Es gilt das gesprochene Wort
Dass Sie heute einen „Hölzernen“ hier sprechen lassen zeugt von Grosszügigkeit und sogar etwas Mut. Ich werde mich bemühen, dass ich nicht allzu hölzern rede, immerhin sind Sie doch die “Mechanischen“, jene also, die allenfalls lieber Benzin und Öl in der Nase haben, als Harzgeruch und den Duft von frisch gesägtem Holz. Vermutlich habe ich mit dieser Äusserung etwas übertrieben, es ist ein wenig ein Clichédenken, aber davor sind bekanntlich selbst Politiker nicht gefeit.
Nun, das Holzgewerbe ist inzwischen auch sehr technisch ausgerichtet und baucht eine ganze Menge guter Liefer- und Lastwagen. Die Auto- und Transportbranche ihrerseits ist stark auf Elektronik ausgerichtet, ganz speziell auch auf Kundenbedürfnisse fokussiert und je länger je mehr sensibilisiert auf Umweltanliegen und Nachhaltigkeit. Das beweist nicht zuletzt die Bauweise ihres neuen Standortes hier. Da wurde so viel Holz verbaut, dass es selbst dem Schreinerpräsidenten warm wird im Herzen.
Als überzeugter Gewerbler und KMU-Vertreter – das bin ich auch als Nationalratspräsident geblieben– bin ich der Meinung, dass das Gewerbe, die KMU, ob hölzern oder mechanisch, unsererm Lande sehr viel geben. Manchmal müssten wird das auch noch etwas lauter sagen, damit ihre und unsere Anliegen besser gehört und verstanden werden.
Das Gewerbe und die KMU in der Schweiz sind nicht bloss eine der tragenden Säulen oder, wie immer wieder festgestellt das Rückgrat unserer Volkswirtschaft, sie sind nicht nur dafür verantwortlich, dass hunderttausende von Haushalten ein Auskommen haben; das Gewerbe und die KMU sind auch der entscheidende Wirtschaftsfaktor, der die dezentrale Struktur unseres Landes aufrecht erhält.
Viele kennen das von Reisen im Ausland: In den Städten und Ballungszentren sieht man glänzende Glas- und Stahlneubauten, es gibt riesige Fabriken und an den Ausfallstrassen beeindruckend grosse Garagen, Tankstellen und Autohändler. Kommt man dann aufs Land, herrscht oft gähnende Leere: Kaum mehr ein Laden, keine Bankfiliale und kein florierendes Gewerbe. Während wir im Entlebuch, im Berner Oberland oder im Toggenberg eine ganze Reihe von Garagen und Schreinereien, Transportunternehmen, Metzgereinen und Bäckereien haben, muss man davon in mach ausländischer Provinz nur noch träumen.
In der Schweiz erachten wir diese dezentrale Volkswirtschaft nach wie vor als eine Notwendigkeit. Das nicht bloss für den Autobesitzer, der froh ist, auch in seinem Tal oder seiner Landgemeinde kompetente Hilfe zu erhalten, wenn das Gefährt mal nicht so will, wie es sollte. In erster Linie bedeuten die unzähligen Gewerbebetriebe in den Regionen qualifizierte und interessante Arbeitsplätze. Arbeitsplätze wiederum bedeuten Auskommen; und Auskommen heisst in der Regel, dass eine Familie in der Region leben kann. Gewerbebetriebe bedeuten auch Ausbildungsplätze, und Ausbildungsplätze in den Regionen sind äusserst wertvoll. Sie geben jungen Menschen vor Ort eine Zukunft und eine Perspektive.
Gewerbebetriebe, meine Damen und Herren, halten unsere Landregionen wirtschaftlich am Leben, heute und in Zukunft. Früher, auch das ist eine Tatsache, da gab es noch mehr Gewerbebetriebe in den Dörfern und den kleinen Städten. Jedes Dorf hatte seine Garage, die oft auch noch als mechanische Werkstatt diente und bei allerlei technischen Problemen aushelfen konnte. Diese Zeiten sind vorbei – Ausnahmen bestätigen auch hier die Regel. Eine Konzentration ist auch im Autogewerbe unübersehbar. Ein Betrieb muss vermutlich eine minimale Grösse haben, um im umkämpften Markt überleben zu können. Aber immer noch hat die Schweiz die grösste Garagendichte Europas. Werden bei uns pro Garage im Schnitt etwa 50 Fahrzeuge im Jahr verkauft, ist das in anderen europäischen Ländern rasch einmal das Dreifache.
Gleichzeitig sind die Herausforderungen an die Unternehmungen gross: Umweltvorschriften, neue Technologien und Diagnoseinstrumente, Auflagen für Buchhaltung und Steuern, Raumplanungs- und Umweltvorschriften, Richtlinien für die Lehrlingsausbildung, ein schwer berechenbarer Markt und anspruchsvolle Kunden. Die Gesetze des Markts werden von eben diesem Markt gemacht, die Gesetze des Staates von seinem Gesetzgeber. Beide, der Markt und der Staat geben zu reden. Das ist auch gut so.
Aus eigener Erfahrung kann ich Ihnen sagen, die Stimme des Gewerbes in der Politik ist wichtig, sehr wichtig. Gerade das Gewerbe mit seinen derart wichtigen Funktionen für unser Land, unsere Wirtschaft und unsere Gesellschaft verdient Anerkennung. Gerade das Gewerbe, das überall im Lande draussen vor Ort und am Puls ist, braucht eine Politik, die auf seine Bedürfnisse Rücksicht nimmt und seine Anliegen aufnimmt.
Sonst – und sie verzeihen diese etwas schwierige Bemerkung in diesem Umfeld – sonst, wird das Gewerbe ganz einfach überfahren. Damit das nicht passiert, brauchen wir eine zuverlässige und gute Politik. Denn eine zuverlässige und gute Politik für das Gewerbe ist nicht Interessenpolitik für das Gewerbe, sondern liegt im Interesse aller in der Schweiz, in den Städten und Agglomerationen, aber gerade auch auf dem Lande draussen - ob’s dann mehr nach Holz oder mehr nach Benzin riecht – s’isch einerlei.
Lassen Sie mich zum Schluss noch einen grundsätzlichen Gedanken äussern: Die KMU werden auch in Zukunft das Rückgrat der CH Volkswirtschaft sein. Sie werden auch in Zukunft ein verlässlicher Partner sein zu den Grosskonzernen. Sie sind als Zulieferer nach wie vor von ihnen in einem gewissen Mass abhängig. Deshalb ist ein freundschaftliches Nebeneinander nach wie vor das Gebot der Stunde.
Die KMU werden auch in Zukunft ein verlässlicher Partner des Staates sein. Diese Verlässlichkeit bedarf der Gegenseitigkeit. Die staatlichen Institutionen, besonders die Verwaltungen etwa, sollten diese Verlässlichkeit noch mehr zu schätzen wissen.
Die KMU sind ein bedeutender Teil unserer Gesellschaft. Sie fordern zu Recht unternehmerische Freiheiten. Freiheiten im Tun oder auch im Nichttun. Die Zwillingsschwester der Freiheit ist die Verantwortung. Und diese Verantwortung gegenüber Gesellschaft und Staat werden die KMU auch in Zukunft wahrnehmen; so wie sie es im Lauf der Geschichte immer wieder bewiesen haben.
In der Ausübung der unternehmerischen Freiheit mit dem gleichzeitigen Wahrnehmen der entsprechenden Verantwortung wünsche ich Ihnen und Ihren Unternehmungen, ihren Familien, Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern viel Glück und Erfolg.