Es gilt das gesprochene Wort

Grusswort von Nationalratspräsident Ruedi Lustenberger

Meine Damen und Herren

Vielfalt, das ist das Motto der diesjährigen LUGA. Ich wurde gebeten, diesem Motto entsprechend einen musikalischen Gruss an die Luga-Eröffnung mitzubringen. Ich musste nicht lange studieren, um diesem Auftrag gerecht zu werden.  Dieses Motto verkörpert in idealer und sogar in mehrfacher Weise: Franz Stadelmann, ein Landsmann aus dem Entlebuch. Als Musiker spielt er nicht nur ein Instrument, sondern gleich sechs (Akkordeon, Klavier, Bass, Gitarre, Mandoline und Schwyzerörgeli). Er komponierte 200 Musikstücke, nahm 20 Tonträger auf und wurde für sein Werk mit dem „Oskar der Volksmusik“, dem goldenen Violinschlüssel ausgezeichnet. Daneben ist er notabene auch Automechaniker, Autofahrlehrer, Landwirt, Älpler – und Philosoph.  Älpler und Philosoph muss man vermutlich sein, um Text und Melodie in so spezieller Art zu vereinen, wie es nur Franz kann.

Das Lied, das sie soeben gehört haben, wurde vorgetragen von Fabienne Portmann, natürlich auch aus dem Entlebuch, aus Hasle um genau zu sein; am Luga-Schlusstag wird sie präzis 13-jährig. Zusammen verkörpern die beiden perfekt den Luga-Geist, der Jung und Alt zusammenbringt, der dem etabliertem Profi und dem Nachwuchstalent eine Bühne gibt und damit gelebte Tradition und  Volkskultur auch einem urbanen Publikum näherbringt.

Auch wenn der Franz und ich das parteipolitische Heu nicht immer auf der gleichen Bühne haben, so lässt er trotzdem  im Frühling das Gras auf seiner Alp ober Egelshorn am Napf für meinen Sommerbock spriessen und lässt im Herbst noch etwas übrig für meine Gämsen. Den Wolf und den Luchs allerdings, die liebt er nicht. Meine Haltung dazu kennen Sie auch.

Wenn ich Ihnen das so erzähle, geschätzte Gäste, dann mich nimmt jetzt wunder, was für einen musikalischen Gruss der Herr Regierungspräsident oder der Herr Stadtpräsident mitbringen. Wird es ihnen auch gelingen, einen politischen Mitbewerber zum Jodeln zu bringen? Zum Jodeln, nicht zum Jammern. Sind wir gespannt, was die nächste Luga bringt.

Die LUGA ist, neben der Holzmesse in Basel, meine Messe! Über die letzten 35 Jahre habe ich sie regelmässig besucht, habe immer wieder interessante Produkte entdeckt, Innovationen kennengelernt, gefachsimpelt und auf-schlussreiche Gespräche geführt. Und ich bin immer aufs Neue beeindruckt und begeistert von der Vielfalt, die unsere Region zu bieten hat. Nun hat dieser wunderbare Marktplatz von Wirtschaft, Gesellschaft und Kultur sozusagen am alten Platz einen neuen Standort gefunden.

Gut so. Hier können sich die KMU der Zentralschweiz noch besser in Szene setzen und sich Geltung verschaffen. Und um das geht es an einer Gewerbe- und Landwirtschaftsmesse schliesslich: Man zeigt seine Stärken, was man hat, was man kann und was man zu bieten hat. Dass die Kleinen in der Schweiz die Grossen sind, geht bei uns gerne vergessen. Es sind die KMU, welche die Schweizer Wirtschaft prägen. Sie machen zwar wenige Schlagzeilen; wenig heisst in diesem Fall auch, keine negativen. Das Gewerbe treibt unsere Volkswirtschaft voran. Und Sie, meine Damen und Herren, sind der starke Motor. Mit ihrer Präsenz hier vor Ort bieten Sie den Besucherinnen und Besuchern eine breite, reichhaltige Palette und führen vor Augen, wie kreativ, erfinderisch und professionell wir z’Mitts in der Schweiz sind.

Die KMU sind nicht nur das Herzstück der Wirtschaft, sie sind auch das Herzstück unseres Berufsbildungssystems: Gemäss Bundesamt für Statistik ist der Anteil an Lehrstellen im Betriebe mit bis zu 9 Mitarbeitenden am höchsten. Die vergleichsweise hohe Zahl an Lehrlingen zeigt das überdurchschnittlich starke Interesse der kleinen – mehrheitlich traditionellen Handwerksbetriebe – an der beruflichen Grundbildung.

