Sehr geehrter Herr Präsident
Meine Damen und Herren Abgeordneten

Es ist mir eine große Ehre, die schweizerische Parlamentarierdelegation bei diesem Besuch anzuführen, nachdem der Präsident der russischen Staatsduma die Schweiz vor zwei Jahren besucht hat. Diese gegenseitigen Besuche prägen die Entwicklung der Beziehungen zwischen unseren Parlamenten, die neben den Kontakten unserer Regierungen gepflegt werden.

Russland ist für die Schweiz, historisch gesehen, kein Neuland. Vor allem die menschlichen Kontakte zwischen unseren Ländern gehen bis zu den Reformen des Zaren Peters des Grossen zurück. Später weiteten sich die Verbindungen aus und im 19. Jahrhundert beherbergte die Schweiz nicht nur viele bedeutende russische Emigranten, sondern auch bereits die ersten Touristen.

Unsere beiden Länder, so unterschiedlich sie hinsichtlich Fläche und Bevölkerungszahl sein mögen, verbinden heute gewisse institutionelle Ähnlichkeiten. So beruhen unsere Parlamente beide auf dem Zweikammersystem: unser Ständerat entspricht Ihrem Föderationsrat und unser Nationalrat Ihrer Duma. Wir freuen uns, dass unser traditionsreicher multiethischer Föderalismus bei Ihrer Suche nach einem effizienteren Aufbau der neuen russischen Föderation so viel Aufmerksamkeit findet.

Auch unsere zwischenparlamentarischen Kontakte haben sich in letzter Zeit neu belebt. Vor einigen Monaten hatte die Präsidentin des Ständerates die Ehre, den Präsidenten des Föderationsrates, Jegor Strojew, in Bern empfangen zu dürfen. 1999 war es unseren Vertretern in der Parlamentarischen Versammlung des OSZE vergönnt, in den historischen Räumen der alten Duma in St. Petersburg zu tagen. Und heute freue ich mich, mit meinen Kollegen Ihrer neuen Duma, die an die parlamentarische Tradition vom 1905 anknüpft, einen Besuch abstatten zu dürfen.

Die Russische Föderation wird bald ihr zehnjähriges Jubiläum feiern. Trotz der ungeheuren Herausforderungen und Probleme, die sich Ihrem Land und seiner Bevölkerung mit diesem Neuanfang stellten, ist inzwischen schon viel erreicht worden. So hat die Duma viele wichtige Gesetzesgrundlagen verabschiedet, die zur Festigung der Rechtssicherheit und des Wohlstandes beitragen dürften. Noch bleibt viel zu tun, aber dank des enormen geistigen Potenzials und des grossen natürlichen Reichtums dieses Landes kann die weitere Entwicklung mit einiger  Zuversicht erwartet werden.

Wir möchten auch mit allem Nachdruck bekräftigen, dass Russland in unseren Augen beim Aufbau des europäischen Sicherheitssystems eine vorrangige Rolle spielen muss, denn ohne die volle Beteiligung Ihres Landes sind alle Anstrengungen auf diesem Gebiet nur von geringem Wert. Die Schweiz hat ihre eigenen Vorstellungen, dazu gehören insbesondere die Neutralität, die Blockfreiheit und die Guten Dienste gegenüber Konfliktparteien. Dies bedeutet aber nicht, dass wir uns abkapseln wollen, wie das Parlament mit seinem Beschluss, dem Schweizer Volk erneut den UNO-Beitritt zu empfehlen, bewiesen hat.

Was die Menschenrechte anbelangt, sind wir froh, dass alle Mitgliedländer des Europarates sich den Grundwerten verpflichtet haben, welche in der Europäischen Menschenrechtskonvention hochgehalten werden. Ich denke hier besonders an die Aufhebung der Todesstrafe. Die Schweiz ist die Hüterin der Genfer Konventionen, deren Sinn und Geist unserer Meinung nach vollumfänglich befolgt werden sollten. Die Schweiz steht geschlossen hinter den hehren Gedanken eines Henri Dunant, der sich einzig vom Willen leiten liess, den Opfern kriegerischer Auseinandersetzungen zu helfen, unter denen sich heute immer mehr Zivilpersonen finden.

Wir alle werden heute vom internationalen Terrorismus bedroht. Die Zusammenarbeit, die wir entfalten können, indem wir die Anstrengungen der Vereinten Nationen unterstützen und eigene Massnahmen ergreifen, dient dazu, den Weg zu einer weniger gefährlichen und friedlicheren Welt zu finden. Dabei gilt es vor allem, die Gelder krimineller Herkunft in den Griff zu bekommen.

Mit der Öffnung der Grenzen sind die Völker einander näher gerückt. Jahr für Jahr kommen 50'000 Russen und Russinnen die Schweiz besuchen, und viele vom russischen Geist, der glorreichen Vergangenheit und der kulturellen Vielfalt Grossrusslands faszinierte Schweizerinnen und Schweizer machen sich alljährlich auf, um Ihr Land zu entdecken. Wir lernen, uns näher zu kommen, und auch dieser Besuch dient der gegenseitigen Entdeckung.

Ich erhebe mein Glas zu Ehren der Staatsduma der Russischen Föderation, ihres Präsidenten Gennadij Seleznjow und seiner Begleiter. Ich danke der Duma für ihren herzlichen Empfang und wünsche unseren beiden Parlamenten weiterhin eine gute Zusammenarbeit.

Es lebe die schweizerisch-russische Freundschaft!