19. Januar 2012
Es gilt das gesprochene Wort
Grusswort von Nationalratspräsident Hansjörg Walter
Sehr geehrte Damen und Herren
Geschätzte Organisatoren
Politikerinnen und Politiker verstehen sich gerne als Handwerker. Auch wir möchten Pläne und Visionen zum Nutzen aller Realität werden lassen, auch wir möchte Erneuern und Freude schaffen. Ganz gelingen will uns das – unter uns gesagt – jedoch nicht immer. Der deutsche Schriftsteller Erich Kästner hat diesen Umstand mit scharfer Spitze so formuliert: „Immer wieder kommen Staatsmänner mit grossen Farbtöpfen des Weges und erklären, sie seien die neuen Baumeister. Und immer wieder sind es nur Anstreicher.“ Das ist wenig schmeichelhaft und ich hoffe natürlich, dass Erich Kästner Politiker und Politikerinnen nicht ausnahmslos als Kulissenmaler betrachtete. Aber seine Analyse lehrt eines: Will die Politik tatsächlich für die Zukunft bauen und nicht nur übertünchen, so muss sie pragmatisch, mit Augenmass und Vernunft betrieben werden. Es braucht also eine gute Substanz, eine solide Grundlage und am Schluss den richtigen Anstrich. So gesehen haben Ihre Branche und die (seriöse) Politik durchaus einiges gemeinsam.
In diesem Sinn bedanke ich mich ganz herzlich für Ihre Einladung. Ich freue mich an diesem Branchentreffen zu sein und überbringe Ihnen gerne auch die besten Grüsse der Bundesversammlung.
Meine Damen und Herren
Eine Messe wie die Appli-Tech lässt einem wortwörtlich auch hinter die Fassade schauen. Das was ich hier sehe, ist beeindruckend und zeigt: Ihre Branche ein sehr innovativer, zukunftsträchtiger und wertschöpfungsstarker Wirtschaftssektor.
Die Appli-Tech übernimmt aber auch eine wichtige Brückenbauer-Funktion zwischen den Herstellern, den kreativen Planern und Gestaltern (Architekten), den Herstellern, sowie den „Kreativen am Bau“, Ihnen allen also. Sie alle zeichnen verantwortlich für das Gesicht eines Gebäudes. Mit seiner äusseren Erscheinung prägt ein Bau seine Umgebung. Das ist die eine Seite. Auf der anderen Seite wachsen auch die technischen Ansprüche an die Gebäudehüllen stetig. Ich denke dabei vor allem an energetische Massnahmen und Technologien, die mithelfen, den Energieverbrauch und den Schadstoffausstoss zu senken. Wie Sie wissen, sind Klimaschutz und Energie sparen nach den Ereignissen von Fukushima sowie des angestrebten Atomausstiegs, auch im Bundeshaus ein intensiv diskutiertes Thema. Ende des letzten Jahres hatte das eidgenössische Parlament unter anderem beschlossen, die Beiträge aus der CO2-Abgabe zugunsten des nationalen Gebäudeprogramms von 200 auf 300 Millionen Franken zu erhöhen.
Ziel des Gebäudeprogramms, ist, den CO2-Ausstoss zu reduzieren und erneuerbare Energien zu fördern. Wenn bis 2020 alle Massnahmen umgesetzt sind, wird eine Reduktion des jährlichen CO2-Ausstosses um 1,5 bis 2,2 Mio. Tonnen CO2 erwartet. Über die gesamte Lebensdauer der Massnahmen von rund 40 Jahren gerechnet, können gemäss Umweltdepartement durch das Programm zwischen 35 und 52 Mio. Tonnen CO2 eingespart werden. Kritische Stimmen bezweifeln zwar, dass diese Ziele erreicht werden können, da erst ein kleiner Teil der Eigentümer bereit sei, ihre Haus energieeffizient zu sanieren.
Es braucht also Überzeugungsarbeit. Sie, geschätzte Damen und Herren, können mithelfen diese Überzeugungsarbeit zu leisten. Sie sind die Fachleute. Ihre Erfahrung und ihre Kompetenz ist das beste Argument. Ihnen wird man vermutlich eher glauben als uns Politikern, dass es Sinn macht und sich lohnt sein Haus in Ordnung zu bringen. Wir setzen auf Sie!
Meine Damen und Herren
Die Politik setzt auf Sie, weil uns Ihre qualitativ hochstehende Arbeit am Herzen liegt. Die Baubrache – also auch Ihr Sektor – steht unter Druck. Die Geschäftsprüfungskommission des Nationalrates hatte erst vor Kurzem mit einer eingehenden Untersuchung ans Licht gebracht, dass die flankierende Massnahmen im Zusammenhang mit der Personenfreizügigkeit nicht den gewünschten Effekt bringen wie über die Jahre immer wieder behauptet wurde. Die Nichteinhaltung von Lohn- und Arbeitsbedingungen und die Scheinselbstständigkeit haben massiv zugenommen. Wir wissen: Bei den Handwerkern ist ein grosser Unmut vorhanden. Sie sind einer Situation ausgesetzt, die nicht mehr haltbar ist. Das Parlament seinerseits machte deshalb Druck (11.4048 - Motion WAK-SR, Beschleunigung der Anpassung der flankierenden Massnahmen zur Personenfreizügigkeit) und der Bundesrat reagierte. In der vergangenen Wintersession hat Johann Schneider-Ammann, Vorsteher des eidgenössischen Volkswirtschaftsdepartements, eine Vorlage auf Anfang März versprochen, die die Missstände beheben soll. Wir sind gespannt darauf und erhoffen uns davon eine rasche Verbesserung, denn, um mit den klugen Worten des deutschen Politikers Alfred Dregger zu schliessen: „Unser Reichtum sind nicht die Mundwerker, sondern die - Handwerker“.
Ich wünsche Ihnen eine interessante Fachmesse und beruflich erfolgreiches Jahr. Ich danke Ihnen.