​Die diesjährige Winterkonferenz des SGV steht u. A. auch im Zeichen der Berufsbildung. Und deshalb werden Sie nicht erstaunt sein, wenn ich kurz zu diesem Thema etwas sage, obwohl ich weiss, dass kaum an einem anderen Ort so viel Fachwissen dazu versammelt ist wie heute Abend. 
Aufgrund meiner langjährigen Erfahrungen – in der letzten Gewerbezeitung konnte man es nachlesen – kann ich mir kein besseres Berufsbildungssystem als das unsere vorstellen, und ich setze mich entsprechend auch ein. Dass die Schweiz nicht nur wirt-schaftlich, sondern auch gesellschaftlich im internationalen Vergleich so gut dasteht, hat ebenfalls sehr viel damit zu tun. Unser Berufsbildungssystem steht für jene Werte, die den Kern der Marke «Schweiz» definieren, der sich auch der sgv und Sie meine Kolleginnen und Kollegen in einem hohen Mass verbunden fühlen: Es geht dabei um Pflichtbewusstsein und Disziplin, Zuverlässigkeit und Pünktlichkeit, um konsequente Ausrichtung auf Qualität und um Kundenbedürfnisse. Die Praxisnähe der Berufslehre hat einen unersetzlichen Vorteil. Es ist eben nicht nur eine Lehre, sondern es ist für die jungen Menschen eine Lebensschule. Das Schulhaus dafür sind die KMU.

Ja, die KMU sind eben nicht nur das Herzstück unserer Volkswirtschaft, sie sind auch das Herzstück unseres Berufsbildungssystems: Der Anteil an Lehrstellen ist in Betrieben mit bis zu 9 Mitarbeitenden – also den K bei den KMUs - am höchsten. Man kann feststellen, dass es ein umgekehrt proportionales Verhältnis gibt zwischen Betriebsgrösse – sprich Vollzeitstellen – und Ausbildungsplätzen; je grösser der Betrieb, desto kleiner der prozentuale Anteil der Lehrstellen gemessen an den Beschäftigten. Die vergleichsweise hohe Zahl an Lehrlingen in den KMUs zeigt das überdurchschnittlich starke Interesse der kleinen – mehrheitlich traditionellen Handwerksbetriebe – an der beruflichen Grundbildung.
Wenn wir in der schweizerischen Wirtschaftsgeschichte etwas zurückblicken, stellen wir fest, dass sich gerade auch die Berufsbildung immer wieder den Veränderungen der Arbeitswelt anpasste: Als – um ein Beispiel zu nennen – das Zunftwesen im 19. Jahrhundert unter der neuen Handels- und Gewerbefreiheit und dem internationalen Güteraustausch aus den Fugen geriet, hatte das auch Folgen für die Ausbildung des Nachwuchses. Plötzlich konnten alle ein Gewerbe betreiben und junge Leute ausbilden. Freihandelsverträge und vor allem neue Transportmittel sorgten zusätzlich für Konkurrenz. Die hiesigen Handwerksbetriebe und die kleine Fabriken fühlten sich damals dem verschärften Wettbewerb nicht gewachsen. Statt auf Schutzzölle zu setzen, wie dies gefordert wurden, investierte das eidgenössische Parlament damals in die junge Generation und unterstützte ab 1884 die Berufsbildung – übrigens auf Initiative des Schweizerischen Gewerbeverbandes, der wenige Jahre zuvor gegründet worden war. Auf zunächst kantonale Erlasse folgte dann1930 das erste Bundesgesetz über die Berufsbildung. Seither sind Bund, Kantone und die Organisationen der Arbeitswelt bestrebt, ein hochstehendes Bildungsangebot auf die Beine zu stellen und weiterzuentwi-ckeln. Das ist – zugegebenermassen – nicht immer einfach; die Interessen, Erwartungen und Ansprüche der Partner sind nun mal nicht zu 100 Prozent deckungsgleich.

