Verehrte Damen und Herren! Liebe Gäste!

Ich bedanke mich sehr herzlich für die Einladung! Es ist mir ein Vergnügen und eine grosse Ehre, heute die 29. Herbstmesse Solothurn HESO zu eröffnen. Schön, dass es im Alltag von einem Politiker auch viele angenehme Aufgaben gibt. Dazu zählt neben Einladungen zu Premieren, der Teilnahme an Festivals oder Spatenstichen auch das Durchschneiden von Bändern, wie hier an der Eröffnung der HESO. Als Einheimischer fällt mir diese Aufgabe natürlich besonders leicht, zähle ich doch gerade auch zum Zielpublikum! So habe ich natürlich schon manche HESO miterlebt, sie gehört sozusagen zum festen Jahresablauf von uns Solothurnern. Seit Jahrzehnten verwandeln die bunten Stände und die fröhliche Stimmung die Stadt jeweils im September in ein spannendes Festgelände.
In dieser Zeit ist die HESO zu einem ganz eigenen Markenzeichen geworden. Viel mehr als eine Leistungsschau, ist sie heute eine bedeutende Ausstellung und Messe mit grosser regionaler Ausstrahlung. Doch vieles hat sie aus den Ursprüngen mitgenommen. Gerade weil die HESO ein Grossereignis für die Region Solothurn darstellt, das traditionelle Strukturen und moderne Innovationen geschickt verbindet, bin ich besonders gerne gekommen. Allerdings will ich nicht verhehlen, dass ich auch die Vorzüge des kulinarischen und kulturellen Rahmenprogramms zu schätzen weiss!

Meine Damen und Herren!

Neben den zahlreichen Beizen und Bars erwarten Sie heute 265 Aussteller, eine Sonderausstellung mit weiteren 31 Ausstellern, eine Handwerkermesse, ein Streichelzoo und vieles mehr. Damit unterscheidet sich die HESO gar nicht so stark von ihren Vorgängern aus dem Mittelalter: Wie die Marktplätze von damals präsentiert sie sich als wahrhaftiges „Fest der Sinne“ mit faszinierenden Produktwelten und einem lebendigen Rahmenprogramm. Seit bald 30 Jahren lockt die Herbstmesse unterschiedlichste Menschen mit spannenden Ausstellungen und vielfältigen Zusatzattraktionen nach Solothurn. Schon im Mittelalter ist auf Jahrmärkten und Bauernmärkten mit Leinen und Tüchern, mit Vieh und Büchern gehandelt worden. Heutzutage steht der Direktverkauf eher im Hintergrund: Es geht primär um den Informationsaustausch und um die Kontaktpflege. Also was man Neudeutsch als „Networking“ bezeichnet. Aber wie schon in den Jahrhunderten zuvor lässt einem ein Ausflug an die Messe auch fremde Düfte schnuppern, neue Produkte entdecken und bekannte Gesichter treffen.
Mit der vielfältigen Leistungsschau und der gemütlichen Atmosphäre ist die HESO nicht nur für die Aussteller und die Bevölkerung ein grosses Ereignis, sondern auch ein Beitrag zum kulturellen Leben sowie natürlich eine prima Standortwerbung für Solothurn! Und wenn ich mir die Autoschilder auf den Parkplätzen ansehe, stelle ich erfreut fest, dass die Herbstmesse nicht nur lokale Ausstrahlung hat, sondern auch Gäste aus weiteren Regionen anzieht! Mit den rund 100'000 Besuchern ist die HESO selber ein bedeutender wirtschaftlicher Faktor für die Region. In den nächsten Tagen können sich nicht nur die Aussteller, sondern auch die Stadt Solothurn, die Hotellerie, die Gastronomie und die Verkehrsbetriebe von ihrer besten Seite zeigen!
In diesem Sinne möchte ich den Organisatoren, allen voran Walter Jenny und Roger Saudan von der HESO-Geschäftsstelle, für ihre konstante Leistung danken. Dank ihrem anhaltenden Mut zur Erneuerung von dieser Messe, ist und bleibt sie für den Standort und die Region Solothurn eines der bedeutsamsten Ereignisse. Jahr für Jahr wird dafür gesorgt, dass sich alles bewegt in Solothurn und die HESO mit immer mehr Attraktionen aufwarten kann.

