Sehr geehrter Herr Präsident der Volkskammer,

meine sehr geehrten Herren aus Bosnien-Herzegowina,

Liebe Genossinnen, Lieber Genosse !

Es ist mir eine große Ehre, Sie zu diesem Essen, das zu Ihren Ehren gegeben wird, einladen zu dürfen und Ihnen die herzlichen Grüsse des Nationalrats zu übermitteln.

Gestern Morgen, bei unserem ersten Zusammentreffen spürten wir wie groß Ihre Sehnsucht nach Frieden und Eintracht zwischen Ihren drei Volksgruppen ist und ebenso spürten wir Ihren Willen zusammen zu leben.

Ihre herrliche Flagge erinnert mit ihrem gelben Dreieck, das als Symbol für die Leben spendende Sonne steht, an die drei Volksgruppen Bosnien- Herzegowinas und an die Form Ihres Landes. Die Sterne der Europäischen Union stehen für die Unendlichkeit und blau ist die Farbe der Vereinten Nationen. Diese zwei Organisationen sind in der heutigen Welt natürlich von großer Bedeutung. Zu der einen unterhält die Schweiz enge Beziehungen und seit fast einem Jahr ist sie Mitglied der anderen. Ihre 1998 eingeführte stolze Flagge ist von nun an überall in Ihrem herrlichen Land zu sehen. Ich wünsche ihr eine wunderbare Zukunft in einer befriedeten und stabilisierten Balkanregion.

Die Schweiz will in keiner Weise als Modellstaat auftreten. Sie ist jedoch bereit, ihre Erfahrung weiter zu geben. Ihre Institutionen wurden im Laufe ihrer langen Geschichte entwickelt. Ihre Funktionsmechanismen sind sehr komplex und sehr subtil. Sie haben sicher bemerkt, dass wir das Subsidiaritätsprinzip auf unsere Weise anwenden. Ihre kollektive Staatsführung erinnert an unseren Bundesrat. Ihr Völkerkammer mit seinen drei mal fünf Mitgliedern erinnert an unseren Ständerat mit seinen 23 mal 2 Mitgliedern. Ihre Institutionen, genauso wie die unseren, sind vielleicht komplex, aber sie sichern eine gerechte Gewaltenteilung.

Meine lieben Kollegen,

die Geschichte ihres geschätzten Volkes ist bekannt. Es hat unsägliches Leid ertragen müssen. Wir erinnern uns natürlich der tragischen Bombardements des Marktes von Sarajevo genauso wie der schweren Belagerung Ihrer Hauptstadt. Der Name Srebrenica wird für immer für eine Märtyrerstadt stehen. Genauso wie Bihac, Zepa, Gorazde et Tuzla. Schon kurz nachdem Sie die Unabhängigkeit erlangt hatten, wurden Sie von einem mächtigen Nachbarn angegriffen und als Geisel genommen.

Trotz der körperlichen und seelischen Wunden haben Sie sich entschlossen fortzuschreiten, und vielleicht wird eines Tages die wieder aufgebaute Brücke von Mostar die Völkerverständigung in Bosnien Herzegowina symbolisieren. Ihr Mut und Ihre Weitsicht verdienen unsere moralische Unterstützung aber auch unsere Unterstützung beim wirtschaftlichen Wiederaufbau.

Ich weiß, dass der Hohe Kommissar der OSZE, Lord Paddy Ashdown, morgen vor dem Ständigen Rat in Wien sprechen wird. Die Schweiz unterstützt natürlich seine Initiativen, insbesondere sein Projekt « Justice and Jobs ».

Ich erhebe mein Glas auf die Einheit Ihres multikulturellen Landes, auf seine Führer und das Wohlergehen des gesamten bosnischen Volkes und auf Ihre persönliche Zukunft.