Sehr geehrter Herr Vizepräsident der Seimas
Geschätzte Kollegen und Kolleginnen beider Länder
Meine Damen und Herren

Die Schweiz hat schon immer eine tiefe Sympathie für die baltischen Staaten und ganz besonders für das mutige Volk Litauens empfunden. Es war uns ein Anliegen, mit diesen unabhängigen Ländern, die von 1920 bis 1940 zusammen mit der Schweiz im Völkerbund vertreten waren, die Beziehungen wiederaufzunehmen. So haben wir 1997 eine estnische und 1998 eine lettische Delegation empfangen. Nun fällt uns gar das einmalige Privileg zu, Sie fast auf den Tag genau zehn Jahre nach der Ausrufung der Unabhängigkeit Litauens hier begrüssen zu dürfen.

Wie Präsident Vytautas Landsbergis gesagt hat, wurde mit jenem 11. März 1990 der Anfang vom Ende der UdSSR eingeläutet. Inzwischen lebt Ihr Land wieder in Freiheit und es hat einen bemerkenswerten Weg in Richtung Marktwirtschaft zurückgelegt. Litauen hat sich auch auf internationaler Ebene behauptet, indem es sowohl in Regierungs- als auch in parlamentarischen Organisationen wertvolle Beiträge geleistet hat.

Wie ein Blick in die Geschichte unserer bilateralen Beziehungen zeigt, schrieben sich bereits im Jahre 1536 erste litauische Studenten an der Universität Basel ein ; und während der Reformation pflegte Litauen Kontakte mit Genf.

Nach den Aufständen im 19. Jahrhundert gegen die damalige Russifizierung, welche unter dem Motto « Ein Zar - eine Kirche – eine Sprache » durchgesetzt wurde, kamen Studenten und politische Flüchtlinge in die Schweiz. Die Universität Freiburg wurde von vielen litauischen Studenten besucht. Zu den Absolventen, die in der Schweiz einen akademischen Titel erwarben, gehörten der Erzbischof Matulaitis, der Dichter Gusraitis und der Philosoph Salkauskis.

In Zürch studierten P. Grigaitis, der Sozialistenführer und spätere Rektor der Universität Kaunas, sowie J. Saulys, der Unterzeichner der Unabhängigkeitserklärung von 1918.

Ebenfalls von Bedeutung ist auch J. P. Gabrys, der in Lausanne eine Informationsstelle gründete und während des ersten Weltkrieges in der Schweiz Vorträge über die Selbstbestimmung der russischen Nationen organisierte.

Dies zeigt, dass zwischen der Schweiz und Litauen schon schon von alters her Kontakte gepflegt wurden : Diese Beziehungen müssen nur noch – und das liegt uns sehr am Herzen - weiterentwickelt und vertieft werden.

Als Liebhaber des Gesangskunst – genauer gesagt des Jodels – wäre es mir ein Vergnügen, hier Ihre Landeshymne anzustimmen : "Litauen, unser Vaterland / Land der angebetenen Helden ! / Lässt die Kraft der Söhne zeigen / Von unseren Erfahrungen der Geschichte".

Wir hoffen, dass es Litauen gelingen wird, die wirtschaftlichen Schwierigkeiten, die es vor allem auf dem Gebiet der Arbeitslosigkeit kennt, zu überwinden. Wie der 26jährige Student Leonas Matulevicius in einem Artikel einer Schweizer Zeitung vom letzten Freitag sagte, schaut Litauen in eine verheissungsvolle Zukunft, und der Jugend stehen viele Möglichkeiten offen. Jenen, die ihren Blick gerne in die Vergangenheit richten, riet er, zu schauen, was sich derzeit im benachbarten Weissrussland abspielt.

Mit dem gleichen Optimismus – einem verheissungsvollen Blick in die Zukunft Litauens – möchte ich meine Worte beenden. Ich erhebe mein Glas auf die Gesundheit Ihres Volkes, auf das Wohlergehen seiner politischen Führer und auf die Freundschaft zwischen unseren beiden Ländern.