Es gilt das gesprochene Wort
Begrüssung
Ich habe mich über die Einladung sehr gefreut. Und ich bedanke mich für die Gelegenheit, hier an diesem 1. Aussenhandelskongress einige Gedanken zum Thema Frauen im Aussenhandel beizutragen. Gerade solche Anlässe sind wichtig, sie helfen Netzwerke schaffen. Netzwerke sind ein wichtiger Teil in vielen Bereichen. Netzwerke können aber gerade wir Frauen oft weniger aufbauen, weil neben dem Job vielfach auch noch eine Familie zu betreuen ist und daher die Zeit dazu ganz einfach fehlt.
Sie wissen es möglicherweise, in diesem Jahr wurde viel von der Frauenpower in der Politik gesprochen. Ich möchte deshalb zu Beginn kurz der Frage nachgehen, weshalb. Respektive, wie steht es in dieser Frage im Aussenhandelsgeschäft?
Frauen in der Politik
- Das Bundeshaus ist fest in Frauenhand – zumindest noch für die Monate November und Dezember: Bundespräsidentin, Nationalratspräsidentin, Ständeratspräsidentin, vier Bundesrätinnen. Erst wenn das keine Schlagzeilen mehr macht, sind wir wirklich einen Schritt weiter. Schliesslich war das Bundeshaus auch noch nach der Einführung des Frauenstimmrechtes jahrelang fest in Männerhand, mit Bundespräsident, Nationalratspräsident, Ständeratspräsident, 6 oder 5 Bundesräten. Das letztere indessen steht uns erst noch bevor, aber wie gesagt, irgendwann einmal muss die Bedeutung des Geschlechtes einfach weg sein,
- Frauenanteil im Parlament, Stand Sept. 2010: Nationalrat: 30 % (60); Ständerat: 19,6 % (9). Hier gibt es noch Nachholbedarf. Wir Frauen hätten es eigentlich in der Hand, mehr Frauen ins Parlament zu wählen. Allerdings zählt für mich nicht einfach die Anzahl der Frauen, weit wichtiger ist das Können und der Einsatz der einzelnen Parlamentarierinnen. Wichtig ist auch, dass den Frauen faire Rahmenbedingungen geboten werden. Hier sind in erster Linie die Parteileitungen in der Verantwortung. Einmal gewählt, entpuppen sich fast alle Frauen als weit seriösere Kennerinnen der Dossier als ihre männlichen Kollegen.
- Die Frauenmehrheit in BR, drei Frauen an der Spitze der nationalen Politik (vor allem) auch dank der Unterstützung der Männer in den beiden Räten. 69 National- und Ständerätinnen haben ja keine absolute Mehrheit… Doris Leuthard z.B mit 158 von 183 gültigen Stimmen zur BP gewählt.
- Weltweiter Frauenanteil in den Parlamenten liegt bei 19,2 Prozent. In nordischen Ländern liegt er bei 42 Prozent.
Begegnungstag im Bundeshaus
- Am 6. Februar 2010 fand im Bundeshaus auf Initiative von BP Leuthard, NRP Bruderer und mir ein Begegnungstag für Frauen statt.
- Wir wollten mit dieser Dreierkonstellation ein Zeichen setzen.
- Anlass war ein grosser Erfolg. Es kamen etwa 700 Frauen mit ganz unterschiedlichen Biografien aus der gesamten Schweiz. Veranstaltungen mussten in zwei Schichten durchgeführt werden.
- In acht „Frauenzimmer“ fanden Gespräche zu ganz unterschiedlichen Themen statt: eine Lastwagenfahrerin sprach mit einer Physikprofessorin, die Sportlerin Ariella Kaeslin traf mit der Skirennfahrerin Lara Gut zusammen.
- Themen waren u.a.: Frau und Berufung, Frau und Chefin, Frau und Schönheit oder Frau und Staatsdienst
- Stimmung war ausgezeichnet, sehr unkompliziert, offen, herzlich
- Das Echo in den Medien war sehr gross und es wurde nur positiv darüber berichtet.