Auch auf Grund des internationalen Konkurrenzdrucks auf dem Arbeitsmarkt ist es richtig, dass der Bund auch heute sein Augenmerk noch stärker auf die Berufsbildung richtet. Ich bin sehr gespannt auf die Resultate des Strategieprojekts des Staatsekretariats für Bildung, Forschung und Innovation, das letztes Jahr lanciert wurde und nun binnen dreier Jahre Vorschläge erarbeitet, wie die höhere Berufsbildung gestärkt und ihre Anerkennung national und international verbessert werden kann. Dabei muss zwingend auch die Frage der Finanzierung der höheren Berufsbildung angegangen werden. Die Erwartungen der KMU an das SBFI und vor allem an seinen Chef, sind hoch, und das absolut zu Recht. Der Verfassungsartikel über die Gleichwertigkeit darf nicht toter Buschstabe bleiben. Eine Verfassung schreibt man bekanntlich nicht, um schöne Grundsätze zu deklarieren, sondern um sie umzusetzen. Das gilt – am Rande vermerkt – nicht nur für die Berufsbildung, sondern auch für andere, jüngst angenommene Verfassungsartikel.
Dass das Jahr 2014 zum „Jahr der Berufsbildung" erkoren wurde, ist für’s erste schon einmal ein gutes, ein sehr gutes Zeichen. Gut auch, dass die Berufsmeisterschaften „SwissSkills“ just in die Herbstsession fallen. Sie können sicher sein, ich werde meine Kolleginnen und Kollegen im Nationalrat auffordern, diese einzigartige Plattform zu besuchen. Dort können sie sich überzeugen, wie vielseitig und hochstehend das Be-rufswesen in der Schweiz ist.

Die KMU, meine Damen und Herren, sind, wie gesagt, das Herzstück von Berufsbildung und Volkswirtschaft – und – sie sind auch bedeutender Teil unsere Gesellschaft. Dazu möchte ich zum Schluss noch ganz kurz etwas Grundsätzliches sagen.
Das Unternehmertum hat sich über Jahrhunderte gewandelt, angepasst und neu orien-tiert. Eines ist ihm dabei aber geblieben. Mit persönlichem Einsatz, den Blick nach vorne gerichtet und dem Glauben an die Zukunft haben Handwerker, Handelsleute und Dienstleistungsbetriebe sich immer wieder neu behauptet. Dabei konnten sie sich auf einen Partnerin berufen, die über alle Zeit fast unscheinbar und ohne grosses Aufsehen die Volkswirtschaften beeinflusste und sie auch in Zukunft beeinflussen wird.
Sie fragen sich nun, wer diese unscheinbare und doch so wichtige Partnerin ist? Ich meine die Ethik. Es gab und es gibt vor allem auch in der Wirtschaft eine Kraft, eine Macht, die nicht rational, nach Franken und Rappen berechnet, auftritt. Es ist die Kraft der inneren Haltung der Menschen zu Leistung, Kapital, Mitarbeiter, Staat, Gesellschaft und zu sich selber. Gerade das letzte Viertel Jahrhundert mit den negativen Auswüchsen der Globalisierung hat die ethische Verantwortung des Unternehmertums wieder in einem neuen Licht erscheinen lassen. Dabei kommen die KMU gut weg. Und das durchaus zu Recht.

Die KMU fordern deshalb zu Recht unternehmerische Freiheiten. Freiheiten im Tun, und manchmal eben auch im Nichttun. Die Zwillingsschwester der Freiheit ist die Ver-antwortung. Und diese Verantwortung gegenüber der Gesellschaft und dem Staat wer-den die KMU auch in Zukunft wahrnehmen; so wie sie es im Lauf der Geschichte immer wieder bewiesen haben. Zwischen KMU und Staat besteht ein grosses Abhängigkeit. Das wissen beide Partner. Das sollte, ja müsste den Staat in seinem eigenen Interesse dazu verleiten, eine gute Politik für eben diese KMU zu machen. Ich versichere Ihnen, das Parlament meint es grundsätzlich gut mit Ihnen, es gibt sich redlich Mühe, wenn-gleich es damit manchmal noch etwas Mühe hat.

Ich danke Ihnen auch im Namen meiner Kolleginnen und Kollegen der Bundesversammlung für Ihr grosses Engagement. So wie wir auf Sie zählen, sollen auch Sie auf uns zählen können. Ich wünsche Ihnen, Ihren Unternehmungen, Ihren Familien und Ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern für die Zukunft viel Glück und Erfolg.

rs