Im Zentrum stehen aber nach wie vor die Aussteller. Sie sind ein treffendes Abbild von der Schweizer Wirtschaftsstruktur, in dem Sinne dass sie sich in erster Linie aus vielen kleinen und mittleren Unternehmen zusammensetzen. Denn nur gerade ein halbes Prozent von den Firmen in unserem Land haben mehr als 250 Beschäftigte. Fast alle Unternehmen, nämlich 98%, beschäftigen sogar nur 50 oder weniger Mitarbeitende. Diese KMU erwirtschaften mit Erfindungsgeist, unternehmerischem Mut und Innovationen eine hohe Wertschöpfung für die Region. Die Wirtschaftsstruktur in unserer Region hat Vorbildfunktion für die Schweiz und die HESO ist Ausdruck davon. Wenn es also seit einiger Zeit mit der Wirtschaft aufwärts geht, haben wir das diesen kleinen und ganz kleinen Unternehmen zu verdanken. Und was gibt es Besseres, als diesen Unternehmen eine Plattform zu bieten, wo sie sich und ihre Produkte und Dienstleistungen präsentieren können?

Der Begriff von der Leistungsschau hat zwar ursprünglich die Vorführung von landwirtschaftlichen Leistungen bezeichnet. Die französische Wendung „concours de bétail“ – wortwörtlich: ein Viehwettbewerb – bringt dies deutlich zum Ausdruck. Natürlich sind die Landwirtschaft und die Bauernkultur auch heute noch zentral für jede grössere Messe von der OLMA bis zur BEA. Aber speziell hier im Mittelland kommt den KMU eine besondere Bedeutung zu, und ich finde, das Wort der Leistungsschau definiert sich je länger je mehr über die Leistung, welche die kleinen Firmen und die so genannten Mikro-Unternehmen für unsere Region und für unser Land erbringen. In diesem Sinne freut es mich besonders, dass die Leistungsschau HESO bereits zum 29. Mal zeigt, was fähige, innovative Unternehmer erzeugen und erarbeiten können. Und wir alle dürfen stolz darauf sein: Die Produzenten und Konsumenten im ganzen Land profitieren vom Elan und von den erfolgreichen Leistungen von den KMU, wie sie heute in Solothurn – stellvertretend für die ganze Schweiz – vorgeführt werden.
Dank der Anpassungsfähigkeit von ihren Strukturen, der Flexibilität von ihren Mitarbeitenden und dem hohen Spezialisierungsgrad befinden sich die KMU von der Schweiz in einer hervorragenden Ausgangslage und müssen selbst den harschen internationalen Wettbewerb nicht scheuen. Sie zeigen, dass Wohlstand nicht mit staatlichen Subventionen und risikoscheuem Pessimismus, sondern mit Eigeninitiative, Risikobereitschaft und innovativen neuen Produkten und Leistungen geschaffen wird.
Die Sonderausstellung zum Thema „Regionale Präzision für die Autowelt“ führt uns diese Tatsache direkt hier an der HESO in geradezu beispielhafter Weise vor:
Dank ihren hervorragend ausgebildeten Fachkräften und den modernen Produktionsprozessen gibt es in der Schweiz über 60 Firmen, denen es gelingt, Teile, Maschinen und Anlagen kostengünstig und in höchster Qualität in die Automobilindustrie zu liefern. Sie schaffen es, sich in diesem Markt gegen die Konkurrenz aus Fernost zu behaupten. Die Schweizer Automobilindustrie hat aber nicht nur im Ausland als Zulieferer von Teilen und Produktionswerkzeugen einen exzellenten Ruf, sondern geniesst zweifelsohne auch im Inland als Auftrag- und Arbeitgeber ein hohes Ansehen. Ein gutes Drittel von diesen Firmen ist hier in Solothurn präsent. Es freut mich, dass die Aussteller von der Sonderschau ihre Qualitäten und ihre Bedeutung für die Region demonstrieren können, insbesondere was ihre Rolle als Arbeitgeber und Ausbildungsstätten betrifft. Darüber hinaus können sie zeigen, was dieser Industriezweig für die Autohersteller in alle Welt liefert: Praktisch in jedem neuen Auto – sei es ein Luxuswagen aus britischer Produktion oder ein Billigmodell aus Asien – finden sich nämlich Teile, die in der Schweiz hergestellt oder zumindest mit Schweizer Anlagen produziert worden sind und viele davon stammen aus unserer Region.

