Es gilt das gesprochene Wort!

 

In qualità di Vicepresidente ho l'onere, ma soprattutto l'onore, di esprimere il mio apprezzamento al nuovo Presidente del Consiglio degli Stati. Lasciatemi iniziare evidenziando alcune caratteristiche comuni delle nostre biografie: abbiamo entrambi l’età del nostro anno di nascita, abbiamo due figli ciascuno, proveniamo tutti e due dal giornalismo e politicamente potremmo persino far parte dello stesso partito. Filippo Lombardi, però, è membro del Consiglio degli Stati già dal 1999 (mille novecento novanta nove), ossia da tre anni più di me. E così l'ho seguito, gradino dopo gradino, lungo la scala che porta all'Ufficio della Camera alta. In veste di sostituto dovevo per così dire far sì che arrivasse in cima sano e salvo. Sciaffusa e il Ticino del resto, poli opposti a nord e a sud del Paese nonché  Cantoni di frontiera piuttosto esposti, condividono da sempre una sorta di destino comune.


Für unsere Sympathie zum Tessin gibt es eindrückliche Beweise. Als der Tessiner Stefano Franscini 1854 als amtierender Bundesrat die damals erforderliche Wiederwahl in den Nationalrat verfehlte, sprangen die Schaffhauser kurzerhand ein. Bei uns blieb im ersten Wahlgang der Majorzwahl einer der beiden Sitze frei. Nach einem Leserbrief reifte die die Idee, Franscini zu wählen. Das geschah im vierten Wahlgang. Bundesrat Franscini wurde im Amt bestätigt. Ich gehe davon aus, dass wir damals den Tessinern eine Freude bereiten konnten.
Übrigens, lieber Filippo, liebe Tessiner: Wussten Sie, dass Schaffhausen, seit 1501 im Bund, während rund 300 Jahren immer wieder einen Vogt im Tessin stellen durfte? Dies quasi als Gewinnbeteiligung an den Eroberungszügen der Eidgenossen. Auf der Fassade eines Palazzo in Cevio ist immer noch der Schaffhauser Bock zu entdecken. Die Sitze seien damals so begehrt gewesen wie heute ein Ständeratsmandat, dazu noch einträglicher. Die Schaffhauser hätten sich bei der Besetzung als „überaus einfallsreich im Erfinden von Mätzchen, im Gerangel um diese Pfründe“ erwiesen, hält Dr. Kurt Bächtold in seiner Schrift „Schaffhauser Landvögte im Tessin“ fest. Der Politiker und Lokalhistoriker hat übrigens im Amtsjahr 1973/74 als letzter Schaffhauser den Ständerat präsidiert. Der erwähnte Machtinstinkt der früheren Vögte scheint uns Schaffhausern über die Jahrhunderte irgendwie abhandengekommen zu sein, nicht aber unsere Fernliebe zum Tessin. Immerhin sei erwähnt , dass die Schaffhauser Vögte den Kanton Tessin nicht davon abgehalten haben, sich 1803 der entstehenden Schweiz anzuschliessen.


Wir Milizparlamentarier sind es gewohnt, auf mehreren Hochzeiten zu tanzen. Nebst unserem anspruchsvollen politischen Mandat als Standesvertreter haben wir berufliche und andere Verpflichtungen . Die einen weniger, die anderen etwas mehr. Filippo gehört zu den anderen. Er trägt bisweilen so viele und so grosse Hüte gleichzeitig, dass es für sein Durchkommen am Gotthard unbedingt eine zweite Röhre braucht. Sein Wirken bewegt mitunter die gesamte Nation und reicht sogar hinaus in die weite Welt, zur fünften Schweiz, den Auslandschweizern.


