Neben New York ist Genf als europäischer Hauptsitz der Vereinten Nationen eines der beiden wichtigsten Zentren der multilateralen Diplomatie. Fast 33’000 Personen arbeiten für eine der 37 internationalen Organisationen, 399 Nichtregierungsorganisationen oder für eine der 179 ständigen Missionen. In der Stadt an der Rhone gibt es zwölf 5-Sterne-Hotels, an die 25’000 Konferenzräume sowie 141 Destinationen werden vom Flughafen Cointrin angeflogen. Die ausländische Wohnbevölkerung beträgt 40 Prozent, vertreten sind 189 Nationalitäten. Zum Vergleich: 193 Staaten gehören den UN an.
Bis vor einigen Jahren nahm die Bundespolitik von der internationalen Bedeutung Genfs nur wenig Kenntnis – bis internationale Organisationen aus Kostengründen den Wegzug erwogen. Der Bundesrat gab mit einer Strategie zur Standortförderung Gegensteuer und das Parlament für die Jahre 2016-2019 eine Summe von 102,4 Millionen Franken frei. Die Investition scheint sich bezahlt zu machen, wie der Bundesrat in seiner «Botschaft zu den Massnahmen zur Stärkung der Rolle der Schweiz als Gaststaat» (19.019) schreibt. Genf ist wieder sichtbarer geworden, die Anzahl Konferenzen hat zugenommen, neue Organisationen und Botschaften haben ihre Zelte aufgeschlagen, und drohende Standortwechsel haben sich verhindern lassen. Auf Dauer ist Genf als Knotenpunkt der Weltpolitik jedoch nicht gesichert. Wegen des Konkurrenzdrucks durch andere Städte und der hohen Lebenskosten müsse die Schweiz sicherstellen, dass sie international attraktiv und wettbewerbsfähig bleibe, ist der Bundesrat überzeugt. Für die Jahre 2020 bis 2023 beantragt er deshalb beim Parlament 111,8 Millionen Franken (inklusive 8 Millionen Franken für den Gebäudeschutz). Aussenpolitikerinnen und -politiker unterstützen die Strategie weiterhin; denn wie APK-Präsidentin Elisabeth Schneider-Schneiter sagt: «Das Internationale Genf ist Zeichen dafür, dass wir in der Staatengemeinschaft eine gute Reputation haben».
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