Sehr geehrter Herr Präsident
Werte Kolleginnen und Kollegen aus Bulgarien und der Schweiz
Liebe Freunde

Am 11. Juni 2002 erwähnte die dynamische bulgarische Botschafterin in der Schweiz, Frau Ivanka Petkova, gegenüber einem meiner Vorgänger, dass Sie, Herr Präsident, uns gerne zu einem Parlamentarierbesuch nach Bulgarien, dem Land der Rosen, einladen würden. Wir danken Ihnen von ganzem Herzen für diese Einladung, der wir nach dem Schweizer Besuch des Präsidenten Sokolow im Jahre 2000 gerne gefolgt sind.

Sehr geehrter Herr Präsident, werte Anwesende, wenn der schweizerische Nationalratspräsident am offenen Fenster seines Büros steht, kann er bei sehr gutem Wetter die Schönheit der Alpen betrachten, bei gutem Wetter die Nixen im nahen Marzilibad und bei jedem Wetter die bulgarische Botschaft, denn die Residenz der Frau Botschafterin liegt genau auf der gegenüberliegenden Seite der Aarebrücke, so nahe am Bundeshaus wie keine andere Botschaft!

Heute befinden wir uns in der Hauptstadt des schönen Bulgariens. Obwohl unser Aufenthalt nur kurz ist, hat uns Sofia – auf Griechisch „die Weise“ – in ihren Bann gezogen. Die kulturellen Schätze dieser geschichtsträchtigen Stadt, die unvergleichliche Schönheit der Klöster und das für Osteuropa so bedeutende Erbe der Heiligen Kyrill und Methodius haben uns zutiefst beeindruckt.

Bulgarien lebt, und dies ganz offensichtlich mit Erfolg, in einer Kulturenvielfalt. Es ist erfreulich zu sehen, wie die türkische Minderheit hier ihren Platz erhalten hat und wie das Zusammenleben mit den griechischen, armenischen und jüdischen Gemeinschaften funktioniert. Auch wir wissen aus eigener Erfahrung, wie wichtig es ist, dass verschiedene Sprachgemeinschaften in ein und demselben Land beisammen sein können. Unsere Delegation setzt sich denn auch aus Vertretern der vier Landessprachen der Schweiz zusammen: Frau Heim und Herr Laubacher gehören der deutschen, Yves Christen, mein Amtsvorgänger, der französischen, unsere Generalsekretärin, Frau Wallimann-Bornatico, der italienischen, und Herr Cathomas, der Vertreter des Kantons Graubünden, der rätoromanischen Gemeinschaft an.

Vor knapp fünfzehn Jahren war Bulgarien noch eine kommunistische Diktatur. Unterdessen ist hier eine parlamentarische Demokratie entstanden und das Land steht auf der Schwelle zur Europäischen Union. Wir wissen, dass dieser Übergang zu Demokratie und Marktwirtschaft nicht leicht war.

Die Anstrengungen, die Ihr Land unternommen hat, verdienen die Bewunderung aller befreundeten Länder und somit auch der Schweiz. Sie wurden von Erfolg gekrönt: Das Bruttoinlandsprodukt ist in den letzten Jahren um fünf Prozent gestiegen; das Finanzsystem ist bemerkenswert stabil; die Inflation wird mit der Euro-Parität des Lev gebändigt; der Haushalt ist ausgewogen und die Privatisierungen sind praktisch abgeschlossen; die ausländischen Investoren werden von den günstigen Arbeitskräften angezogen. 
Bei dieser Gelegenheit soll die bemerkenswerte Leistung Ihres Premierministers Simeon Sakskoburggotski, - oder einfacher Simeon von Sachsen-Coburg-Gotha -  nicht unerwähnt bleiben, dank der Bulgarien in die NATO und vor die Pforten der EU geführt worden ist. Wir sind uns des aussergewöhnlichen Schicksalsweges bewusst, den Simeon II seit der Thronbesteigung vom 28. August 1943 bis zum 24. Juli 2001, dem Tag, als er nach einem triumphalen Wahlsieg bulgarischer Regierungschef wurde, zurückgelegt hat. Erfreulich ist auch die Kohabitation zwischen dem Staatspräsidenten Georgi Purvanov und dem ehemaligen Monarchen, zwei Persönlichkeiten, die nichts miteinander zu verbinden scheint als die gemeinsame Verantwortung für ihre bulgarische Heimat. Ex-König Simeon hat somit geholfen, die Republik zu festigen, was für ihn und sein Wirken keineswegs ein Paradox darstellt.
Dieses Jahr haben Sie den Vorsitz der OSZE inne und wir begrüssen die bemerkenswerte Leistung Ihres Aussenministers Solomon Passy, der sich um die Regelung komplexer Probleme bemüht. Ihr Land pflegt heute ausgezeichnete Beziehungen zu seinen Nachbarstaaten. Das ist einmalig in der Geschichte dieses Landes und ist in der Geschichte des Balkans von seltenem Wert.

Am 4. Februar 1997 strömten die Menschen, nachdem eine Protestkundgebung zu einem Einvernehmen geführt hatte, zu der Schweizer Botschaft, wo der damalige Missionschef Gaudenz Ruf die Demonstranten zu Tee oder Kaffee im Hof seiner Residenz eingeladen hatte.

Die Schweiz möchte noch etwas mehr tun und Bulgarien helfen, wo dies in ihren Kräften steht. Wir haben unsere Zusammenarbeit auf  die Umwelt, den Wald, die elektrische Energie, die Abwasserreinigung, die Stärkung der KMU, das Gesundheitswesen und den Kinderschutz ausgerichtet. Damit öffnet sich für uns ein breites Feld für Investitionen.

Ich wünsche unseren beiden Ländern eine gedeihliche Zukunft, der schweizerischen Bundesversammlung und der bulgarischen Nationalversammlung weiterhin gute Beziehungen und entbiete Ihnen persönlich, Herr Präsident Ognian Gerdzikov, meine besten Wünsche.

Es lebe die Freundschaft zwischen den 8 Millionen Bulgarinnen und Bulgaren und den 7 Millionen Schweizerinnen und Schweizern!