen den beiden Parlamentariergruppen. Im Zentrum der Gespräche unter der Leitung des österreichischen Nationalratsabgeordneten Norbert Sieber standen verschiedene grenzüberschreitende Infrastrukturthemen, welche die Lebenswirklichkeit beider Länder betreffen. Darüber hinaus wurden aktuelle innenpolitische Entwicklungen in der Schweiz und in Österreich erörtert, darunter die parlamentarischen Arbeiten zum Schweiz-EU-Paket sowie die Haushaltssituation in Österreich im Zusammenhang mit dem von der Bundesregierung vorgelegten Doppelbudget. Auch der Umgang beider Länder mit den aktuellen handelspolitischen Spannungen kam zur Sprache. Zudem tauschten sich die Delegationsmitglieder über migrationspolitische Fragen und die bevorstehende Volksabstimmung über die Initiative «Keine 10-Millionen-Schweiz» aus.
Während ihres Besuchs im österreichischen Parlament beriet der Nationalrat die Umsetzung des EU-Asyl- und Migrationspakts in österreichisches Recht. Die Schweizer Delegation konnte einen Teil der engagiert und mitunter kontrovers geführten Debatte von der Tribüne aus verfolgen und so einen unmittelbaren Einblick in die migrationspolitischen Diskussionen gewinnen, welche Österreich zum Zeitpunkt des Besuchs beschäftigten. Zudem wurde die Delegation im Rahmen der Plenarsitzung durch den Zweiten Präsidenten des Nationalrates, Peter Haubner, begrüsst und anschliessend vom Präsidenten des Nationalrates, Walter Rosenkranz, zu einem Höflichkeitsbesuch empfangen.
Die Delegation nutzte ihren Aufenthalt in Wien auch, um sich mit Vertreterinnen und Vertretern der österreichischen Bundesverwaltung zu Themen auszutauschen, welche die Zusammenarbeit der beiden Länder betreffen. Mit Fachleuten des Bundesministeriums für Innovation, Mobilität und Infrastruktur stand die grenzüberschreitende Verkehrsinfrastruktur zwischen der Schweiz und Österreich im Mittelpunkt. Von besonderem Interesse war dabei der Planungsstand der Bodensee-Schnellstrasse S18. Die Schweizer Delegation betonte die Notwendigkeit einer raschen und verlässlichen Lösung zur Entlastung des Rheintals, das seit Jahren stark unter dem zunehmenden Verkehrsaufkommen leidet.
Weitere Themen waren die Entwicklung des alpenquerenden Güterverkehrs, der Ausbau der Bahninfrastruktur in Österreich, insbesondere auf der Arlbergachse, sowie die Bedeutung des Flughafens St. Gallen-Altenrhein für die grenzüberschreitende Mobilität in der Bodenseeregion. Ebenfalls thematisiert wurde die in der Schweiz diskutierte Einführung einer Durchfahrtsabgabe für den Transitverkehr (Motion 25.3744). Die österreichischen Parlamentarierinnen und Parlamentarier interessierten sich für die Überlegungen zur konkreten Ausgestaltung eines solchen Instruments sowie für dessen Vereinbarkeit mit dem Landverkehrsabkommen.
Im Austausch mit Vertreterinnen und Vertretern des Bundesministeriums für Land- und Forstwirtschaft, Klima- und Umweltschutz, Regionen und Wasserwirtschaft diskutierte die Delegation über das EU-Mercosur-Abkommen sowie über gemeinsame Herausforderungen im Alpenraum. Themen waren unter anderem die Auswirkungen internationaler Handelsabkommen auf die Landwirtschaft sowie Fragen des Naturgefahrenmanagements und des Klimawandels in den Alpenregionen.
Die Delegation informierte sich zudem über das «Demokratikum – Erlebnis Parlament», das im Zuge der Sanierung des österreichischen Parlamentsgebäudes geschaffen wurde und Besucherinnen und Besuchern die parlamentarische Arbeit näherbringt. Das Interesse daran war auch deshalb besonders gross, weil die eidgenössischen Räte im Rahmen der Immobilienbotschaft 2026 über die Schaffung eines Besuchs- und Informationszentrums des Schweizer Parlaments am Bundesplatz entscheiden werden. Die in Wien gewonnenen Eindrücke lieferten wertvolle Anregungen für die laufenden Überlegungen in der Schweiz.
Die Delegation für die Beziehungen zum österreichischen Parlament wurde von Nationalrat Nicolò Paganini (Die Mitte, SG) geleitet. Am Arbeitsbesuch nahmen zudem Ständerätin Esther Friedli (SVP, SG), die Ständeräte Daniel Jositsch (SP, ZH) und Martin Schmid (FDP, GR) sowie die Nationalräte Michael Götte (SVP, SG), Martin Haab (SVP, ZH) und Matthias Samuel Jauslin (GLP, AG) teil.