Es gilt das gesprochene Wort
Sehr geehrte Frau Ständeratspräsidentin
Sehr geehrte Damen und Herren National- und Ständeräte
Sehr geehrter Herr Vizekanzler
Sehr geehrter Herr Generalsekretär Lanz und Herr Generalsekretär Balzaretti,
Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Gäste
Am 5. Juli 1858 begann der damalige Nationalratspräsident Keller seine bemerkenswerte Eröffnungsrede hier in diesem Raum mit den folgenden Worten:
„Meine Herren!“ – es gab damals nur Herren im Rat – „Es ist mir das providentielle Glück geworden, Sie bei der letzten Versammlung aus unserem alten Sitzungssaal zu verabschieden und heute in dem neuen zu empfangen.“
Auch für mich ist es ein Glück und eine grosse Freude, Sie heute zur Eröffnung der neuen Parlamentsbibliothek in diesem Raum zu begrüssen. Es ist ein Ort von grosser historischer Bedeutung, denn hier hat von 1858 bis 1902 der Nationalrat getagt. Zwar erinnern nur noch einige Säulen und zwei Fragmente an der äusseren linken Fensterfront an den früheren Nationalratssaal, der nach 1902, nach dem Bezug des Nationalratssaales im Parlamentsgebäude, in eine Bibliothek umgewandelt worden ist. Damals baute man diese imposante Eisenkonstruktion ein, die heute unter Denkmalschutz steht.
Nach einem längeren Umbau erhalten die Bundesversammlung, die Parlamentsdienste, die Bundeskanzlei und das Departement für auswärtige Angelegenheiten wieder eine Bibliothek, die nicht nur mit ihren Inhalten, sondern auch mit ihrer denkmalgeschützten Architektur in Verbindung mit moderner Ausstattung ihre Nutzer faszinieren wird.
Ich freue mich, dass es den am Projekt Beteiligten gelungen ist, ein Konzept der Offenheit zu verwirklichen und die historische Struktur dieses ehrwürdigen Raumes wieder sichtbar zu machen. Die hohen Fenster kommen wieder zur Geltung, und die Besucherinnen und Besucher können in einem hellen, grossen Raum bei Tageslicht arbeiten. Die Offenheit des Parlamentsgebäudes findet hier in dieser prächtigen Bibliothek im Bundeshaus West ihre Fortsetzung.
Ich hoffe sehr, dass dieser freundliche Raum die Parlamentarierinnen und Parlamentarier sowie die Mitarbeitenden der Parlamentsdienste und der Verwaltung anziehen und begeistern wird. Und ich bin sicher: An diesem Ort – unter den wachsamen Augen von Eugen Huber, dem grossen Juristen und Schöpfer des Zivilgesetzbuches - werden die Besucherinnen und Besucher gerne arbeiten – und sicher gerne auch einmal ein paar Stunden länger. Inspirieren lassen können sich die Besucher auch von weiteren Kunstwerken, die aus dem Bestand der Kunstsammlung des Bundes ausgewählt worden sind.
Über Bedeutung und Rolle der Bibliotheken gibt es seit Jahrtausenden viele eindrückliche Aussagen. Eine schöne Stelle findet sich im Buch von Umberto Eco, „Der Name der Rose“. Dort erklärt der Abt einem Besucher, warum die Bibliothek für das Kloster so wichtig ist: „Ein Kloster ohne Bücher“, sagt er, „ist wie ein Gemeinwesen ohne Habe, eine Festung ohne Truppen, eine Küche ohne Geschirr, ein Tisch ohne Speisen, ein Garten ohne Pflanzen, eine Wiese ohne Blumen, ein Baum ohne Blätter …“
Was hier für eine mittelalterliche Klostergemeinschaft gesagt wird, hat auch Bedeutung für die heutige Zeit, auch für das Bundeshaus. Alle, die in Politik und Verwaltung Verantwortung tragen, benötigen in ihrer täglichen Arbeit Wissen - und Bibliotheken sowie Dokumentationsdienste, die dieses Wissen verwalten und vermitteln.
Ich freue mich über die Anwesenheit von Direktorinnen wichtiger Bibliotheken sowie engagierter Bibliothekarinnen und Bibliothekare; und ich benütze gerne diese Gelegenheit, ihnen für ihr wertvolles und unermüdliches Wirken im Dienste von Staat und Gesellschaft zu danken.
Zum Schluss möchte mich dem Dank anschliessen, den bereits Christoph Lanz allen abgestattet hat, die zum Erfolg dieses Projektes beigetragen haben. Sie haben ausgezeichnet zusammengearbeitet und eine hervorragende Lösung realisiert, die, so hoffe ich, für lange Jahre Bestand haben wird - als ein fruchtbarer Garten mit Pflanzen, eine Wiese mit Blumen und ein Baum mit Blättern!
Ich gratuliere Ihnen zu diesem Resultat. Ich wünsche Ihnen allen noch einen schönen Abend und angeregte Gespräche.