Der Aussenhandel und das Parlament
- In den beiden WAK sind von insgesamt 39 Mitgliedern 7 Frauen, in den APK sind 11 von 39 Mitgliedern Frauen.
- Die Einflussmöglichkeiten des Parlaments auf den Inhalt von z.B. Freihandelsabkommen sind nicht sehr gross. Geht es doch um die Genehmigung von Abkommen.
- Aussenwirtschaftsbericht ist jedes Jahr ein Thema. Liegt zur Genehmigung vor.
- Aktuell in Diskussion sind ein Freihandelsabkommen mit China, Indien und Russland (siehe oben). Das Parlament hat sich aber damit noch nicht auseinandergesetzt.
- Bilaterale Verträge mit der EU – auch da gibt es Bereiche, die im Interesse der Schweiz noch ausgebaut werden könnten, z. B. in den Bereichen Landwirtschaft, Produktsicherheit, Lebensmittelsicherheit. Auf Seite der EU, aber auch auf unserer Seite arbeiten hier Frauen in führenden Positionen mit. Bei der EU ist eine Frau Swiss Desk Officer, (Mme Ana-Isabel Sanchez-Ruiz) und Mme Isabel de la Mata, ist Conseiller principal à la santé publique (DG Santé et consommateurs, Commission européenne). Auf der Schweizer Mission ist Frau Moser für das Dossier Landwirtschaft zuständig und Frau Schmid für den Finanzbereich.
Frauen in der Wirtschaft
- Man fragt sich, weshalb in der Politik positive Veränderungen in den Führungsetagen stattfinden konnten, in der Arbeitswelt zwar auch, aber weit weniger stark. Denn gut ausgebildete Frauen gibt es genug. Ob und wie weit nach oben sie es schaffen hängt von vielen Faktoren ab.
- Zum Einen hat die Schweizer Politik insgesamt doch bessere Bedingungen zu, die den Bedürfnissen von Frauen entgegenkommen. Politik heisst in der Schweiz, zumindest auf parlamentarischer Ebene Teilzeitarbeit. Das lässt sich auch neben der Familie meist irgendwie einrichten. Ohne Kinder, ist Politik und Job mit dem entsprechenden Einsatz gut zu meistern. In der Wirtschaft arbeiten Kader zwar auch Teilzeit, aber spätestens beim Aufstieg in die Geschäftsleitung ist dies für beide Geschlechter faktisch unmöglich.
- Ein grosser Unterschied zur Wirtschaftswelt liegt auch darin, dass die Wahlbehörde der Politikerinnen und Politiker heterogener zusammengesetzt ist als Verwaltungsräte und Aktionärsversammlungen. Die Parlamente sind diesbezüglich viel mehr ein Spiegelbild unserer Gesellschaft.
- Eine andere, möglicherweise ebenso zutreffende ist, dass die Bedeutung der Schweizer Industrie für unsere Wirtschaft in den letzten 20 Jahren abgenommen hat. Das sieht man unter anderem daran, dass die Schweizer Industrie in den 90er Jahren 800'000 Arbeitsplätze ins Ausland verlegt hat. Zahlreiche Fusionen mit ausländischen Firmen haben stattgefunden und die Globalisierung zu einer Internationalisierung der Verwaltungsräte und der Geschäftsleitungen geführt hat. Wer Einsitz in den obersten Führungsgremien nimmt, wird immer mehr auf internationaler Ebene bestimmt.
- In Europa liegt der Frauenanteil in Verwaltungsräten bei 12 Prozent. Das ist erstaunlich wenig, bei alledem, was Frauen zu bieten haben. Weit schlechter noch steht die Schweiz da mit einem Anteil von deutlich unter 10 Prozent.
- In Norwegen zum Beispiel trat vor knapp drei Jahren ein Gesetz in Kraft, dass eine 40-Prozent-Quote für Verwaltungsräte vorsieht. Heute sitzen im skandinavischen Land 44 Prozent Frauen in den Verwaltungsräten und selbst Quotengegner müssen zugeben, dass sich keine Mängel aufgrund dieses Gesetzes feststellen liessen. Persönlich bin ich keine Anhängerinnen von Quoten, ich habe aber Verständnis für diese Forderung. Nur so lässt sich offenbar das immer noch weit verbreitete “Old Boys-Netzwerk“ aufbrechen.