Die herausragende Stellung von diesen Firmen, meine Damen und Herren, ist aber nur möglich, wenn drei Grundbedingungen erfüllt sind:
  
 • Erstens können die Unternehmen ihre Spitzenleistungen nur weiterhin erbringen, wenn sie auf hervorragend ausgebildete Fachkräfte zurückgreifen können. Da sind Politik und Wirtschaft gefordert. Die Wirtschaft, die genügend Ausbildungsplätze und Lehrstellen anbieten muss, damit jeder junge Mensch einen Beruf erlernen kann, der seinen Talenten entspricht. Über 60 Prozent von allen Schulabgängerinnen und -abgänger absolvieren eine Lehre. Dies ist eine enorme Leistung von Industrie und Gewerbe für die Jugendlichen. Aber auch der Staat ist gefordert: Er muss für ein Bildungssystem sorgen, das eine optimale Ausbildung auf sämtlichen Stufen garantiert und den jungen Berufsleuten das nötige Handwerkszeug auf den Weg gibt.
 • Zweitens sollen die kleinen und mittleren Unternehmen unkompliziert und ohne administrative Hürden wirtschaften können. Dazu gehört neben dem Abbau von Regulierungen und der administrativen Entlastung auch die aktive Förderung des Pioniergeistes. Wie gesagt wird der grosse Teil unserer Volkswirtschaft von den Kleinunternehmen getragen – sie machen von 98% allen Firmen aus und beschäftigten über zwei Drittel von allen Arbeitnehmern. Nur wenn es ihnen möglich ist, sowohl auf dem Weltmarkt wie auch auf dem Binnenmarkt flexibel und effizient zu agieren, bleibt die Schweizer Wirtschaft erfolgreich.
 • Drittens gehört zu einer KMU-freundlichen Wirtschaftspolitik auch eine massvolle steuerliche Belastung. Ich hoffe, dass die Unternehmenssteuerreform und die Mehrwertsteuerreform in diesem Zusammenhang in Zukunft Verbesserungen bringen werden.
 
Heinrich Heine hat einst ein bisschen zynisch gesagt: „Der Staat kann uns nichts geben, ohne uns anderer Dinge zu berauben.“
In Bezug auf die Sozialpolitik ist das vielleicht nicht ganz falsch. Aber die Wirtschaftspolitik ist kein Nullsummenspiel. Es gilt die Devise, dass der Staat die Aufgabe hat, den Standort Schweiz konkurrenzfähig zu machen und zu halten. Die Wirtschaft hat dann die Aufgabe, in dieser Konkurrenz erfolgreich zu sein. Oder anders gesagt: Die politischen Rahmenbedingungen müssen stimmen, damit Unternehmen wieder etwas unternehmen können! In diesem Sinne freut es mich heute besonders, an der Sonderausstellung so viele unternehmende Unternehmen aus der Region zu sehen, denen der Transfer von Know-How, Innovation und Technologie gelingt und die sich erfolgreich in einem Nischenmarkt haben etablieren können.
Insgesamt können wir hier fast 300 Aussteller bewundern, die sich mit motivierten Mitarbeitenden und unternehmerischem Weitblick erfolgreich behaupten. Sie wissen, dass neben guten Produkten, fachmännischem Personal und einer durchdachten Logistik der persönliche Kontakt und ein stabiles Kunden- und Lieferantennetzwerk auch in einer globalisierten, digitalisierten Welt einen entscheidenden Erfolgsfaktor darstellt. In diesem Zusammenhang bietet eine Messe wie die HESO eine wichtige „Clusterwirkung“: Sie ermöglicht den Unternehmen auf einfachste Art, gegenseitig von Erfahrungen, Trends und Technologien zu profitieren. Deshalb scheuen sie keine Mühen, um Jahr für Jahr an einem der wichtigsten Ereignisse von der Region an vorderster Front präsent zu sein. Die HESO bietet für diese Unternehmen den kürzesten Weg für den Informationsaustausch mit seinen Lieferanten, Kunden und der Öffentlichkeit und ist somit – auch im Zeitalter von Internet und vollautomatischen Informationssystemen – das beste „Schaufenster“, das man sich wünschen kann.

Wie am Anfang erwähnt, sind das auch die Gründe, die mich persönlich jeden September nach Solothurn locken: Motivierte, innovative Unternehmen, die sich in einem traditionellen Rahmen, wo man sich kennt, präsentieren können. Das vielseitige Rahmenprogramm sorgt dabei für die nötige Prise Unterhaltung und die vielen gastronomischen Angebote garantieren, dass die Kontaktpflege für einmal auch ausserhalb der Büro-Öffnungszeiten stattfinden kann.

Ich wünsche den Organisatoren ein gutes Gelingen der 29. HESO und freue mich, Sie, liebe Besucherinnen und Besucher, an der Herbstmesse in Solothurn herzlich willkommen zu heissen und wünsche Ihnen viel Vergnügen.