Gotthard

Nur drei Tage nach der Gotthard-Abstimmung hat der Nationalrat mit knapper Mehrheit entschieden, dass der Bundesrat das Verlagerungsziel des Güterverkehrs auf die Schiene prüfen soll. In Airolo am Gotthard-Südportal stösst dieser Schritt auf Unbehagen.Es sei verfehlt, so kurz nach der Abstimmung überhaupt über eine Anpassung des Verlagerungsziels zu diskutieren, sagte der Gemeindepräsident von Airolo, Franco Pedrini (CVP), der sda auf Nachfrage. Seine Gemeinde am Südportal des Gotthard-Strassentunnels bekommt eine Veränderung des Verkehrsaufkommens direkt zu spüren.In Airolo stimmten am Wochenende 76,4 Prozent der Stimmberechtigten für die zweite Gotthard-Röhre - auch in der Annahme, dass sich am Status Quo der Verlagerungspolitik nichts ändere, sagte Pedrini am Donnerstag. Laut dem Sindaco müsste die Eröffnung des Gotthard-Basistunnels abgewartet werden bis das Verlagerungsziel erneut beurteilt werden könne. Generell sei es bereits ein Erfolg, wenn künftig weniger Lastwagen die Schweizer Alpen passierten.Der Nationalrat hatte am Mittwochabend im Einverständnis mit dem Bundesrat ein Postulat der FDP-Fraktion angenommen, das eine Anpassung des bestehenden Gesetzes zur Prüfung vorschlug. Gemäss dem Verlagerungsziel müsste die Zahl der Lastwagen-Fahrten bis 2018 auf 650'000 reduziert werden.Gemäss dem Bundesamt für Statistik überquerten 2014 1,03 Millionen schwere Strassengüterfahrzeuge die Schweizer Alpen, fast drei Viertel davon via die Gotthard-Route. Zwischen 1981 und 2000 habe sich die Anzahl Fahrten über die schweizerischen Alpen in etwa vervierfacht. Seither sei unter anderem durch die Umsetzung der flankierenden Verlagerungsmassnahmen eine Stabilisierung zu verzeichnen.