- Auch wenn Norwegens Verwaltungsrätinnen heute bedeutenden Einfluss auf die Wahl von CEO nehmen können, sind nur wenige Frauen an der Spitze des operativen Geschäfts zu finden. Mutterrolle und Mangerposten lassen sich selbst in Norwegen nur schlecht vereinbaren und das, obwohl Norwegen ein weit familienfreundlicheres Schulsystem zu bieten hat.
- Unter Druck stehen heute aber auch junge Väter. Es wird vielmehr akzeptiert, wenn eine Kaderfrau aus der Sitzung rennt, um ihr Kind abzuholen als umgekehrt. Vereinbarkeit von Familien und Beruf ist nicht nur ein frauenspezifisches Problem. Hier müssen die Führungsverantwortlichen in den Unternehmen umdenken. Die nordischen Staaten sind diesbezüglich viel fortschrittlicher.
- Heute muss die Frage lauten: Wie vereinbart man zwei Arbeitswelten mit einem Familienleben? Die Antwort ist eigentlich einfach: Es braucht in unserer Gesellschaft einen Wertewandel. Und der braucht Zeit. Traditionelle Muster sind zwar auf dem Rückzug, moderne haben sich bisher noch nicht durchgesetzt.
Gestatten sie mir noch einige Worte zum Schweizerische Aussenhandel aus politischer Sicht.
Zahlen und Fakten werden Ihnen am heutigen Tag sicher noch im Detail geliefert. Deshalb nur einige wenige Referenzzahlen.
Exporte, in Mrd. Fr.: 181
Importe, in Mrd. Fr.: 160
wichtigste Handelspartner Export, in Mrd. Fr. (Anteil in %)
Deutschland 35 (19,5 %) USA 18 (9,8 %) Italien 15 (8,6 %)
wichtigste Handelspartner Import, in Mrd. Fr. (Anteil in %):
Deutschland 54 (33,6 %), Italien 18 (11,2 %), Frankreich 15 (9,5 %)
die 3 grössten Exportbranchen, in Mrd. Fr. (Anteil in %):
Chemie und Pharmazeutika 72 (39,8 %)
Maschinen, Apparate, Elektronik 34 (18,7 %)
Präzisionsinstrumente, Uhren und Bijouterie 32 (18,0 %)
- Beim Aussenhandel im Jahre 2009 betrug die Ausfuhr von Gütern und Dienstleistungen etwa 50 % des Bruttoinlandsprodukts. Der Anteil der Exporte am Bruttoinlandsprodukt der Schweiz ist seit 1990 fortwährend gestiegen, denn er lag zu Ende des Kalten Krieges noch bei einem guten Drittel.
- Auch beim Aussenhandel braucht es Einsatz und Wirken des Staates: Beim bilateralen Freihandel ausserhalb der EU und EFTA-Staaten setzt seit 2002 die Schweiz nicht mehr nur auf die Liberalisierung des Welthandels im Rahmen der Welthandelsorganisation WTO, sondern vermehrt auch auf bilaterale Freihandelsabkommen.
- Heute verfügt sie über 24 sogenannte Präferenzabkommen mit 33 Partnern.
- Seit Ende der Neunzigerjahre schliesst die Schweiz mit der Efta weltweit Freihandelsabkommen ab, so mit Mexiko, Singapur, Korea, den Staaten der Südafrikanischen Zollunion und dem arabischen Golfkooperationsrat. Auf bilateraler Ebene schloss die Schweiz 2009 ein Freihandelsabkommen mit Japan ab. Sie haben der Presse entnehmen könne, dass mit China ab nächstem Jahr verhandelt werden soll, und die Machbarkeit eines Freihandelsabkommens mit Indien wird zurzeit abgeklärt. Damit gehört die Schweiz zu den erfolgreichsten Ländern beim Abschluss von Freihandelsabkommen.