Als Tessiner Medienmogul und Kämpfer für die privaten Radio- und TV-Stationen und die Medienförderung generell entfaltet Filippo Lombardi Wirkung weit über das konzessionierte Sendegebiet hinaus. Das löst bei der staatlichen Konkurrenz und im Bundeshaus nicht nur Freude aus. Mit dem HC Ambri-Piotta reicht es gegenwärtig zwar nicht zu einem nationalen Spitzenplatz. Die Achtung der übrigen Schweiz ist dem Club aus der oberen Leventina jedoch allemal gewiss. Gegen das Duo Lombardi-Sawiris werden sich Berner Bären wie Zürcher Löwen künftig wärmer anziehen müssen!
Doch mediale Pionierleistungen und sportliche Anerkennung in Ehren. Spätestens, wenn es um Tessiner Standesanliegen geht, wird es für Filippo zur Herzensangelegenheit. Ob es um die zweite Gotthardröhre, SBB-Arbeitsplätze, Alptransit, Strassen und Brücken, die Förderung der Wasserkraft im Sopraceneri, die Grenzgängerproblematik mit Italien, die Zukunft des Waffenplatzes Monte Ceneri oder schlicht um mehr Italianità in Bund und Verwaltung geht, bricht buchstäblich das südländische Temperament durch. Es ist vergleichbar mit dem Anschwellen von Verzasca oder Maggia nach einem heftigen Sommergewitter. Wortgewandt und gestenreich kämpft Filippo für die Anliegen der Ticinesi. Spätestens wenn er von seinem hervorragenden Deutsch oder Französisch auf Italienisch umschaltet, wissen alle: Jetzt geht es für die Tessiner um Sein oder Nichtsein. Dann geht es fast schon wundersam her und zu im Stöckli: Die wenigsten verstehen, was er sagt, aber alle verstehen (wissen) genau, was er will.


Per un anno Filippo ci onorerà, invece che con le sue arringhe infuocate, con un corso gratuito di italiano. Il Presidente intende infatti condurre gli affari trattati al Consiglio nella sua lingua madre. Potrà senz'altro contare sulla nostra indulgenza: molto di più, in ogni caso, che sui nostri progressi in campo linguistico. In veste di Presidente della Camera è obbligato allo stesso modo nei confronti di tutti, non esprime pareri sugli affari e si astiene dal votare eccetto in caso di parità dei voti. Filippo come eunuco politico? La situazione non sarà poi così tragica. Come contropartita un Presidente ha più tempo da dedicare a incombenze accessorie quali ricevere ospiti ufficiali e deputati provenienti da tutto il mondo o curare i contatti con le autorità, il mondo economico e la popolazione. Insomma, può unire più spesso l'utile al dilettevole. Come networker e gaudente, caro Filippo, non dovresti avere alcun problema con questa combinazione. Ho già avuto modo di vederti in azione nel periodo che abbiamo passato assieme come scrutatori. Una volta, verso le dieci del mattino, Filippo mi ha detto che sarebbe stato assente dal Consiglio per un'oretta al massimo a causa di un incontro tra parlamentari ticinesi e rappresentanti del governo. Filippo tornò di ottimo umore e puntuale per presenziare alla seduta pomeridiana ... che iniziava alle 15. Che cosa non può fare il sole del Ticino persino sotto la cupola di Palazzo federale!
Il nostro Presidente apprezza il Merlot, ma deve essere quello giusto. Nell'anno della presidenza Lombardi quelli giusti sono quattro: quattro vini ufficiali del Presidente, due rossi e due bianchi. E già si inizia a speculare: un vino potrebbe essere riservato per le occasioni normali, mentre un altro ‒ «superiore» ‒ per le occasioni o per gli ospiti speciali. A me naturalmente – considerata la decisione in materia di trasparenza presa stamattina dal Consiglio degli Stati – interesserebbe sapere con quale vino abbiamo brindato lunedì alla tua onorevole elezione.


Filippo Lombardi gilt nicht nur als, sondern er ist äusserst sprachgewandt, hervorragend vernetzt und hat das Verhandlungstalent eines Spitzendiplomaten. Das sind beste Voraussetzungen für das Ständeratspräsidium und ist eine echte Chance für uns als die Kammer der Kantone. Ich erlaube mir darum, Dir zwei Wünsche mit auf den präsidialen Weg zu geben. Als Sohn eines Ingenieurs weisst Du bestens, was es heisst Verbindungen, Tunnels oder eben Brücken zu bauen. Wir werden diese Brücken im Innern des Landes wie nach aussen gut gebrauchen können. Nutze diese Chance! Und zweitens könnte es von Vorteil sein, Deine vielen Hüte wenn immer möglich zu Hause auf der Ablage zu lassen. Denn für die erfolgreiche Führung durch die komplexen Ratsgeschäfte braucht es ein klares Ziel, Übersicht und den jederzeitigen Durchblick. Dafür überreiche ich Dir symbolisch einen Puck, den Du hoffentlich immer sehen mögest. Und falls alle Stricke reissen sollten, hast Du ja noch zwei Vizepräsidenten. Filippo – wir alle freuen uns auf ein erfolgreiches Jahr mit viel Italianità! Evviva Filippo, evviva il Ticino, evviva la Svizzera!