Grundsätzlich lässt sich zwischen Betriebsgrösse und dem Verhältnis von Ausbildungsplätzen und Vollzeitarbeitsstellen eine umgekehrt proportionale Beziehung ausmachen: je grösser der Betrieb, desto kleiner der Anteil der Lehrstellen. Das sage ich – gerade im Jahr der Berufsbildung 2014 – besonders gerne. Es ist wichtig und richtig, dass an der Werkschau des regionalen Gewerbes auch die Jugend vertreten ist.

So wird ein Austausch ermöglicht, von dem beide Seiten profieren können. Die Jugendlichen realisieren, wie attraktiv und breit aufgestellt das Angebot an Branchen und Berufszweigen in der Zentralschweiz ist. Wenn wir den jungen Menschen eine Perspektive geben können, stärken wir das lokale Gewerbe. Gerade in Zeiten, wo grosse Städte den „Dichtestress“ beklagen, macht es doppelt Sinn, wenn die Arbeitsplätze zu den Menschen kommen.

Meine Damen und Herren

Die Organisatoren haben die vielgepriesene Vielfalt der Eidgenossenschaft an die LUGA geholt, indem sie den Kanton St. Gallen eingeladen haben. Die Tradition vieler Messen, anderen Regionen eine Plattform zu bieten, ist eine schöne. Sie öffnet den Geist und weckt Interesse.

Die Einheit in der Vielfalt – davon habe ich in meiner Eröffnungsrede im Nationalratssaal gesprochen – sie ist das tragende staatspolitische Element der Eidgenossenschaft, die Einheit in der Vielfalt begleitet mich in meinem Präsidialjahr. Ich habe das grosse Glück/Privileg, neue Facetten unseres Landes kennen zu lernen. Und sie können mir glauben, ich bin oft überrascht und begeistert, über den grossen Reichtum unseres kleinen Landes.

Bei uns wachsen Palmen und Reis, es wachsen Kraut und Rüben. Zwischen dem tiefsten und höchsten Punkt liegen 4438 Meter (Ufer des Lago Maggiore, Dufourspitze). Es gibt Orte, die sind so laut, da versteht man das eigene Wort nicht mehr, an anderen hört man das Gras wachsen. Wir sprechen zahlreiche Dialekte, haben vier Landessprachen. Gewisse Traditionen werden überregional gefeiert, andere sind einzigartig auf eine einzige Gemeinde bezogen.

Gejasst wir hier mit deutschen Karten, im Bernischen mit den französischen. Wir haben eine lebendige Volkskultur, pflegen viele Eigenarten, es gibt grosse Mentalitätsunterschiede, ein reges Vereinsleben und eine bunte Parteienlandschaft. All das zusammen gibt ein prächtiges Mosaik. Zu dieser Vielfalt, welche trotz allem eine Einheit – die Eidgenossenschaft – müssen wir Sorge tragen.

Aus diesem Facettenreichtum ergibt sich der Wettbewerb schon fast von alleine – ein Wettbewerb, der in den Kantonen Kreativität, Innovationskraft und Lösungsansätze spriessen lässt.

Kreativität, war vor genau 200 Jahren auch gefordert in St. Gallen. Damals, nach der Aufhebung der Mediationsverfassung, brauchte es grossen politischen Gestaltungssinn, um den damals jungen Kanton in seiner regional sehr differenzierten Ausdehnung und Grösse beibehalten zu können. Dank der politischen Weisheit der St. Galler gelang das, und seither ist St. Gallen grösser und auch nicht minder schön wie Luzern.

Nun, Grösse und Schönheit verpflichten. Wir sind glücklich, liebe Miteidgenossen aus St. Gallen, mit Ihnen einen ganz bedeutenden Kanton als Gast hier zu haben und danken für Ihr Mitwirken.

Und ich habe gehört, dass die Hohe Regierung des Kantons Luzern dieses Jahr auch an die Olma pilgert. In meinem Präsidialjahr halte ich mich mit politischen Spekulationen zurück. Deshalb wage ich die Frage nicht zu stellen, ob unsere kantonalen Magistraten einer Olma Bratwurst allenfalls den Vorzug gäben gegenüber einem feinen Züri Geschnetzelten.

Grosse Freude macht mir übrigens der Origami-Güggel , der die „Viel-Falt“ der LUGA symbolisiert. Ich habe versucht, den Güggel nach der Vorlage zu falten, bin aber grandios damit gescheitert…

Zu meiner Entschuldigung darf ich sagen, dass ich es als Schreinermeister eher mit handfesten statt filigranen Materialien zu tun habe, obgleich auch feinmotorische Fähigkeiten zum Rüstzeug meines neuen Berufes als Nationalratspräsident gehören. Aber davon erzähle ich Ihnen bei einer anderen Gelegenheit.

Nun wünsche ich wünsche Ihnen allen eine erfolgreiche Messe sowie alles Gute für ihre berufliche und private Zukunft! Ich meinerseits bin gespannt, was ich heuer Neues an der LUGA neues entdecken werde.