- Beim Aussenhandel im Jahre 2009 betrug die Ausfuhr von Gütern und Dienstleistungen etwa 50 % des Bruttoinlandsprodukts. Der Anteil der Exporte am Bruttoinlandsprodukt der Schweiz ist seit 1990 fortwährend gestiegen, denn er lag zu Ende des Kalten Krieges noch bei einem guten Drittel.
- Auch beim Aussenhandel braucht es Einsatz und Wirken des Staates: Beim bilateralen Freihandel ausserhalb der EU und EFTA-Staaten setzt seit 2002 die Schweiz nicht mehr nur auf die Liberalisierung des Welthandels im Rahmen der Welthandelsorganisation WTO, sondern vermehrt auch auf bilaterale Freihandelsabkommen.
- Heute verfügt sie über 24 sogenannte Präferenzabkommen mit 33 Partnern.
- Seit Ende der Neunzigerjahre schliesst die Schweiz mit der Efta weltweit Freihandelsabkommen ab, so mit Mexiko, Singapur, Korea, den Staaten der Südafrikanischen Zollunion und dem arabischen Golfkooperationsrat. Auf bilateraler Ebene schloss die Schweiz 2009 ein Freihandelsabkommen mit Japan ab. Sie haben der Presse entnehmen könne, dass mit China ab nächstem Jahr verhandelt werden soll, und die Machbarkeit eines Freihandelsabkommens mit Indien wird zurzeit abgeklärt. Damit gehört die Schweiz zu den erfolgreichsten Ländern beim Abschluss von Freihandelsabkommen.
Frauen im Aussenhandel
- Für die operative Abwicklung der Exportgeschäfte sind in der Schweiz hauptsächlich die Frauen verantwortlich: Die deutliche Mehrheit dieser Tätigkeiten führen Frauen aus. Am Samstag, 18. September 2010 wurden den erfolgreichen Prüfungsabsolventen der eidg. Export-Prüfungen 2010 (eidg. höhere Fachprüfung für den Exportleiter/die Exportleiterin und eidg. Berufsprüfung für den Exportfachmann/die Exportfachfachfrau) die Diplome und Fachausweise übergeben. Den besten Abschluss erzielte eine Frau.
- In Führungspositionen von Grossfirmen – und ich möchte dies betonen - sind die Frauen jedoch nur äußerst schlecht vertreten. Immerhin führt mit Frau Monika Ribar als CEO von Panalpina eine Frau eines der grossen Logistikunternehmen, das ohne Aussenhandel gar nicht denkbar ist.
- Für mehr Frauen im Aussenhandel und insbesondere auch in Führungspositionen spricht, dass dort Offenheit, interkulturelle Sensibilität und insbesondere Sprachkenntnisse gefragt sind. So wünscht sich den auch Frau Professor Renate Schubert, Ökonomin an der ETHZ „dass noch mehr Frauen es nach ganz oben schaffen. Schliesslich wissen wir, dass die gemischtgeschlechtlichen Teams oft besonders gut sind. In Krisenzeiten sind die Frauen mit ihrer Vorsicht und Sorgfalt wichtig. Wenn es gut läuft, bringen Männer mit ihrer Spiellust entscheidende Impulse in die Wirtschaft. Ein gesunder Mix kann daher als vorteilhaft für die Gesellschaft insgesamt angesehen werden.“ Das gilt auch im Aussenhandel!
In dieser Beziehung tut sich bei den vielen Klein und Mittelunternehmen (KMU) in der Schweiz seit einiger Zeit erstaunliches. Was zu meiner Zeit noch eher eine Seltenheit war, ist heute zwar noch immer nicht gerade an der Tagesordnung, wird aber je länger je mehr praktiziert. In den Nachfolgeregelungen innerhalb der Familienunternehmungen werden die Töchter genauso berücksichtigt, wie die Söhne. Nicht nur als Familienmitglied stehen in den KMU den Frauen die Türen offen. Sie werden auch in den Geschäftsleitungen willkommen geheissen, wenn sie den nötigen Rucksack mitbringen.